Justizze.

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Justizze. Art. 121 StPO

Bundesgericht

Juristische Person als Rechtsnachfolgerin einer fusionierten Geschädigten: Keine Parteistellung im Strafverfahren (Art. 121 StPO)

BGE / ATF / DTF
BGE 140 IV 162 · ATF 140 IV 162 · DTF 140 IV 162
Datum
20.10.2014
Geschäftsnummer
BGE 140 IV 162
Ausgang
Abgewiesen

Tragende Normen

Art. 22 FusG Art. 110 StGB Art. 115 StPO Art. 118 StPO Art. 121 StPO

Zusammenfassung

Eine Aktiengesellschaft (A. AG), die eine andere Aktiengesellschaft (E. AG) durch Fusion übernommen hat, beantragt ihre Zulassung als Privatklägerin in einem laufenden Strafverfahren gegen drei Beschuldigte wegen Veruntreuung und ungetreuer Geschäftsbesorgung. Die E. AG hatte ursprünglich Strafanzeige erstattet, wurde aber infolge der Fusion gelöscht. Die A. AG macht geltend, dass sie als Gesamtrechtsnachfolgerin automatisch in die prozessualen Rechte der E. AG eingetreten sei. Das Bundesgericht prüft, ob eine juristische Person, die Zivilansprüche eines Geschädigten durch einen privatrechtlichen Vertrag (Fusion) erwirbt, sich als Privatklägerin konstituieren kann.

Das Bundesgericht weist die Beschwerde der A. AG ab und verneint deren Parteistellung als Privatklägerin im Strafverfahren. Die Beschwerdeführerin wurde durch die inkriminierten Taten nicht unmittelbar geschädigt, da sie zum Zeitpunkt der Tatbegehung noch nicht existierte bzw. die betroffenen Rechtsgüter nicht trug; ihr Interesse leitet sich lediglich mittelbar aus dem Erwerb der Vermögensansprüche der übertragenden Gesellschaft ab (Art. 115 Abs. 1, Art. 118 Abs. 1 i.V.m. Art. 104 Abs. 1 lit. b StPO). Eine originäre Parteistellung scheidet daher aus.

Die Frage des Übergangs der Parteirechte per Rechtsnachfolge wird ausschliesslich durch Art. 121 StPO geregelt. Absatz 1 dieser Bestimmung ist nach seinem Wortlaut und systematischen Zusammenhang nur auf natürliche Personen anwendbar, da juristische Personen nicht "sterben" und keine erbberechtigten Angehörigen im Sinne von Art. 110 Abs. 1 StGB haben. Die Privilegierung der nächsten Angehörigen rechtfertigt sich durch die affektive Nähe und Solidarität unter natürlichen Personen, weshalb keine stossende Ungleichbehandlung mit juristischen Personen vorliegt.

Absatz 2 gewährt eine eingeschränkte Parteistellung (nur zur adhäsionsweisen Zivilklage) jenen Personen, die von Gesetzes wegen in die Ansprüche der Geschädigten eintreten (gesetzliche Subrogation/Legalzession), wie z.B. Versicherungen oder Behörden. Der Erwerb der Ansprüche durch die A. AG beruhte jedoch auf einem rechtsgeschäftlichen Akt, nämlich dem Fusionsvertrag gemäss Art. 22 Abs. 1 FusG. Da es sich nicht um eine gesetzliche Subrogation handelt, greift die Ausnahme von Art. 121 Abs. 2 StPO nicht. Das Gericht verneint das Vorliegen einer Gesetzeslücke, da der Gesetzgeber die Fälle der Rechtsnachfolge abschliessend und restriktiv geregelt hat.

