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Justizze. Art. 27 DSG

Bundesgericht

Sechsmonatige Vorratsdatenspeicherung von Telekommunikations-Randdaten durch Fernmeldedienstanbieter ist verfassungs- und konventionskonform (Art. 15 Abs. 3 BÜPF)

BGE / ATF / DTF
BGE 144 I 126 · ATF 144 I 126 · DTF 144 I 126
Datum
02.03.2018
Geschäftsnummer
1C_598/2016
Abteilung
I. Öffentlich-rechtliche Abteilung
Ausgang
Abgewiesen

Tragende Normen

Art. 82 BGG Art. 83 BGG Art. 89 BGG Art. 95 BGG Art. 13 BV Art. 36 BV Art. 15 BÜPF Art. 27 DSG Art. 8 EMRK Art. 10 EMRK

Zusammenfassung

Mehrere Personen wandten sich an den Dienst Überwachung Post- und Fernmeldeverkehr und beantragten, ihre bei Fernmeldedienstanbietern gespeicherten Verkehrs- und Rechnungsdaten zu löschen und deren künftige Speicherung zu untersagen. Sie rügten, die systematische und anlasslose Speicherung verletze ihr Recht auf Achtung des Privatlebens, auf informationelle Selbstbestimmung, auf Medienfreiheit sowie die Unschuldsvermutung. Der Dienst ÜPF wies die Gesuche ab, worauf das Bundesverwaltungsgericht die Beschwerden ebenfalls abwies. Die Gesuchsteller erhoben Beschwerde ans Bundesgericht.

Das Bundesgericht wies die Beschwerde ab, soweit darauf einzutreten war.

Die Speicherung und Aufbewahrung von Verkehrs- und Rechnungsdaten erfolgt unabhängig von einer allfälligen Strafuntersuchung und kann auch andere Zwecke verfolgen, etwa die Suche und Rettung vermisster Personen; daraus lässt sich weder ein Verdacht noch eine Schuld im strafprozessualen Sinne ableiten. Es handelt sich lediglich um Randdaten und nicht um den Inhalt der Telekommunikation, was den Eingriff deutlich weniger einschneidend macht. Die Randdaten werden auf der Stufe der Speicherung und Aufbewahrung bei den einzelnen privaten Fernmeldedienstanbietern nicht zusammengeführt oder miteinander verknüpft, weshalb keine sensiblen Profile erstellt werden können; sie stehen den staatlichen Stellen auch nicht unmittelbar in ihrer Gesamtheit zur Verfügung. Für den Zugriff auf diese Daten durch die Strafverfolgungsbehörden müssen die in der Strafprozessordnung festgelegten Voraussetzungen erfüllt sein, insbesondere der dringende Verdacht einer schweren Straftat, und es bedarf der Genehmigung durch ein unabhängiges Gericht. Die gesetzliche Grundlage in Art. 15 Abs. 3 BÜPF ist hinreichend präzise, da für jeden Benutzer von Fernmeldediensten ersichtlich ist, dass die mit seinen Kommunikationsvorgängen zusammenhängenden äusseren Daten während sechs Monaten gespeichert und aufbewahrt werden. Das öffentliche Interesse an der Strafverfolgung und an der öffentlichen Gesundheit ist sehr gewichtig, da die Vorratshaltung zur Aufklärung und Verfolgung von Straftaten sowie zur Suche und Rettung vermisster Personen dient. Die Datenschutzgarantien sind wirksam und angemessen: Die Fernmeldedienstanbieter unterliegen den datenschutzrechtlichen Vorschriften, insbesondere Art. 7 DSG und der VDSG, und müssen technische und organisatorische Massnahmen zum Schutz der Daten ergreifen; der eidgenössische Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragte überwacht die Einhaltung; zudem steht den Betroffenen ein Auskunftsrecht nach Art. 8 DSG und ein Löschungsanspruch nach Art. 25 Abs. 3 lit. a DSG zu. Die Aufbewahrungsdauer von sechs Monaten ist verhältnismässig, da die Aufklärung von Straftaten, insbesondere im Bereich des Terrorismus oder organisierten Verbrechens, oft viel Zeit in Anspruch nimmt und der EGMR im Fall Zakharov gegen Russland eine sechsmonatige Aufbewahrungsfrist für Überwachungsdaten als vernünftig bezeichnete.

Die Rüge der Verletzung von Grundrechten, insbesondere Art. 13 BV und Art. 8 EMRK, erweist sich somit als unbegründet. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist. Die Beschwerdeführer tragen die Gerichtskosten von Fr. 4'000.--. Der Dienst ÜPF hat keinen Anspruch auf Parteikostenersatz.

Diese Entscheidung bestätigt die Vereinbarkeit der schweizerischen Vorratsdatenspeicherung mit der Bundesverfassung und der Europäischen Menschenrechtskonvention und stellt klar, dass die bloße Speicherung von Randdaten ohne konkreten Anlass keinen schweren Eingriff darstellt, solange der Zugriff darauf strengen rechtlichen Voraussetzungen und richterlicher Kontrolle unterliegt.

