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Justizze. Art. 38 SchKG

Bundesgericht

Betreibung auf Sicherstellung: Stillhalteabkommen hindert Klage nicht, Sicherung vorab geschuldet trotz Irrtumseinwand (Art. 38 SchKG)

BGE / ATF / DTF
BGE 136 III 528 · ATF 136 III 528 · DTF 136 III 528
Datum
28.09.2010
Geschäftsnummer
4A_219/2010
Abteilung
I. Zivilrechtliche Abteilung
Ausgang
Abgewiesen

Tragende Normen

Art. 18 OR Art. 23 OR Art. 24 OR Art. 28 OR Art. 38 SchKG Art. 43 SchKG Art. 2 ZGB

Zusammenfassung

Ein Schuldner anerkennt eine Forderung und verpflichtet sich zur Bestellung einer Sicherheit, während der Gläubiger im Gegenzug auf rechtliche Schritte verzichtet. Nach Verkauf eines Hauses zur Sicherung weigert sich der Schuldner, den Erlös herauszugeben, und macht in der Aberkennungsklage einen Grundlagenirrtum sowie eine Täuschung bezüglich der Höhe der anerkannten Schuld geltend. Der Gläubiger hatte zuvor eine Betreibung auf Sicherheitsleistung eingeleitet und provisorische Rechtsöffnung erhalten.

Das Bundesgericht weist die Beschwerde ab und bestätigt die Abweisung der Aberkennungsklage durch die Vorinstanz.

Die Auslegung der Vertragsklausel als Pflicht zur Sicherstellung und nicht zur direkten Zahlung entspricht dem Vertrauensprinzip gemäss Art. 18 OR, da der Beschwerdeführer im kantonalen Verfahren keine gegenteilige eigene Auslegung dargelegt hat. Das zwischen den Parteien vereinbarte Stillhalteabkommen steht der Geltendmachung der Sicherstellung nicht entgegen; vielmehr bildet die Sicherung die notwendige Gegenleistung für das Risiko des Zuwartens seitens des Gläubigers. Eine gerichtliche Durchsetzung der Sicherungsmodalitäten verletzt daher nicht das Stillhalteversprechen.

Im Verfahren der Betreibung auf Sicherstellung nach Art. 38 und Art. 43 Ziff. 3 SchKG sind zwar grundsätzlich alle Einwände umfassend zu prüfen. Bezüglich der Einrede des Nichtbestands der Forderung oder der Anfechtung wegen Irrtums (Art. 23, Art. 24 Abs. 1 Ziff. 4 OR) bzw. Täuschung (Art. 28 Abs. 1 OR) beschränkt sich die Prüfung jedoch auf die Offensichtlichkeit. Da die Sicherstellung als Voraussetzung für das Stillhalten dient, muss sie auch bei streitiger Hauptschuld vorab geleistet werden, solange das Nichtbestehen der Forderung oder die Unwirksamkeit der Anerkennung nicht offensichtlich sind. Andernfalls würde die Sicherstellung als schikanöse Rechtsausübung nach Art. 2 Abs. 2 ZGB keinen Schutz geniessen. Der Streit über die materielle Berechtigung der Forderung ist im Sicherstellungsverfahren nicht auszutragen.

Dem Beschwerdeführer werden die Gerichtskosten von Fr. 20'000.-- auferlegt, zudem hat er den Beschwerdegegner mit Fr. 22'000.-- zu entschädigen.

Regeste

Aberkennungsklage in einer Betreibung auf Sicherheitsleistung (Art. 38 und 83 Abs. 2 SchKG); Sicherstellung einer Forderung als "Gegenleistung" für ein Stillhalten des Gläubigers; kommt dem Bestand der zu sichernden Forderung oder allfälligen Willensmängeln bezüglich der Schuldanerkennung für die Sicherstellungspflicht (Art. 23 f. und 28 OR) Bedeutung zu? Mit der Aberkennungsklage kann der Betriebene in einer Betreibung auf Sicherheitsleistung umfassend prüfen lassen, ob die Forderung auf Sicherheitsleistung besteht. Wurde die Sicherheitsleistung als "Gegenleistung" für ein Stillhalten des Gläubigers versprochen, bleibt sie jedenfalls geschuldet, bis im Streitfall über den Bestand der zu sichernden Forderung oder die vom Schuldner bezüglich der Schuldanerkennung geltend gemachten Willensmängel rechtskräftig entschieden ist. Andernfalls würde der Schuldner ohne Gegenleistung vom Stillhalteabkommen profitieren (E. 3). Regeste Action en libération de dette dans une poursuite en prestation de sûretés (art. 38 et 83 al. 2 LP); sûretés en garantie d'une prétention promises en contrepartie de l'inaction du créancier; l'existence de la prétention à garantir ou d'éventuels vices du consentement concernant la reconnaissance de dette sont-ils déterminants pour l'obligation de verser des sûretés (art. 23 ss. et 28 CO)? Par l'action en libération de dette, le poursuivi dans une poursuite en prestation de sûretés peut faire examiner de manière complète si la prétention en fourniture de sûretés existe. Si elles sont promises en contrepartie de l'inaction du créancier, les sûretés restent dues en tout cas jusqu'à ce que soit tranché avec force de chose jugée le litige sur l'existence de la prétention à garantir ou sur les vices du consentement invoqués par le débiteur en relation avec la reconnaissance de dette. Sinon, le débiteur bénéficierait du moratoire sans fournir de contre-prestation (consid. 3). Regesto Azione di disconoscimento del debito in un'esecuzione di prestazione di garanzie (art. 38 e 83 cpv. 2 LEF): costituzione di garanzie per una pretesa quale "controprestazione" per l'inerzia del creditore; l'esistenza della pretesa da garantire o eventuali vizi di volontà concernenti il riconoscimento di debito (art. 23 seg. e art. 28 CO) sono rilevanti per l'obbligo di costituire garanzie? L'escusso in un'esecuzione di prestazione di garanzie può far verificare in maniera esaustiva, con l'azione di disconoscimento del debito, se la pretesa di fornire garanzie sussiste. La costituzione delle garanzie, se promessa quale "controprestazione" per l'inerzia del creditore, rimane in ogni caso dovuta fino a quando viene deciso con forza di cosa cresciuta in giudicato il litigio riguardante l'esistenza della pretesa da garantire o quello concernente i vizi di volontà fatti valere dal debitore nei confronti del riconoscimento del debito. Altrimenti il debitore approfitterebbe della moratoria senza aver fornito una controprestazione (consid. 3).

Originalentscheid beim Gericht ↗

Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.

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