Justizze.

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Justizze. Art. 10 ELG

Bundesgericht

Gemeinde klagt gegen Ergänzungsleistungen für Witwe und Waisen: Begrenzung der Heimtagestaxe auf Fr. 111.– für ausserkantonale Kinder- und Jugendheime rechtmässig (Art. 10 Abs. 2 lit. a ELG)

BGE / ATF / DTF
BGE 143 V 9 · ATF 143 V 9 · DTF 143 V 9
Datum
13.01.2017
Geschäftsnummer
9C_459/2016
Abteilung
II. sozialrechtliche Abteilung
Ausgang
Abgewiesen

Tragende Normen

Art. 20 ATSG Art. 59 ATSG Art. 10 ELG Art. 10 ELG. Art. 4 ELV Art. 20 ELV Art. 25a ELV Art. 7 IFEG Art. 39 KVG

Zusammenfassung

Die politische Gemeinde A.________, als Sozialhilfegemeinde zuständig für B.________ und deren Kinder C.________, D.________ und E.________, erhob Beschwerde gegen den Entscheid des Verwaltungsgerichts des Kantons Schwyz vom 17. Mai 2016. Streitgegenstand war die Berechnung der Ergänzungsleistungen für B.________ ab 1. August 2015 sowie für ihre Kinder ab Juni bzw. Juli 2015. Die Gemeinde beantragte, die tatsächlichen Heimtagestaxen – Fr. 263.– für das Wohnheim F.________, Fr. 592.– für das Kinderheim G.________ und Fr. 321.– für das Kinder- und Jugendheim H.________ – vollumfänglich anzuerkennen, statt wie bisher nur Fr. 111.– pro Tag. Es war strittig, ob die kantonale Begrenzung der anrechenbaren Tagestaxe auf 210 % des allgemeinen Lebensbedarfs für diese ausserkantonalen Heime rechtmässig ist.

Das Bundesgericht wies die Beschwerde ab. Es bestätigte die Beschwerdelegitimation der Gemeinde als Sozialhilfegemeinde gemäss Art. 59 ATSG i.V.m. Art. 20 Abs. 1 ELV und Art. 67 Abs. 1 AHVV. Der entscheidende Punkt betraf die Auslegung von Art. 10 Abs. 2 lit. a ELG: Das Bundesgericht stellte klar, dass die darin enthaltene Schranke zur Verhinderung von Sozialhilfe-Abhängigkeit ausschliesslich für vom Kanton anerkannte Pflegeheime im Sinne von Art. 39 Abs. 3 KVG gilt, nicht aber für andere Heime wie das Wohnheim F.________, das Kinderheim G.________ oder das Kinder- und Jugendheim H.________. Damit ist die kantonale Regelung in § 5 Abs. 1 ELG-SZ, welche die anrechenbare Tagestaxe auf 210 % des allgemeinen Lebensbedarfs (Fr. 111.–) begrenzt, rechtmässig. Die Beschwerdeführerin konnte nicht nachweisen, dass die Vorinstanz § 5 ELG-SZ willkürlich ausgelegt hätte. Auch die Analogieanwendung von Art. 7 IFEG auf nicht invalide Personen wurde zurückgewiesen, da die Koordination zwischen Invalidenversicherung und Ergänzungsleistungen sich nur auf die Anerkennung von Institutionen erstreckt, nicht aber auf die Finanzierungsregeln. Eine Ungleichbehandlung zwischen invaliden und nicht invaliden Personen fällt nicht in die Prüfungskompetenz des Bundesgerichts. Die Beschwerde ist daher unbegründet. Die Gerichtskosten von Fr. 500.– werden der Beschwerdeführerin auferlegt. Die Entscheidung präzisiert die Reichweite der Sozialhilfevermeidungspflicht im Ergänzungsleistungsrecht und bestätigt die kantonale Gestaltungsfreiheit bei der Festsetzung von Tagestaxen für nicht-pflegerische Heime.

