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Justizze. Art. 15 BV

Bundesgericht

Volksinitiative gegen islamische Lehrbücher: Diskriminierend und verfassungswidrig, Beschwerde abgewiesen (Art. 8 Abs. 2, Art. 15 BV)

BGE / ATF / DTF
BGE 139 I 292 · ATF 139 I 292 · DTF 139 I 292
Datum
28.08.2013
Geschäftsnummer
BGE 139 I 292
Abteilung
CH_BGE_001
Ausgang
Abgewiesen

Tragende Normen

Art. 8 BV Art. 15 BV Art. 34 BV Art. 27 KV/TG

Zusammenfassung

Das Initiativkomitee der thurgauischen Volksinitiative "Gegen frauenfeindliche, rassistische und mörderische Lehrbücher" focht den Beschluss des Grossen Rates an, der die Initiative für ungültig erklärt hatte. Die Initiative sah vor, im Volksschulgesetz ein Verbot solcher Lehrmittel zu verankern. Im Streit lag, ob die Auslegung des neutral formulierten Textes unter Berücksichtigung der Begründung auf dem Unterschriftenbogen zulässig sei und ob das Begehren mit der Bundesverfassung vereinbar ist.

Das Bundesgericht wies die Beschwerde ab und bestätigte die Ungültigkeitserklärung der Initiative durch den Grossen Rat. Massgebend war die Auslegung des Initiativtextes: Obwohl der Wortlaut allgemein alle religionsbezogenen Lehrmittel betraf, ergab sich aus der Begründung auf dem Unterschriftenbogen eindeutig der Wille der Initianten, ausschliesslich islamische Sakralschriften wie Koran und Hadithe vom Unterricht auszuschliessen. Diese enge Verknüpfung von Text und Begründung liess eine rein grammatikalische, neutrale Auslegung nicht zu, da sie den wesentlichen Gehalt der Initiative verfälscht hätte.

In dieser ausgelegten Form verstösst das Begehren gegen das Diskriminierungsverbot (Art. 8 Abs. 2 BV) und die Glaubensfreiheit (Art. 15 BV). Die Beschränkung des Verbots auf den Islam stellt eine qualifizierte Ungleichbehandlung muslimischer Gläubiger dar und verletzt die staatliche religiöse Neutralitätspflicht. Eine solche Differenzierung lässt sich nicht qualifiziert rechtfertigen, da pauschale Annahmen über die Intoleranz islamischer Schriften der Realität der verschiedenen Glaubensrichtungen nicht gerecht werden. Da die Initiative gegen übergeordnetes Recht verstösst, ist sie ungültig; eine Teilungültigkeit kam nicht in Betracht.

Regeste

Art. 8 Abs. 2, Art. 15 und 34 BV; Auslegung einer kantonalen formulierten Volksinitiative und Beurteilung ihrer Gültigkeit unter Berücksichtigung der auf dem Unterschriftenbogen aufgeführten Begründung. Obwohl der Initiantenwille nicht allein für die Interpretation eines Volksbegehrens massgeblich ist, hat die Auslegung dem klaren Willen der Initianten und der Unterzeichner des Volksbegehrens Rechnung zu tragen. Die konkret zu beurteilende formulierte Initiative sieht die Einführung eines Verbots bestimmter religiöser Lehrmittel im Volksschulgesetz vor. Trotz grundsätzlich neutral abgefasstem Wortlaut ist das Volksbegehren ungültig zu erklären. Nach dem klaren Willen der Initianten, der insbesondere auf dem Unterschriftenbogen deutlich zum Ausdruck kam, soll das Verbot ausschliesslich für Sakralschriften einer einzigen Religion, des Islams, gelten. Ein solches Verbot ist diskriminierend und verletzt das Gebot der religiösen Neutralität, weshalb es gegen die Bundesverfassung verstösst (E. 5-9). Regeste Art. 8 al. 2, art. 15 et 34 Cst.; interprétation d'une initiative populaire cantonale rédigée et examen de sa validité au regard de la motivation figurant sur le formulaire de récolte des signatures. Bien que la volonté des initiants ne soit pas seule décisive pour l'interprétation d'une initiative populaire, l'interprétation doit tenir compte de la volonté claire des initiants et des citoyens qui ont signé l'initiative. En l'espèce, l'initiative rédigée vise à compléter la loi sur l'école publique par un article interdisant l'utilisation de certains manuels scolaires religieux. Même si l'article est formulé de manière neutre, l'initiative doit être déclarée non valide car la volonté des initiants, clairement exprimée en particulier dans le formulaire de récolte des signatures, est d'interdire exclusivement les fondements écrits d'une seule religion, l'islam. Une telle interdiction, discriminatoire et contraire au principe de la neutralité religieuse, viole la Constitution (consid. 5-9). Regesto Art. 8 cpv. 2, art. 15 e 34 Cost.; interpretazione di un'iniziativa popolare cantonale elaborata ed esame della sua validità con riferimento alla motivazione figurante sul formulario di raccolta delle firme. Nonostante la volontà dei promotori non sia di per sé decisiva per l'interpretazione di un'iniziativa popolare, l'interpretazione deve tenere conto della chiara volontà loro e dei cittadini che l'hanno firmata. In concreto, l'iniziativa elaborata prevede l'introduzione nella legge sulla scuola pubblica di un divieto di utilizzare determinati strumenti didattici religiosi. Anche se il testo è di principio formulato in modo neutro, l'iniziativa deve essere invalidata. Secondo la chiara volontà dei promotori, espressa in modo evidente in particolare sulle liste della raccolta delle firme, il divieto deve infatti valere esclusivamente per i testi sacri di un'unica religione, l'islam. Un simile divieto è discriminatorio e contrario al principio della neutralità religiosa, per cui viola la Costituzione (consid. 5-9).

Originalentscheid beim Gericht ↗

Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.

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