Justizze.

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Justizze. Art. 38 BV

Bundesgericht

Bürgergemeinden Basel-Stadt, Riehen und Bettingen rügen kantonale Vermutungsregel für Grundkenntnisse bei ordentlicher Einbürgerung als Autonomieverletzung: Bundesgericht weist Beschwerde ab (Art. 50 Abs. 1 BV, Art. 38 Abs. 2 BV)

BGE / ATF / DTF
BGE 146 I 83 · ATF 146 I 83 · DTF 146 I 83
Datum
13.11.2019
Geschäftsnummer
BGE 146 I 83
Ausgang
Abgewiesen

Tragende Normen

Art. 82 BGG Art. 87 BGG Art. 89 BGG Art. 8 BV Art. 9 BV Art. 19 BV Art. 29 BV Art. 37 BV Art. 38 BV Art. 49 BV Art. 50 BV Art. 59 KV/BS Art. 64 KV/BS

Zusammenfassung

Die Bürgergemeinden der Stadt Basel, Riehen und Bettingen erhoben beim Bundesgericht Beschwerde gegen § 11 Abs. 2 des kantonalen Bürgerrechtsgesetzes Basel-Stadt, der den Nachweis von Grundkenntnissen der schweizerischen und örtlichen Lebensverhältnisse mittels obligatorischem Schulbesuch in der Schweiz als gesetzliche Vermutung regelt. Sie machten geltend, diese Regelung verletze ihre Autonomie als Hoheitsträgerinnen, sei rechtsungleich und willkürlich sowie im Widerspruch zum Vorrang des Bundesrechts. Das Appellationsgericht des Kantons Basel-Stadt als Verfassungsgericht hatte die Beschwerde zuvor abgewiesen. Die Beschwerdeführerinnen beantragten beim Bundesgericht die Aufhebung der strittigen Bestimmung oder zumindest deren Rückweisung an die Vorinstanz.

Das Bundesgericht wies die Beschwerde der drei Bürgergemeinden ab. Es stellte fest, dass § 11 Abs. 2 BüRG/BS lediglich eine prozessuale Beweisregel darstellt und keine materielle Aufweichung der bundesrechtlichen Einbürgerungsvoraussetzungen bedeutet. Die Regelung konkretisiert vielmehr nur einen Teilaspekt der bundes- und kantonalrechtlichen Voraussetzung des Vertrautseins mit den Lebensverhältnissen und lässt die grundsätzliche Kompetenz der Bürgergemeinden zur Erteilung des Gemeindebürgerrechts unangetastet. Die Annahme, dass die obligatorische Schule die erforderlichen Grundkenntnisse vermittelt, wurde von der Vorinstanz festgestellt und erscheint nicht sachfremd; die Beschwerdeführerinnen konnten nicht belegen, dass diese Sachverhaltsfeststellung offensichtlich unrichtig wäre. Zudem konnten sie nicht darlegen, dass ihnen das kantonale Recht eine weitergehende Autonomie bei der Einbürgerung gewährt als die Bundesverfassung, insbesondere Art. 50 Abs. 1 BV, welcher die Gemeindeautonomie nach Massgabe des kantonalen Rechts gewährleistet. Die strittige Vermutungsregel steht daher im Einklang mit Art. 38 Abs. 2 BV, welches den Kantonen die Entscheidung über die ordentliche Einbürgerung innerhalb der vom Bund erlassenen Mindestvorschriften überlässt, und verletzt weder das Rechtsgleichheitsgebot (Art. 8 Abs. 2 BV), das Willkürverbot (Art. 9 BV), den Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 29 Abs. 2 BV) noch den Grundsatz des Vorrangs des Bundesrechts (Art. 49 Abs. 1 BV). Die Beschwerde war somit unbegründet.

Die Entscheidung klärt die Grenzen der Gemeindeautonomie bei der ordentlichen Einbürgerung und bestätigt die Zulässigkeit kantonaler schematisierter Beweisregeln für einzelne Einbürgerungsvoraussetzungen, solange diese auf ernsthaften, sachlichen Gründen beruhen und die Einzelfallprüfung nicht ausschliessen. Sie unterstreicht zudem die begrenzte Bindungswirkung administrativer Richtlinien wie des Handbuchs Bürgerrecht des SEM für Gerichte und den kantonalen Gesetzgeber.

Regeste

Art. 37, 38 Abs. 2, Art. 50 Abs. 1 BV, §§ 39, 59 und 64 KV/BS, Art. 11-13 BüG; abstrakte Normenkontrolle: verletzt eine kantonale Vermutungsregel bei der Prüfung eines Kriteriums der ordentlichen Einbürgerung die Autonomie der basel-städtischen Bürgergemeinden? Eintreten (E. 1). Autonomie der basel-städtischen Bürgergemeinden im Bereich der ordentlichen Einbürgerung (E. 2). Prüfungsbefugnis des Bundesgerichts (E. 3). Föderalistische Kompetenzausscheidung beim Entscheid über die ordentliche Einbürgerung; Tragweite einer gesetzlichen Vermutung für ein einzelnes Einbürgerungskriterium (hier: Nachweis von Grundkenntnissen durch Schulbesuch); Vergleich mit einer analogen Vermutungsregel im Bundesrecht und Bedeutung der Richtlinien des Bundes (E. 4). Tauglichkeit der Vermutungsbasis (E. 5). Anspruch auf rechtliches Gehör (E. 6). Schlussfolgerung (E. 7). Regeste Art. 37, 38 al. 2, art. 50 al. 1 Cst., §§ 39, 59 et 64 Cst./BS, art. 11-13 LN; contrôle abstrait des normes: une présomption posée par le droit cantonal dans le cadre de l'examen des critères de la naturalisation ordinaire viole-t-elle l'autonomie des communes bourgeoises de Bâle-Ville? Recevabilité (consid. 1). Autonomie des communes bourgeoises de Bâle-Ville en matière de naturalisation ordinaire (consid. 2). Pouvoir d'examen du Tribunal fédéral (consid. 3). Répartition des compétences dans le cadre d'une décision de naturalisation ordinaire; portée de la présomption légale s'agissant d'un critère de naturalisation en particulier (en l'occurrence, preuve de l'acquisition de connaissances générales par le suivi de la scolarité); comparaison avec une présomption analogue figurant dans le droit fédéral et importance des directives de la Confédération (consid. 4). Pertinence de la règle de présomption (consid. 5). Droit d'être entendu (consid. 6). Conclusions (consid. 7). Regesto Art. 37, 38 cpv. 2, art. 50 cpv. 1 Cost., §§ 39, 59 e 64 Cost./BS, art. 11-13 LCit; controllo astratto delle norme: una presunzione posta dal diritto cantonale nell'ambito dell'esame di un criterio della naturalizzazione ordinaria viola l'autonomia dei Comuni patriziali di Basilea Città? Ammissibilità (consid. 1). Autonomia dei Comuni patriziali di Basilea Città nell'ambito della naturalizzazione ordinaria (consid. 2). Potere d'esame del Tribunale federale (consid. 3). Ripartizione delle competenze nella decisione sulla naturalizzazione ordinaria; portata di una presunzione legale per un singolo criterio di naturalizzazione (in concreto: prova delle conoscenze basilari mediante l'assolvimento della scolarità). Confronto con una presunzione analoga nel diritto federale e importanza delle direttive della Confederazione (consid. 4). Idoneità della regola di presunzione (consid. 5). Diritto di essere sentiti (consid. 6). Conclusioni (consid. 7).

Originalentscheid beim Gericht ↗

Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.

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