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Justizze. Art. 59 StGB

Bundesgericht

Generalstaatsanwaltschaft klagt gegen Fristberechnung für Verlängerung stationärer therapeutischer Massnahme: Beginn der Fünfjahresfrist richtet sich nach rechtskräftigem Anordnungsentscheid (Art. 59 Abs. 4 StGB)

BGE / ATF / DTF
BGE 145 IV 65 · ATF 145 IV 65 · DTF 145 IV 65
Datum
19.12.2018
Geschäftsnummer
6B_691/2018
Abteilung
Strafrechtliche Abteilung
Ausgang
Gutgeheissen

Tragende Normen

Art. 81 BGG Art. 57 StGB Art. 59 StGB Art. 110 StGB

Zusammenfassung

Die Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Bern erhob Beschwerde gegen einen Beschluss des Obergerichts des Kantons Bern, Beschwerdekammer in Strafsachen, vom 18. Mai 2018. Streitpunkt war die Berechnung des Beginns der vierjährigen Verlängerungsfrist für eine stationäre therapeutische Massnahme nach Art. 59 StGB, die das Regionalgericht Oberland mit Entscheid vom 26. September 2017 verfügt hatte. Die Vorinstanz war davon ausgegangen, dass die Frist am 24. Oktober 2017 zu laufen begann, weil der Beschwerdegegner bereits seit dem 24. Oktober 2012 im vorzeitigen Massnahmenvollzug gewesen sei. Die Generalstaatsanwaltschaft vertrat hingegen die Auffassung, die Frist müsse am 28. Juni 2018 beginnen, da die ursprüngliche Massnahme mit Urteil vom 28. Juni 2013 angeordnet worden sei und die Fünfjahresfrist daher am 27. Juni 2018 ende.

Das Bundesgericht hob den angefochtenen Beschluss der Vorinstanz auf, soweit darin festgestellt wurde, die Vierjahresfrist für die Verlängerung der stationären therapeutischen Massnahme beginne am 24. Oktober 2017. Stattdessen entschied es, dass die Frist am 28. Juni 2018 zu laufen beginnt. Dies ergibt sich daraus, dass die ursprüngliche Massnahme mit Urteil vom 28. Juni 2013 angeordnet wurde und die Fünfjahresfrist gemäss Art. 59 Abs. 4 Satz 1 StGB daher am 27. Juni 2018 endet. Für den Beginn der Verlängerungsfrist ist nach Art. 59 Abs. 4 Satz 2 StGB auf den Zeitpunkt des Ablaufs der Erstanordnung abzustellen, nicht auf den Zeitpunkt des Verlängerungsentscheids oder auf den Eintritt in den vorzeitigen Massnahmenvollzug. Das Bundesgericht betonte, dass die Fristen nach Art. 59 Abs. 4 StGB nicht die Höchstdauer der Massnahme regeln, sondern die Fristen für die gerichtliche Überprüfung festlegen, und dass der rechtskräftige Anordnungsentscheid maßgeblich ist, um Rechtssicherheit und Praktikabilität zu gewährleisten. Die Beschwerdeberechtigung der Generalstaatsanwaltschaft ergab sich aus Art. 81 Abs. 1 lit. a und b BGG sowie Art. 81 Abs. 1 lit. b Ziff. 3 BGG. Das Gesuch des Beschwerdegegners um unentgeltliche Rechtspflege wurde gutgeheissen, da dessen Bedürftigkeit ersichtlich war. Das Bundesgericht wies darauf hin, dass die Behörden das Verlängerungsgesuch rechtzeitig stellen müssen, was hier mit dem Antrag vom 9. Juni 2017 und dem Entscheid vom 26. September 2017 gegeben war, auch wenn die Verlängerung nur für vier Jahre erfolgte und damit nicht über die gesetzliche Höchstdauer hinausging. Diese Entscheidung klärt zentral, dass der vorzeitige Massnahmenvollzug zwar bei der Verhältnismässigkeitsprüfung zu berücksichtigen ist, aber nicht den Beginn der gesetzlichen Überprüfungsfrist auslöst.

