Justizze.

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Justizze. Art. 9 ELG

Bundesgericht

Ehefrau eines AHV-Rentners beantragt Ergänzungsleistungen: hypothetisches Einkommen wird angerechnet, aber Übergangsfrist wegen Unklarheit über Kündigungszeitpunkt des Ehemanns zulässig (Art. 9 Abs. 2 ELG)

BGE / ATF / DTF
BGE 142 V 12 · ATF 142 V 12 · DTF 142 V 12
Datum
14.01.2016
Geschäftsnummer
9C_347/2015
Abteilung
II. sozialrechtliche Abteilung
Ausgang
Abgewiesen

Tragende Normen

Art. 42 BGG Art. 90 BGG Art. 93 BGG Art. 3 ELG Art. 9 ELG Art. 11 ELG Art. 14a ELV Art. 14b ELV Art. 25 ELV Art. 335c OR Art. 163 ZGB

Zusammenfassung

Die Ausgleichskasse des Kantons Zug lehnte einen Anspruch auf Ergänzungsleistungen (EL) des A.________ ab, weil sie seiner Ehefrau ein hypothetisches Erwerbseinkommen anrechnete. Das Verwaltungsgericht des Kantons Zug hob diesen Entscheid teilweise auf und wies die Sache zur Neuentscheidung unter Berücksichtigung einer Übergangsfrist für die Ehefrau zurück. Die Ausgleichskasse erhob Beschwerde beim Bundesgericht und beantragte die Bestätigung ihres Einspracheentscheids. Streit war, ob bei einer erstmaligen EL-Anmeldung eine Übergangsfrist für die zumutbare Erwerbstätigkeit der Ehefrau einzuräumen ist und ob die Vorinstanz zu Recht die Sache zurückwies.

Das Bundesgericht wies die Beschwerde der Ausgleichskasse ab. Es stellte fest, dass die Vorinstanz zu Recht die Sache zurückwies, weil die Akten keine klaren Angaben darüber enthielten, ob das Arbeitsverhältnis des Beschwerdegegners bis Ende 2013 befristet war oder – bei unbefristeter Anstellung – wann die Kündigung erfolgte; ohne diese Angaben lässt sich nicht bestimmen, ob und in welchem Umfang eine Übergangsfrist für die Ehefrau einzuräumen ist. Zwar ist der AHV-Rentenbeginn absehbar und der Ehepartner muss sich rechtzeitig erwerblich einbinden, doch fehlen hier die objektiven Fakten (Kündigungsdatum, Befristung), um dies zu prüfen. Die grundsätzliche Zumutbarkeit der arbeitsmarktlichen Integration der Ehefrau war unbestritten, ebenso die grundsätzliche Anrechenbarkeit eines hypothetischen Einkommens nach Art. 9 Abs. 2 ELG in Verbindung mit Art. 11 Abs. 1 lit. a und g ELG sowie Art. 163 ZGB. Die Rechtsprechung zur Übergangsfrist gilt sowohl für laufende als auch für neu beantragte EL, doch ist bei AHV-Rentnern der Stichtag der Kündigung des rentenberechtigten Ehepartners als objektiver Anknüpfungspunkt maßgeblich – dieser konnte mangels Aktenlage nicht ermittelt werden. Die Ausgleichskasse hat daher die Gerichtskosten von Fr. 500.– zu tragen und dem Beschwerdegegner eine Parteientschädigung von Fr. 2'400.– zu zahlen. Die Entscheidung präzisiert die Voraussetzungen für die Gewährung einer Übergangsfrist bei erstmaliger EL-Anmeldung im AHV-Kontext und betont die Bedeutung objektiver, nicht manipulierbarer Fakten wie des Kündigungsdatums.

Regeste

Art. 9 Abs. 2, Art. 11 Abs. 1 lit. a und g ELG; Anrechnung eines hypothetischen Erwerbseinkommens der nicht invaliden Ehefrau eines AHV-altersrentenberechtigten EL-Ansprechers; Anpassungsfrist. Unter dem Titel des bei der Berechnung der Ergänzungsleistung (EL) anrechenbaren Verzichtseinkommens ist grundsätzlich auch ein hypothetisches Einkommen des (nicht invaliden) Ehegatten eines EL-Ansprechers zu berücksichtigen (E. 3). Dabei ist dem Ehegatten rechtsprechungsgemäss sowohl im Falle laufender als auch erstmals beantragter EL eine realistische Übergangsfrist für die zumutbare Aufnahme einer Erwerbstätigkeit oder die Ausdehnung eines Arbeitspensums einzuräumen. Dies gilt dort nicht, wo mit Blick auf einen absehbaren künftigen EL-Bezug des einen Ehepartners, beispielsweise infolge Eintritts in das AHV-Rentenalter und Aufgabe der Erwerbstätigkeit, dem anderen Ehepartner im Vorfeld genügend Zeit zur Verfügung stand, um sich erwerblich einzugliedern (E. 5.4). Regeste Art. 9 al. 2, art. 11 al. 1 let. a et g LPC; prise en compte d'un revenu hypothétique de l'épouse non-invalide d'un demandeur de prestations complémentaires bénéficiant d'une rente AVS de vieillesse; délai d'adaptation. Un revenu hypothétique du conjoint (non-invalide) d'un requérant de prestations complémentaires (PC) doit en principe également être pris en considération au titre de dessaisissement de revenu imputable dans le calcul des prestations complémentaires (consid. 3). Il faut cependant octroyer au conjoint selon la jurisprudence un délai de transition réaliste pour la prise exigible d'une activité lucrative ou l'augmentation du taux d'activité aussi bien lorsque des prestations sont en cours que dans le cadre d'une première demande de PC. Ce principe ne vaut pas lorsqu'au vu de l'obtention prévisible des PC par l'un des conjoints, en raison par exemple de l'accession à l'âge de la retraite AVS et de la cessation de l'activité lucrative, l'autre conjoint a disposé de suffisamment de temps pour une intégration professionnelle (consid. 5.4). Regesto Art. 9 cpv. 2, art. 11 cpv. 1 lett. a e g LPC; computo di un ipotetico reddito da lavoro della moglie non invalida di un beneficiario di rendita AVS di vecchiaia richiedente prestazioni complementari; termine d'adeguamento. Un reddito ipotetico del coniuge (non invalido) di un richiedente prestazioni complementari (PC) deve in linea di principio essere comunque considerato come una rinuncia di reddito computabile nel calcolo delle prestazioni complementari (consid. 3). In tal caso occorre concedere al coniuge, conformemente alla giurisprudenza, un termine transitorio ragionevole per l'inizio di un'attività lucrativa esigibile o per l'aumento del grado d'occupazione nel caso di prestazioni complementari correnti oppure nell'ambito di una prima domanda. Questo principio non è valido quando, tenuto conto dell'ottenimento prevedibile delle PC da parte di uno dei due coniugi, a causa per esempio del raggiungimento dell'età pensionabile AVS e della cessazione dell'attività lucrativa, l'altro coniuge ha avuto un lasso di tempo sufficiente per integrarsi professionalmente (consid. 5.4).

Originalentscheid beim Gericht ↗

Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.

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