Regeste

Art. 115 Abs. 1, Art. 118 Abs. 1 und Art. 121 StPO, Art. 22 Abs. 1 FusG; Privatklägerschaft einer juristischen Person per Rechtsnachfolge (nach Fusion). Rechtsnachfolger einer geschädigten natürlichen oder juristischen Person sind als mittelbar Geschädigte einzustufen, die sich grundsätzlich, vorbehältlich der Ausnahmefälle von Art. 121 Abs. 1 und 2 StPO, nicht als Privatkläger im Strafverfahren konstituieren können. Insbesondere führt die privatrechtliche Universalsukzession aufgrund von Art. 22 Abs. 1 FusG nicht (per se) zur Parteistellung der übernehmenden Gesellschaft im Strafprozess. Auslegung von Art. 121 StPO (Wortlaut, Systematik, Materialien, Teleologie). Art. 121 Abs. 1 StPO ist nur auf natürliche Personen anwendbar. Die vom Gesetzgeber (in Abs. 1) angestrebte Privilegierung der engsten Angehörigen eines verstorbenen Geschädigten (als rechtsnachfolgende Privatstrafkläger im Straf- und Zivilpunkt) rechtfertigt sich sachlich aufgrund der verwandtschaftlichen bzw. lebenspartnerschaftlichen affektiven Nähe und Solidarität der betroffenen natürlichen Personen untereinander. Damit führt Abs. 1 nicht zu einer stossenden Ungleichbehandlung natürlicher und juristischer Personen. In Art. 121 Abs. 2 StPO hat der Gesetzgeber eine zweite Ausnahme vom Grundsatz vorgesehen, dass Rechtsnachfolger (als bloss indirekt Geschädigte) keine Parteistellung im Strafprozess haben, nämlich (eingeschränkt auf die Verfahrensrechte zur adhäsionsweisen Durchsetzung der Zivilklage) für natürliche und juristische Personen, die von Gesetzes wegen, per Legalzession bzw. Subrogation, in die Ansprüche der geschädigten Person eingetreten sind. Bei Zivilansprüchen, die auf rechtsgeschäftlichem Erwerb (insbesondere per Fusionsvertrag) beruhen, sieht Abs. 2 hingegen keine (weitere) Ausnahme vor. Verneinung des Vorliegens einer Gesetzeslücke (E. 4). Regeste Art. 115 al. 1, art. 118 al. 1 et art. 121 CPP, art. 22 al. 1 LFus; acquisition de la qualité de partie plaignante par une personne morale par transmission des droits (à la suite d'une fusion). Celui qui succède à une partie lésée dans ses droits n'est qu' indirectement atteint et ne peut pas, sous réserve des cas prévus à l'art. 121 al. 1 et 2 CPP, se voir reconnaître la qualité de partie plaignante. Dans le cadre d'une fusion, le transfert des actifs et passifs prévu par l'art. 22 al. 1 LFus ne confère pas (per se) à la société reprenante la qualité de partie dans la procédure pénale. Interprétation de l'art. 121 CPP (littérale, systématique, historique et téléologique). L'art. 121 al. 1 CPP n'est applicable qu'aux personnes physiques . La subrogation en faveur des proches du défunt se justifie au regard des relations affectives ainsi que de la solidarité entre personnes physiques et ne consacre pas une inégalité de traitement disproportionnée au détriment des personnes morales. L'art. 121 al. 2 CPP prévoit une seconde exception au principe (selon lequel celui qui succède dans les droits d'une partie lésée, qui n'est qu'un lésé indirect, n'acquiert pas la qualité de partie à la procédure pénale) en faveur des personnes physiques ou morales (limitée toutefois à l'ouverture d'une action civile et aux droits de procédure se rapportant aux prétentions civiles) qui succèdent, de par la loi , dans les droits du lésé par cession légale, respectivement par subrogation. L'art. 121 al. 2 CPP ne consacre pas d'exception en matière de prétentions civiles dont l'acquisition est fondée sur un acte volontaire , en particulier sur un contrat de fusion. Il n'y a pas de lacune de la loi (consid. 4). Regesto Art. 115 cpv. 1, art. 118 cpv. 1 e art. 121 CPP, art. 22 cpv. 1 LFus; qualità di accusatore privato di una persona giuridica (in seguito a successione in diritto dopo fusione). Il successore in diritto di una persona fisica o giuridica danneggiata dev'essere considerato quale danneggiato indiretto , che di massima, riservati i casi eccezionali dell'art. 121 cpv. 1 e 2 CPP, non può costituirsi quale accusatore privato nel procedimento penale. In particolare, la successione universale del diritto privato sullla base dell'art. 22 cpv. 1 LFus non comporta (di per sé) l'acquisizione della qualità di parte della società assuntrice nel procedimento penale. Interpretazione dell'art. 121 CPP (letterale, sistematica, storica, teleologica). L'art. 121 cpv. 1 CPP è applicabile soltanto alle persone fisiche . Il privilegio dei parenti stretti di un danneggiato deceduto, cui tende il legislatore (quali successori in diritto dell'accusatore privato in merito all'azione penale e civile), è oggettivamente giustificato con riguardo alla vicinanza affettiva e alla solidarietà reciproca fondate su legami di parentela rispettivamente di un'unione di fatto, tra le persone naturali. Il cpv. 1 non implica quindi una scioccante disparità di trattamento tra persone fisiche e giuridiche. Con l'art. 121 cpv. 2 CPP, il legislatore ha previsto una seconda eccezione al principio secondo cui i successori in diritto (quali semplici danneggiati indiretti) non hanno qualità di parte nel processo penale, segnatamente (limitatamente ai diritti procedurali per far valere adesivamente l'azione civile) per persone fisiche e giuridiche, che, per legge , succedono nei diritti della persona danneggiata per cessione legale rispettivamente surrogazione. Per pretese civili, acquisite contrattualmente (in particolare sulla base di un contratto di fusione), il cpv. 2 non prevede per contro nessuna (ulteriore) eccezione. Negazione di una lacuna legislativa (consid. 4).

Originalentscheid beim Gericht ↗

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