Regeste

Art. 59 Abs. 4 StGB; Art. 81 Abs. 1 lit. b Ziff. 3 BGG; Anordnung und Verlängerung einer stationären therapeutischen Massnahme; Beginn der Fünfjahresfrist; Beschwerdelegitimation der Staatsanwaltschaft. Die Interessen "tangierter Behörden" im Zusammenhang mit dem Massnahmenvollzug sind von der Staatsanwaltschaft zu wahren. Diese kann vor Bundesgericht rügen, der Beginn der Verlängerung einer stationären therapeutischen Massnahme nach Art. 59 Abs. 4 Satz 2 StGB sei vom Gericht falsch berechnet worden, auch wenn der Antrag auf Verlängerung der Massnahme von der Vollzugsbehörde ausging (E. 1). Wird die stationäre therapeutische Massnahme im Sinne von Art. 59 StGB nicht aus der Freiheit heraus angetreten - was der Regel entspricht -, ist für die (Fünfjahres-)Frist gemäss Erstanordnung auf das Datum des in Rechtskraft erwachsenen Anordnungsentscheids abzustellen (E. 2.2-2.7). Für die Verlängerung der stationären therapeutischen Massnahme ist der Zeitpunkt des Ablaufs der (Fünfjahres-)Frist gemäss Erstanordnung bzw. einer allfälligen vorausgegangenen früheren Verlängerung entscheidend. Letzteres gilt auch, wenn der Verlängerungsentscheid vor Ablauf der laufenden Periode erging, d.h. die (Fünfjahres-)Frist gemäss Erstanordnung bzw. der vorausgegangenen Verlängerung im Zeitpunkt des (neuen) Verlängerungsentscheids noch nicht abgelaufen ist (E. 2.8). Zulässigkeit und Grenzen der Verlängerung der Massnahme vor Ablauf der laufenden Periode (E. 2.9) Regeste Art. 59 al. 4 CP; art. 81 al. 1 let. b ch. 3 LTF; prononcé et prolongation d'une mesure thérapeutique institutionnelle; début du délai de cinq ans; qualité pour recourir de l'accusateur public. L'accusateur public est habilité à sauvegarder l'intérêt "des autorités touchées" dans le contexte de l'exécution d'une mesure. Il peut ainsi se plaindre devant le Tribunal fédéral que le début de la prolongation d'une mesure thérapeutique institutionnelle au sens de l'art. 59 al. 4 phrase 2 CP a été mal calculé, ce même lorsque la demande de prolongation de la mesure émane de l'autorité d'exécution (consid. 1). Lorsque l'intéressé n'est pas en liberté avant le début de la mesure thérapeutique institutionnelle au sens de l'art. 59 CP - ce qui est la règle -, la durée initiale (d'un maximum de cinq ans) de privation de liberté entraînée par la mesure commence à courir à la date de la décision entrée en force ordonnant dite mesure (consid. 2.2-2.7). En cas de prolongation de la mesure thérapeutique institutionnelle, est déterminant le jour de l'échéance de la période (d'un maximum de cinq ans) initiale ou éventuellement prolongée de la mesure. Cela vaut également lorsque la décision de prolongation a été prise avant l'écoulement de la période en cours, soit durant la période initiale (d'un maximum de cinq ans) ou éventuellement prolongée de la mesure (consid. 2.8). Licéité et limites de la prolongation d'une mesure avant l'échéance de la période en cours (consid. 2.9). Regesto Art. 59 cpv. 4 CP; art. 81 cpv. 1 lett. b n. 3 LTF; pronuncia e protrazione di una misura terapeutica stazionaria; inizio del termine quinquennale; legittimazione ricorsuale del pubblico ministero. Gli interessi delle "autorità toccate" nell'ambito dell'esecuzione delle misure devono essere tutelati dal pubblico ministero. Dinanzi al Tribunale federale il pubblico ministero può censurare l'errato calcolo del giudice relativo all'inizio della protrazione di una misura terapeutica stazionaria di cui all'art. 59 cpv. 4 secondo periodo CP, anche se la proposta della protrazione della misura è formulata dall'autorità d'esecuzione (consid. 1). Se la misura terapeutica stazionaria giusta l'art. 59 CP comincia allorché l'autore è già privato della propria libertà - situazione che costituisce la regola - il primo termine (quinquennale) inizia a decorrere a partire dalla data della decisione, cresciuta in giudicato, che ordina la misura (consid. 2.2-2.7). In caso di protrazione della misura terapeutica stazionaria, è determinante il giorno della scadenza del periodo (quinquennale) stabilito inizialmente o eventualmente già protratto. Ciò vale anche qualora la (nuova) decisione di protrazione sia resa prima della scadenza del termine corrente, ossia durante il periodo (quinquennale) stabilito inizialmente o eventualmente già protratto della misura (consid. 2.8). Liceità e limiti della protrazione della misura prima della scadenza del periodo in corso (consid. 2.9).

Originalentscheid beim Gericht ↗

Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.

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