Justizze.

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Justizze. Art. 115 StPO

Bundesgericht

Erbe erstattet Strafanzeige gegen Miterbin: Beschwerdelegitimation gegen Nichtanhandnahme bejaht, auch ohne gemeinsame Zivilklage (Art. 115 Abs. 1 StPO)

BGE / ATF / DTF
BGE 141 IV 380 · ATF 141 IV 380 · DTF 141 IV 380
Datum
03.09.2015
Geschäftsnummer
BGE 141 IV 380
Ausgang
Gutgeheissen

Tragende Normen

Art. 30 StGB Art. 104 StPO Art. 115 StPO Art. 118 StPO Art. 119 StPO Art. 310 StPO Art. 322 StPO

Zusammenfassung

Ein Mann erstattete Strafanzeige gegen seine Schwester wegen unrechtmässiger Bankbezüge nach dem Tod ihrer gemeinsamen Mutter. Die Staatsanwaltschaft verfügte die Nichtanhandnahme der Strafuntersuchung. Das kantonale Obergericht trat auf die dagegen erhobene Beschwerde des Mannes nicht ein, da er als einzelnes Mitglied der Erbengemeinschaft nicht legitimiert sei, allein Rechtsmittel zu ergreifen. Der Mann focht diesen Nichteintretensentscheid beim Bundesgericht an und machte geltend, dass ihm als unmittelbar Geschädigtem das Strafantragsrecht persönlich zustehe und er daher zur Beschwerde legitimiert sei.

Das Bundesgericht heisst die Beschwerde gut und hebt den Nichteintretensentscheid des Obergerichts auf. Es stellt fest, dass eine Erbengemeinschaft keine eigene Rechtspersönlichkeit besitzt und daher nicht selbst Trägerin des durch die verletzte Strafnorm geschützten Rechtsguts sein kann. Folglich gelten die einzelnen Erben bei strafbaren Handlungen zum Nachteil der Erbengemeinschaft als unmittelbar Geschädigte im Sinne von Art. 115 Abs. 1 StPO. Da das Strafantragsrecht nach Art. 30 Abs. 1 StGB ein höchstpersönliches Recht ist, stand es dem Beschwerdeführer persönlich zu. Durch die Einreichung der Strafanzeige hat er sich wirksam als Privatkläger im Strafpunkt konstituiert. Als Partei im Sinne von Art. 104 Abs. 1 lit. b StPO war er damit legitimiert, gegen die Nichtanhandnahmeverfügung Beschwerde zu erheben. Das Gericht betont, dass die zivilrechtliche Beschränkung, wonach Ansprüche aus dem Nachlass grundsätzlich nur gemeinsam geltend gemacht werden können (Art. 602 Abs. 2 ZGB), der strafrechtlichen Beschwerdelegitimation nicht entgegensteht. Der Beschwerdeführer konnte zwar keine adhäsionsweise Zivilforderung allein anmelden, aber als Strafkläger die Bestrafung verlangen und Rechtsmittel ergreifen. Die Vorinstanz hatte die Legitimation zu Unrecht verneint, indem sie annahm, ein einzelner Erbe könne nur in Ausnahmefällen allein handeln.