Regeste

Art. 10 Abs. 2 lit. a ELG; Art. 25a Abs. 1 ELV i.V.m. Art. 39 Abs. 3 KVG; § 5 des schwyzerischen Gesetzes vom 28. März 2007 über Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung; Art. 3 Abs. 1 lit. b und Art. 14 Abs. 1 Ingress und Abs. 6 ELG; Art. 190 BV; Heimtaxen. Art. 10 Abs. 2 lit. a ELG verpflichtet die Kantone nicht, die Tagestaxen auch bei anderen Einrichtungen als anerkannten Pflegeheimen nach Art. 39 Abs. 3 KVG so festzusetzen, dass die dort lebenden EL-Bezüger - in der Regel - nicht Sozialhilfe beantragen müssen. Diese eingeschränkte Tragweite von Art. 10 Abs. 2 lit. a ELG kann dazu führen, dass kein Anspruch auf eine jährliche Ergänzungsleistung besteht und als Folge davon grundsätzlich auch nicht auf Vergütung der Krankheits- und Behinderungskosten (E. 6.1 und 6.2). Dies kann dort der Fall sein, wo eine Tagestaxe die tatsächlichen Heimkosten (bei Weitem) nicht deckt. Von Verfassung wegen ist dies hinzunehmen (Art. 190 BV). Regeste Art. 10 al. 2 let. a LPC; art. 25a al. 1 OPC-AVS/AI en relation avec l'art. 39 al. 3 LAMal; § 5 de la loi schwyzoise du 28 mars 2007 sur les prestations complémentaires à l'AVS et à l'AI; art. 3 al. 1 let. b et art. 14 al. 1 in initio et al. 6 LPC; art. 190 Cst.; taxe en cas de séjour dans un home. L'art. 10 al. 2 let. a LPC n'impose pas aux cantons de fixer les taxes journalières également pour d'autres institutions que les établissements médico-sociaux reconnus selon l'art. 39 al. 3 LAMal de telle sorte que les bénéficiaires de prestations complémentaires qui y vivent ne doivent pas - en règle générale - requérir l'aide sociale. Cette portée restreinte de l'art. 10 al. 2 let. a LPC peut aboutir à l'absence de droit à des prestations complémentaires annuelles et, par conséquent, en principe aussi à l'absence du droit au remboursement des frais de maladie et d'invalidité (consid. 6.1 et 6.2). Cela peut être le cas lorsqu'une taxe journalière ne couvre (de loin) pas les frais réels du home. Cela est admissible au regard de la Constitution (art. 190 Cst.). Regesto Art. 10 cpv. 2 lett. a LPC; art. 25a cpv. 1 OPC-AVS/AI in relazione all'art. 39 cpv. 3 LAMal; § 5 della legge svittese del 28 marzo 2007 sulle prestazioni complementari all'AVS e all'AI; art. 3 cpv. 1 lett. b e art. 14 cpv. 1 preambolo e cpv. 6 LPC; art. 190 Cost.; tassa per le persone che soggiornano in un istituto. L'art. 10 cpv. 2 lett. a LPC non impone ai Cantoni di stabilire le tasse giornaliere per altri istituti oltre alle case di cura riconosciute all'art. 39 cpv. 3 LAMal con la conseguenza che i beneficiari di prestazioni complementari che vi soggiornano non devono, di regola, chiedere l'assistenza sociale. Tale portata limitata dell'art. 10 cpv. 2 lett. a LPC può condurre all'inesistenza del diritto alla prestazione complementare annua e, di conseguenza, in linea principio al mancato rimborso delle spese di malattia e delle spese dovute all'invalidità (consid. 6.1 e 6.2). Tale può essere il caso quando una tassa giornaliera non copre (di gran lunga) le spese effettive dell'istituto. Dal profilo costituzionale ciò è ammissibile (art. 190 Cost.).

Originalentscheid beim Gericht ↗

Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.

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