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Justizze. Art. 62 BV

Bundesgericht

Mutter beantragt Homeschooling für hochbegabten Sohn: Kein verfassungsrechtlicher Anspruch auf häuslichen Privatunterricht, Ablehnung rechtmässig (Art. 19 BV)

BGE / ATF / DTF
BGE 146 I 20 · ATF 146 I 20 · DTF 146 I 20
Datum
22.08.2019
Geschäftsnummer
2C_1005/2018
Abteilung
II. Öffentlich-rechtliche Abteilung
Ausgang
Abgewiesen

Tragende Normen

Art. 83 BGG Art. 89 BGG Art. 95 BGG Art. 13 BV Art. 62 BV Art. 8 EMRK Art. 135 Schulgesetz/BS

Zusammenfassung

Eine Mutter beantragte für ihren 2009 geborenen Sohn für das Schuljahr 2017/2018 häuslichen Privatunterricht (Homeschooling) beim Erziehungsdepartement Basel-Stadt. Die Behörde lehnte den Antrag ab, der Rekurs wurde vom Verwaltungsgericht abgewiesen. Die Mutter erhob Beschwerde beim Bundesgericht und rügte eine Verletzung von Bundesverfassungsrecht sowie der Europäischen Menschenrechtskonvention durch die kantonale Regelung, die Homeschooling nur bei nachweisbaren Gründen zulässt. Streitig war insbesondere, ob ein Grundrecht auf häuslichen Privatunterricht besteht und ob die Ablehnung des Antrags willkürlich war.

Das Bundesgericht wies die Beschwerde ab. Es stellte fest, dass das beantragte Schuljahr 2017/2018 bereits abgelaufen war und daher kein praktisches Rechtsschutzinteresse mehr bestand; es machte jedoch von der Ausnahme Gebrauch, weil die Frage der Vereinbarkeit der kantonalen Homeschooling-Regelung mit höherrangigem Recht grundsätzliche Bedeutung hat und sich unter gleichen Umständen wiederholen könnte. Das Gericht entschied, dass weder Art. 19 BV i.V.m. Art. 62 Abs. 2 BV noch Art. 13 Abs. 1 BV bzw. Art. 8 EMRK einen Anspruch auf häuslichen Privatunterricht gewähren. Es verwies auf ständige Rechtsprechung, wonach das elterliche Erziehungsrecht unter dem Vorbehalt des kantonalen Schulrechts und des Kindeswohls steht und die Schulpflicht dem öffentlichen Interesse an Chancengleichheit und Integration dient. Die Vorinstanz durfte zudem willkürfrei feststellen, dass die Beschwerdeführerin keine nachweisbaren Gründe gemäss § 135 Abs. 2 lit. a Schulgesetz/BS vorbrachte, etwa dass ein Schulbesuch für ihren Sohn unmöglich gewesen wäre; mögliche Schwierigkeiten mit Hochbegabung oder Mobbing seien in Zusammenarbeit mit der Schule lösbar, und eine Versetzung in eine andere Klasse sei als Lösung angeboten worden. Die Beschwerdeführerin war daher kostenpflichtig nach Art. 66 Abs. 1 BGG, eine Parteientschädigung wurde verneint nach Art. 68 Abs. 3 BGG. Die Entscheidung klärt endgültig, dass Kantone bei der Regelung von Homeschooling weitgehend frei sind, solange sie die bundesverfassungsrechtlichen Mindestanforderungen an den ausreichenden Grundschulunterricht einhalten.

