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Justizze. Art. 35 OR

Bundesgericht

Rechtsanwältin führt Beschwerde gegen Einziehung nach Tod des Mandanten: Transmortale Vollmacht wirksam, Vorinstanz muss Erben persönlich einbeziehen (Art. 35 Abs. 1 OR)

BGE / ATF / DTF
BGE 147 IV 465 · ATF 147 IV 465 · DTF 147 IV 465
Datum
27.08.2021
Geschäftsnummer
6B_336/2021
Abteilung
Strafrechtliche Abteilung
Ausgang
Rückweisung

Tragende Normen

Art. 81 BGG Art. 35 OR Art. 394 OR Art. 405 OR Art. 90 StPO Art. 105 StPO Art. 127 StPO Art. 319 StPO Art. 320 StPO Art. 321 StPO Art. 322 StPO Art. 382 StPO Art. 457 ZGB Art. 560 ZGB Art. 602 ZGB

Zusammenfassung

Die Rechtsanwältin Magda Zihlmann führte im Namen der noch nicht namentlich bekannten Erben des verstorbenen A.________ Beschwerde gegen den Entscheid der Anklagekammer des Kantons St. Gallen, welche mangels Vollmacht nicht in die Beschwerde eintreten wollte. Streitig war, ob die von A.________ vor seinem Tod erteilte Vollmacht über seinen Tod hinaus gültig ist und ob die Rechtsanwältin damit berechtigt war, die Einziehung des bei ihm sichergestellten Bargeldes von EUR 15'000.-- anzufechten. Die Staatsanwaltschaft beantragte die Abweisung der Beschwerde.

Das Bundesgericht hob den Entscheid der Anklagekammer auf und verwies die Sache zur Neubeurteilung zurück. Es stellte fest, dass die Vollmacht vom 5. November 2018 ausdrücklich über den Tod hinaus gilt und daher gemäss Art. 35 Abs. 1 OR sowie Art. 405 Abs. 1 und 2 OR wirksam ist. Da A.________ verstorben war, musste die Einziehung nicht gegen ihn, sondern gegen seine Erben erfolgen, welche gemäss Art. 105 Abs. 1 lit. f StPO unmittelbar betroffene Verfahrensbeteiligte mit Parteirechten sind. Das Untersuchungsamt Altstätten hatte daher die Erben ausfindig zu machen und ihnen die Parteirechte im Einziehungsverfahren zu gewähren, was es versäumte. Die Zustellung des Einziehungsentscheids vom 9. Dezember 2020 ausschliesslich an die Rechtsanwältin Zihlmann war daher fehlerhaft. Die Vorinstanz trat zu Unrecht nicht auf die Beschwerde ein, obwohl sich die Rechtsanwältin auf eine gültige transmortale Vollmacht berufen konnte, um die Interessen der noch nicht identifizierten Erben zu wahren. Gemäss Art. 66 Abs. 4 BGG werden keine Kosten erhoben. Der Kanton St. Gallen hat Rechtsanwältin Magda Zihlmann gemäss Art. 68 Abs. 1 BGG mit Fr. 3'000.-- für das bundesgerichtliche Verfahren zu entschädigen. Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege wurde gegenstandslos.

Regeste

Art. 70 StGB; Art. 127 Abs. 1 StPO; Art. 35 Abs. 1 und Art. 405 Abs. 1 OR; Einziehung von Vermögenswerten gegenüber den Erben der beschuldigten Person; Prozessvollmacht über den Tod hinaus. Prozessvollmachten über den Tod hinaus (sog. transmortale Vollmachten) sind grundsätzlich zulässig (E. 4.2; Bestätigung der Rechtsprechung). Stirbt die beschuldigte Person während des Untersuchungsverfahrens und ist eine Einziehung der beschlagnahmten Vermögenswerte daher gegenüber ihren Erben anzuordnen, erscheint es zum Schutz der einziehungsbetroffenen Erben - trotz der transmortalen Vollmacht des Erblassers - unabdingbar, dass die Erben von der Behörde, welche über die Einziehung zu befinden hat, über das Einziehungsverfahren nach Möglichkeit persönlich in Kenntnis gesetzt und aufgefordert werden, selber einen Rechtsbeistand zu bestimmen. Bis dahin behält die Vollmacht über den Tod hinaus grundsätzlich ihre Gültigkeit und der bevollmächtigte Rechtsanwalt kann sich darauf berufen, insbesondere wenn es darum geht, sicherzustellen, dass die Behörde die einziehungsbetroffenen Erben persönlich in das Verfahren einbezieht (E. 4.3 und 4.4). Regeste Art. 70 CP; art. 127 al. 1 CPP; art. 35 al. 1 et art. 405 al. 1 CO; confiscation de valeurs patrimoniales à l'encontre des héritiers du prévenu; procuration au-delà de la mort. Les procurations au-delà de la mort (procurations dites "trans mortem") sont en principe autorisées (consid. 4.2; confirmation de la jurisprudence). Si le prévenu décède au cours de la procédure d'instruction et que la confiscation des valeurs patrimoniales saisies doit donc être ordonnée à l'encontre de ses héritiers, il apparaît indispensable pour la protection des héritiers concernés par la confiscation - malgré la procuration trans mortem du défunt - que les héritiers soient informés personnellement, si possible, de la procédure de confiscation par l'autorité qui doit décider de la confiscation et qu'ils soient invités à désigner eux-mêmes un conseil juridique. En attendant, la procuration conserve en principe sa validité au-delà du décès et l'avocat mandaté peut s'y référer, notamment lorsqu'il s'agit de s'assurer que l'autorité associe personnellement les héritiers concernés par la confiscation à la procédure (consid. 4.3 et 4.4). Regesto Art. 70 CP; art. 127 cpv. 1 CPP; art. 35 cpv. 1 e art. 405 cpv. 1 CO; confisca di valori patrimoniali nei confronti degli eredi dell'imputato; procura processuale oltre la morte. Le procure processuali oltre la morte (cosiddette procure trans mortem) sono in linea di principio ammissibili (consid. 4.2; conferma della giurisprudenza). Se l'imputato muore durante la fase dell'istruzione penale e la confisca dei valori patrimoniali posti sotto sequestro deve di conseguenza essere ordinata nei confronti dei suoi eredi, per tutelare gli eredi interessati dalla confisca appare imprescindibile - malgrado una procura trans mortem del defunto - che l'autorità, chiamata a pronunciarsi sulla confisca, li informi, se possibile, personalmente della procedura di confisca e li inviti a designare un proprio patrocinatore. Nel frattempo la procura conserva in linea di principio la sua validità oltre la morte e l'avvocato mandatario può avvalersene, in particolare se si tratta di garantire che l'autorità coinvolga personalmente nel procedimento gli eredi interessati dalla confisca (consid. 4.3 e 4.4).

Originalentscheid beim Gericht ↗

Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.

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