Regeste

Speicherung und Aufbewahrung von Randdaten der Telekommunikation. Streitgegenstand bildet die verwaltungsrechtliche Frage, ob die Speicherung und Aufbewahrung von mit dem Fernmeldeverkehr verbundenen Randdaten konform mit der Verfassung bzw. der EMRK sind (E. 2.2). Art. 15 Abs. 3 des bis zum 28. Februar 2018 geltenden Bundesgesetzes betreffend die Überwachung des Post- und Fernmeldeverkehrs (aBÜPF) verpflichtete die Fernmeldedienstanbieter - gleich wie das heute geltende BÜPF -, die für die Teilnehmeridentifikation notwendigen Daten sowie die Verkehrs- und Rechnungsdaten ihrer Kunden zu speichern und während sechs Monaten aufzubewahren (E. 3). Die Speicherung und die Aufbewahrung von Randdaten stellen einen Eingriff in die Grundrechte der Betroffenen dar, insbesondere in das Recht auf Achtung des Privatlebens, das den Anspruch auf informationelle Selbstbestimmung miteinschliesst (E. 4). Die Intensität dieses Grundrechtseingriffs ist allerdings zu relativieren: Die gespeicherten Daten betreffen nicht den Inhalt der Kommunikation und werden von den Fernmeldeunternehmen weder gesichtet noch miteinander verknüpft; für einen Zugriff der Strafverfolgungsbehörden müssen die qualifizierten gesetzlichen Voraussetzungen der Strafprozessordnung erfüllt sein (E. 5). Art. 15 Abs. 3 aBÜPF bildete für die Randdatenspeicherung eine hinreichende gesetzliche Grundlage (E. 6). Die Randdatenspeicherung und -aufbewahrung dient namentlich der Aufklärung von Straftaten; damit liegt ein gewichtiges öffentliches Interesse vor (E. 7). Die datenschutzrechtlichen Bestimmungen sehen wirksame und angemessene Garantien zum Schutz vor Missbrauch und behördlicher Willkür vor. Unter diesen Rahmenbedingungen ist auch die sechsmonatige Aufbewahrungsdauer verhältnismässig (E. 8). Regeste Enregistrement et conservation de données secondaires de télécommunication. L'objet du litige porte sur la question - de droit administratif - de savoir si l'enregistrement et la conservation de données secondaires de télécommunication sont conformes à la Constitution, respectivement à la CEDH (consid. 2.2). L'art. 15 al. 3 de la loi fédérale sur la surveillance de la correspondance par poste et télécommunication, dans sa version en vigueur jusqu'au 28 février 2018 (aLSCPT), imposait aux fournisseurs de services de télécommunication - à l'instar de la loi actuellement en vigueur - l'enregistrement, et leur conservation durant six mois, des données permettant l'identification de leurs clients ainsi que les données relatives au trafic et à la facturation (consid. 3). L'enregistrement et la conservation de données secondaires de télécommunication portent atteinte aux droits fondamentaux des utilisateurs concernés, en particulier à leur droit au respect de la vie privée, qui comprend celui de l'autodétermination informationnelle (consid. 4). L'intensité de cette ingérence doit cependant être relativisée: les données conservées ne concernent pas le contenu des communications, elles ne sont pas visionnées par les entreprises de télécommunication ni mises en lien les unes avec les autres; l'accès des autorités pénales à ces informations est soumis aux conditions strictes du code de procédure pénale (consid. 5). L'art 15 al. 3 aLSCPT constituait une base légale suffisante pour la conservation des données secondaires (consid. 6). L'enregistrement et la conservation de telles données sont en particulier utilisés dans le cadre d'enquêtes pénales, ce qui relève d'un intérêt public important (consid. 7). Les dispositions en matière de protection des données prévoient des garanties efficaces et adéquates contre une utilisation abusive et l'arbitraire des autorités. Dans ces circonstances, une durée de conservation de six mois apparaît également proportionnée (consid. 8). Regesto Memorizzazione e conservazione di dati marginali di telecomunicazione. Oggetto del litigio è la questione di diritto amministrativo di sapere se la memorizzazione e la conservazione di dati marginali collegati con il traffico delle telecomunicazioni sono conformi alla Costituzione risp. alla CEDU (consid. 2.2). Secondo l'art. 15 cpv. 3, in vigore fino al 28 febbraio 2018, della legge federale sulla sorveglianza della corrispondenza postale e del traffico delle comunicazioni (vLSCPT), gli offerenti di prestazioni di telecomunicazioni erano tenuti - come secondo la legge attualmente in vigore - a conservare per sei mesi i dati necessari all'identificazione degli utenti, come anche i dati relativi al traffico e alla fatturazione (consid. 3). La memorizzazione e la conservazione di dati marginali costituiscono un'ingerenza nei diritti fondamentali degli interessati, in particolare nel diritto al rispetto della vita privata, che comprende quello all'autodeterminazione informativa (consid. 4). L'intensità di questa ingerenza nei diritti fondamentali dev'essere tuttavia relativizzata: i dati memorizzati non concernono il contenuto della comunicazione e non vengono esaminati o correlati tra loro; l'accesso da parte delle autorità di perseguimento penale a queste informazioni presuppone l'adempimento delle qualificate condizioni legali del codice di diritto processuale penale (consid. 5). L'art. 15 cpv. 3 vLSCPT costituisce una base legale sufficiente per la memorizzazione di dati marginali (consid. 6). La memorizzazione e la conservazione di questi dati serve segnatamente - come la LSCPT attualmente in vigore - a chiarire reati penali; si è quindi in presenza di un interesse pubblico importante (consid. 7). Le norme sulla protezione di dati prevedono garanzie efficaci e adeguate per la tutela da abusi e dall'arbitrio delle autorità. In questi limiti anche la durata di conservazione di sei mesi è proporzionale (consid. 8).

Originalentscheid beim Gericht ↗

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