Regeste

Art. 8 EMRK und Art. 2 des Ersten Zusatzprotokolls zur EMRK (ZP 1 EMRK); Art. 13 Abs. 1, 19 und 62 Abs. 2 BV; § 135 des Schulgesetzes vom 4. April 1929 des Kantons Basel-Stadt (Schulgesetz/BS); häuslicher Privatunterricht (Homeschooling); Vereinbarkeit von § 135 Schulgesetz/BS mit dem Bundesrecht. Rechtsgrundlagen des häuslichen Privatunterrichts im Kanton Basel-Stadt (E. 3). Art. 19 i.V.m. Art. 62 Abs. 2 BV gewährt keinen Anspruch auf privaten Einzelunterricht (E. 4; Bestätigung der Rechtsprechung). Das Erziehungsrecht der Eltern fällt zwar in den Schutzbereich von Art. 13 Abs. 1 BV und 8 Ziff. 1 EMRK, es steht jedoch unter Vorbehalt des kantonalen Schulrechts und des Kindeswohls (E. 5.1 und 5.2). Ein Anspruch auf häuslichen Privatunterricht ergibt sich weder aus Art. 8 EMRK i.V.m. Art. 2 ZP 1 EMRK noch aus einem anderen Staatsvertrag. Es besteht derzeit kein Anlass, einen solchen Anspruch gestützt auf Art. 13 Abs. 1 BV anzuerkennen. Folglich verstossen selbst sehr restriktive Regelungen des häuslichen Privatunterrichts wie jene des Kantons Basel-Stadt nicht gegen den verfassungsmässigen Anspruch auf Schutz des Privat- und Familienlebens. Es ist Sache der Kantone, unter Beachtung von Art. 19 und 62 Abs. 2 BV zu regeln, ob und in welchem Umfang Homeschooling zugelassen werden soll (E. 5.3-5.5). Regeste Art. 8 CEDH et art. 2 du Protocole additionnel n° 1 à la CEDH (Prot. n° 1 CEDH); art. 13 al. 1, 19 et 62 al. 2 Cst.; § 135 de la loi sur l'école du 4 avril 1929 du canton de Bâle-Ville (Schulgesetz/BS); enseignement privé à domicile (homeschooling); conformité du § 135 Schulgesetz/BS avec le droit fédéral. Bases légales régissant l'enseignement privé à domicile dans le canton de Bâle-Ville (consid. 3). L'art. 19 Cst., en corrélation avec l'art. 62 al. 2 Cst., n'octroie aucun droit à l'enseignement privé à domicile (consid. 4; confirmation de jurisprudence). Le droit d'un parent d'éduquer son enfant tombe certes dans le champ de protection des art. 13 al. 1 Cst. et 8 par. 1 CEDH. Il doit néanmoins respecter le droit scolaire cantonal ainsi que le bien de l'enfant (consid. 5.1 et 5.2). Un droit à l'enseignement privé à domicile ne découle ni de l'art. 8 CEDH appliqué en lien avec l'art. 2 du Prot. n° 1 CEDH, ni d'aucun autre accord international. Il n'y a actuellement pas lieu de reconnaître un tel droit sur la base de l'art. 13 al. 1 Cst. Il s'ensuit que même des réglementations très restrictives en matière d'enseignement privé à domicile, à l'instar de celle de Bâle-Ville, ne violent pas le droit constitutionnel au respect de la vie privée et familiale. Il appartient aux cantons de régler, d'une manière conforme aux art. 19 et 62 al. 2 Cst., si et dans quelle mesure le "homeschooling" doit être autorisé (consid. 5.3-5.5). Regesto Art. 8 CEDU e art. 2 del Protocollo addizionale n. 1 alla CEDU (Prot. n. 1 CEDU); art. 13 cpv. 1, 19 e 62 cpv. 2 Cost.; § 135 della legge del 4 aprile 1929 sulla scuola del Cantone Basilea Città (LS/BS), istruzione privata a domicilio (homeschooling); compatibilità del § 135 LS/BS con il diritto federale. Basi legali dell'istruzione privata a domicilio nel Cantone Basilea Città (consid. 3). L'art. 19 Cost. in relazione con l'art. 62 cpv. 2 Cost. non conferisce alcun diritto all'insegnamento individuale privato (consid. 4; conferma della giurisprudenza). È vero che il diritto del genitore di educare il figlio ricade nella sfera di protezione degli art. 13 cpv. 1 Cost. e 8 n. 1 CEDU. Nondimeno deve rispettare il diritto scolastico cantonale e il benessere del bambino (consid. 5.1 e 5.2). Un diritto all'istruzione privata a domicilio non deriva né dall'art. 8 CEDU combinato con l'art. 2 Prot. n. 1 CEDU né da un altro trattato internazionale. Non vi è motivo al momento di riconoscere un simile diritto sulla base dell'art. 13 cpv. 1 Cost. Ne discende che anche regolamentazioni molto restrittive in materia di istruzione privata a domicilio, come quella di Basilea Città, non disattendono il diritto costituzionale al rispetto della vita privata e familiare. Incombe ai Cantoni regolamentare, in conformità agli art. 19 e 62 cpv. 2 Cost., se e in che misura "l'homeschooling" debba essere autorizzato (consid. 5.3-5.5).

Originalentscheid beim Gericht ↗

Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.

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