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Justizze. Art. 11 ELG

Bundesgericht

Sozialhilfebehörde klagt gegen Ergänzungsleistungsentscheid: Freizügigkeitsguthaben ist erst ab Rechtskraft der Invalidenrente als verzehrbare Vermögensgrundlage anzurechnen (Art. 11 Abs. 1 lit. c ELG)

BGE / ATF / DTF
BGE 146 V 331 · ATF 146 V 331 · DTF 146 V 331
Datum
01.01.2020
Geschäftsnummer
BGE 146 V 331
Abteilung
CH_BGE_007
Ausgang
Gutgeheissen

Tragende Normen

Art. 95 BGG Art. 106 BGG Art. 107 BGG Art. 11 ELG Art. 20 ELV Art. 22 ELV Art. 16 FZV Art. 16 OLP

Zusammenfassung

Regionale Sozialdienste A. und B. führten Beschwerde gegen einen Entscheid der Ausgleichskasse des Kantons Bern, der bei der Berechnung von Ergänzungsleistungen zur Invalidenrente ein Freizügigkeitsguthaben bereits rückwirkend ab November 2014 berücksichtigt hatte. Streit war, ob dieses Guthaben – das erst im April 2018 ausgezahlt wurde – bereits ab dem Beginn des Rentenanspruchs oder erst ab einem späteren Zeitpunkt als verzehrbare Vermögensgrundlage einzusetzen ist. Die Vorinstanz hatte die Beschwerden abgewiesen.

Das Bundesgericht hob den vorinstanzlichen Entscheid auf und stellte fest, dass das Freizügigkeitsguthaben erst ab 1. März 2018 als verzehrbares Vermögen bei der Berechnung des Ergänzungsleistungsanspruchs zu berücksichtigen ist. Dies ergibt sich aus der Auslegung von Art. 11 Abs. 1 lit. c ELG und Art. 16 Abs. 2 FZV: Ein verzehrbarer Vermögenswert liegt nicht erst mit dem tatsächlich erfolgten Bezug vor, sondern bereits dann, wenn dieser rechtlich zulässig ist; der Anspruch auf Auszahlung des Freizügigkeitsguthabens entsteht jedoch erst mit Rechtskraft der Zusprache einer ganzen Rente der Invalidenversicherung. Da die IV-Verfügung vom 8. Februar 2018 unangefochten in Rechtskraft erwuchs, trat dieser Zeitpunkt spätestens am 1. März 2018 ein. Das Bundesgericht durfte nicht über die Begehren der Parteien hinausgehen (Art. 107 Abs. 1 BGG) und folgte daher dem Antrag der Beschwerdeführer, das Guthaben ab 1. März 2018 einzusetzen. Die Ausgleichskasse trägt die Gerichtskosten (Art. 66 Abs. 1 Satz 1 BGG); Parteientschädigung wird verneint (Art. 68 Abs. 3 BGG). Die Entscheidung klärt erstmals ausdrücklich, dass die Rechtskraft der Rentenverfügung – nicht der rückwirkende Anspruchsbeginn – den maßgeblichen Zeitpunkt für die Anrechnung des Freizügigkeitsguthabens bildet.

Regeste

Art. 11 Abs. 1 lit. c ELG; Art. 16 Abs. 2 FZV; Zeitpunkt der Anrechnung von Guthaben eines Freizügigkeitskontos bei rückwirkender Ausrichtung von Ergänzungsleistungen zur Invalidenrente. Übersicht über die Rechtsprechung. Ein verzehrbarer Vermögenswert im Sinne von Art. 11 Abs. 1 lit. c ELG liegt nicht erst mit dem tatsächlich erfolgten Bezug des Freizügigkeitsguthabens vor, sondern bereits dann, wenn dieser rechtlich zulässig ist (E. 3 und 4). Der in Art. 16 Abs. 2 FZV normierte Anspruch auf Auszahlung des Guthabens eines Freizügigkeitskontos entsteht mit Rechtskraft der Zusprache einer ganzen Rente der Invalidenversicherung (E. 5). Regeste Art. 11 al. 1 let. c LPC; art. 16 al. 2 OLP; moment auquel doit être examinée l'imputation d'un avoir provenant d'un compte de libre passage en cas d'allocation rétroactive de prestations complémentaires à une rente de l'assurance-invalidité. Aperçu de la jurisprudence. L'imputation d'un élément de fortune au sens de l'art. 11 al. 1 let. c LPC est réalisée non seulement en cas de versement effectif d'un avoir de libre passage, mais déjà lorsque celui-ci est légalement admissible (consid. 3 et 4). Le droit au versement au sens de l'art. 16 al. 2 OLP d'un avoir provenant d'un compte de libre passage naît au moment de l'entrée en force de la décision d'octroi d'une rente entière de l'assurance-invalidité (consid. 5). Regesto Art. 11 cpv. 1 lett. c LPC; art. 16 cpv. 2 OLP; momento del computo di un avere del conto di libero passaggio in caso di concessione retroattiva di prestazioni complementari a una rendita d'invalidità. Riepilogo della giurisprudenza. Il computo di un importo della sostanza nel senso dell'art. 11 cpv. 1 lett. c LPC avviene non solo in caso di versamento effettivo di un avere di libero passaggio ma già quando esso è legalmente ammissibile (consid. 3 e 4). Il diritto al pagamento di un avere del conto di libero passaggio nel senso dell'art. 16 cpv. 2 OLP sorge al momento della crescita in giudicato della decisione di concessione di una rendita intera dell'assicurazione per l'invalidità (consid. 5).

Originalentscheid beim Gericht ↗

Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.

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