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Justizze. Art. 19 BV

Bundesgericht

Autistisches Kind in Regelschule: Kostengutsprache für Vollzeitassistenz über Limit hinaus gewährt (Art. 19, 62 Abs. 2 BV)

BGE / ATF / DTF
BGE 141 I 9 · ATF 141 I 9 · DTF 141 I 9
Datum
04.12.2014
Geschäftsnummer
2C_590/2014
Abteilung
II. Öffentlich-rechtliche Abteilung
Ausgang
Gutgeheissen

Tragende Normen

Art. 8 BV Art. 19 BV Art. 62 BV Art. 20 BehiG

Zusammenfassung

Eltern eines Sohnes mit Autismus-Spektrum-Störung fochten gegen einen Beschluss der Schulpflege an, der die Finanzierung der Assistenzlektionen für den Besuch der Regelklasse auf 18 Wochenstunden begrenzte. Die Eltern hatten die darüber hinausgehende Vollzeitbegleitung selbst bezahlt und beantragten nun eine Kostengutsprache für alle erforderlichen Lektionen im Schuljahr 2012/2013. Die Vorinstanzen wiesen die Beschwerde ab, wobei das Verwaltungsgericht lediglich die Verfahrenskosten anteilig reduzierte.

Das Bundesgericht heisst die Beschwerde gut und hebt das Urteil des Verwaltungsgerichts auf. Es stellt fest, dass der Grundschulunterricht gemäss Art. 19 und Art. 62 Abs. 2 BV unentgeltlich sein muss. Diese Unentgeltlichkeit gilt unabhängig davon, ob die Beschulung integrativ oder separat erfolgt. Eine finanzielle Beteiligung der Eltern ist auch dann unzulässig, wenn die Schule zum Wohle des behinderten Kindes eine gesetzlich nicht vorgesehene Leistung erbringt.

Die kantonale Regelung, die die Assistenz auf maximal 18 Wochenstunden begrenzt (§ 7 Abs. 2 i.V.m. § 5 Abs. 2 V Sonderschulung), verstösst gegen das Diskriminierungsverbot (Art. 8 Abs. 2 BV) und den Auftrag zur Förderung der Integration (Art. 20 Abs. 2 BehiG). Da der Beschwerdeführer die Regelschule besuchte und dies ohne Beeinträchtigung anderer Schüler möglich war, durfte ihm nicht zugemutet werden, die Kosten für die notwendige Vollzeitassistenz selbst zu tragen. Die pauschale Obergrenze ignoriert die besonderen Bedürfnisse des Einzelfalls und ist willkürlich.

Das Gericht betont, dass die Integration in die Regelschule grundsätzlich bevorzugt wird, solange öffentliche Interessen (wie erhebliche Störung des Unterrichts oder unverhältnismässige Kosten) nicht entgegenstehen. Im vorliegenden Fall wurde nicht dargelegt, dass eine Sonderschulung günstiger gewesen wäre. Daher hat die Vollzeitassistenz unentgeltlich zu erfolgen.

Regeste

Art. 8 Abs. 2, Art. 19 und 62 BV sowie Art. 20 BehiG. Der ausreichende Grundschulunterricht ist zwingend unentgeltlich, auch wenn die Schule eine gesetzlich nicht vorgesehene Leistung erbringt. Kantonalrechtliche Regelungen, welche über die Zuteilung eines Kindes in die separative Sonderschulung aufgrund schematischer Grundlagen bestimmen, berücksichtigen im Einzelfall das Kindswohl nicht ausreichend. Nur ein angemessenes, erfahrungsgemäss ausreichendes Bildungsangebot an öffentlichen Schulen ist durch die Verfassung unentgeltlich gewährleistet. Eine bestmögliche Schulung von behinderten Kindern kann mit Rücksicht auf das staatliche Leistungsvermögen hingegen nicht eingefordert werden (E. 3). Wenn ein integrativer Unterricht mit zusätzlichen Assistenzlektionen in den konkreten Umständen dem gebotenen Unterricht entspricht und finanziell tragbar sowie praktisch möglich ist, sind die Assistenzlektionen für die Eltern unentgeltlich, auch wenn sie gesetzlich nicht vorgesehen sind (E. 4). Kantonalrechtliche Regelungen, welche über die Zuteilung eines behinderten Kindes in die separative Sonderschulung aufgrund schematischer Grundlagen bestimmen, berücksichtigen im Einzelfall das Kindswohl nicht ausreichend. Sie können nicht als rechtliche Grundlagen dienen, um den Besuch der Regelklasse nur bei Kostenübernahme der zusätzlichen Integrationsmassnahmen durch die Eltern zuzulassen (E. 5). Regeste Art. 8 al. 2, art. 19 et 62 Cst., ainsi qu'art. 20 LHand. L'enseignement de base suffisant doit être gratuit, même lorsque l'école fournit une prestation qui n'est pas prévue par la loi. Des dispositions de droit cantonal qui déterminent l'affectation d'un enfant à un enseignement spécialisé séparé sur des bases schématiques ne prennent pas suffisamment en considération le bien de l'enfant en cause. Seule la gratuité d'une offre de formation adéquate réputée suffisante au sein de l'école publique est garantie par la Constitution. En revanche, une scolarisation optimale des enfants handicapés ne peut pas être exigée compte tenu des capacités contributives de l'Etat (consid. 3). Lorsqu'un enseignement intégratif avec des cours de soutien supplémentaires correspond, dans les circonstances concrètes, à l'enseignement requis et reste supportable sur le plan financier ainsi que techniquement réalisable, ces cours sont gratuits pour les parents, même s'ils ne sont pas prévus par la loi (consid. 4). Des dispositions de droit cantonal qui déterminent l'affectation d'un enfant à un enseignement spécialisé séparé sur des bases schématiques ne prennent pas suffisamment en considération le bien de l'enfant en cause. Elles ne peuvent pas servir de base légale pour permettre la fréquentation des classes ordinaires seulement en cas de prise en charge des coûts des mesures d'intégration supplémentaires par les parents (consid. 5). Regesto Art. 8 cpv. 2, art. 19 e 62 Cost., così come art. 20 LDis. Un insegnamento di base sufficiente dev'essere necessariamente gratuito, anche quando la scuola fornisce una prestazione che non è prevista dalla legge. Disposizioni di diritto cantonale che determinano in modo schematico l'attribuzione di un bambino a un'istruzione scolastica speciale separata non prendono abbastanza in considerazione il bene del bambino nel singolo caso. La Costituzione garantisce solo la gratuità di un'offerta formativa adeguata e reputata sufficiente nelle scuole pubbliche. Tenuto conto delle risorse pubbliche, una scolarizzazione ottimale di bambini disabili non può essere invece pretesa (consid. 3). Quando un insegnamento integrativo con corsi di sostegno supplementari corrisponde nelle circostanze concrete all'insegnamento offerto, è finanziariamente sostenibile e possibile dal punto di vista pratico, questi corsi non devono costare nulla ai genitori, anche se non sono previsti dalla legge (consid. 4). Disposizioni di diritto cantonale che determinano in modo schematico l'attribuzione di un bambino a un'istruzione scolastica speciale separata, non prendono abbastanza in considerazione il bene del bambino nel singolo caso. Esse non possono servire da base legale per permettere la frequentazione di una classe ordinaria solo in caso di presa a carico dei costi delle misure di integrazione supplementari da parte dei genitori (consid. 5).

Originalentscheid beim Gericht ↗

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