Regeste

Art. 30 Abs. 1 StGB; Art. 602 Abs. 1 und 2, Art. 652 und 653 Abs. 2 ZGB; Art. 104 Abs. 1 lit. b, Art. 115 Abs. 1, Art. 118 Abs. 1 und 2, Art. 119 Abs. 2 und Art. 310 Abs. 2 i.V.m. Art. 322 Abs. 2 StPO; Straftaten zum Nachteil einer Erbengemeinschaft; Nichtanhandnahmeverfügung; Strafantragsrecht und Beschwerdelegitimation von einzelnen Mitgliedern der Erbengemeinschaft. Bei strafbaren Handlungen zum Nachteil einer Erbengemeinschaft gelten die einzelnen Erben als Geschädigte nach Art. 115 Abs. 1 StPO (E. 2.3.3). Als unmittelbar Geschädigtem steht das Strafantragsrecht im Sinne von Art. 30 Abs. 1 StGB dem einzelnen Erben persönlich zu (E. 2.3.4). Der geschädigte Erbe, der von seinem Strafantragsrecht Gebrauch gemacht hat, hat sich im Strafpunkt gültig als Privatkläger (Strafkläger) konstituiert. Als Partei im Sinne von Art. 104 Abs. 1 lit. b StPO ist er ohne Mitwirkung der übrigen Erben zur Beschwerde gegen die Nichtanhandnahme der Strafuntersuchung legitimiert. Dass der betreffende Erbe zivilrechtliche Ansprüche aus dem Nachlass nicht allein geltend machen kann, steht der Beschwerdelegitimation im Sinne von Art. 310 Abs. 2 i.V.m. Art. 322 Abs. 2 StPO nicht entgegen (E. 2.3.5-2.5). Regeste Art. 30 al. 1 CP; art. 602 al. 1 et 2, art. 652 et 653 al. 2 CC; art. 104 al. 1 let. b, art. 115 al. 1, art. 118 al. 1 et 2, art. 119 al. 2 et art. 310 al. 2 en lien avec l'art. 322 al. 2 CPP; infractions commises au préjudice d'une communauté héréditaire; ordonnance de non-entrée en matière; droit de porter plainte et qualité pour recourir individuellement des membres de la communauté héréditaire. En cas d'infractions commises au préjudice d'une communauté héréditaire, les héritiers individuellement sont considérés comme des lésés au sens de l'art. 115 al. 1 CPP (consid. 2.3.3). Le droit de porter plainte au sens de l'art. 30 al. 1 CP appartient à chaque héritier personnellement en sa qualité de lésé direct (consid. 2.3.4). L'héritier lésé qui a fait usage de son droit de porter plainte se constitue valablement partie plaignante (demandeur au pénal). En qualité de partie au sens de l'art. 104 al. 1 let. b CPP, il est légitimé à recourir contre la décision de non-entrée en matière, sans le concours des autres héritiers. Le fait que l'héritier concerné ne puisse pas faire valoir seul des prétentions civiles de la succession ne s'oppose pas à la qualité pour recourir au sens de l'art. 310 al. 2 en lien avec l'art. 322 al. 2 CPP (consid. 2.3.5-2.5). Regesto Art. 30 cpv. 1 CP; art. 602 cpv. 1 e 2, art. 652 e 653 cpv. 2 CC; art. 104 cpv. 1 lett. b, art. 115 cpv. 1, art. 118 cpv. 1 e 2, art. 119 cpv. 2 e art. 310 cpv. 2 unitamente all'art. 322 cpv. 2 CPP; reati a danno di una comunione ereditaria; decreto di non luogo a procedere; diritto di querela e legittimazione ricorsuale di ogni singolo membro della comunione ereditaria. In caso di reati a danno di una comunione ereditaria, ciascun erede è considerato danneggiato ai sensi dell'art. 115 cpv. 1 CPP (consid. 2.3.3). Il diritto di querela giusta l'art. 30 cpv. 1 CP spetta a ogni singolo erede personalmente, quale danneggiato diretto (consid. 2.3.4). L'erede danneggiato, che sporge querela, si costituisce validamente accusatore privato (relativamente all'azione penale). In quanto parte ai sensi dell'art. 104 cpv. 1 lett. b CPP è legittimato a presentare reclamo contro il decreto di non luogo a procedere, senza la partecipazione dei coeredi. L'impossibilità per l'erede in questione di far valere da solo pretese civili della successione non osta alla sua legittimazione ricorsuale giusta l'art. 310 cpv. 2 unitamente all'art. 322 cpv. 2 CPP (consid. 2.3.5-2.5).

Originalentscheid beim Gericht ↗

Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.

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