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Justizze. Art. 103 OG

Bundesgericht

Minderheitsaktionär ohne Parteistellung: Nichteintreten auf Verwaltungsgerichtsbeschwerde mangels schutzwürdigem Interesse (Art. 103 lit. a OG)

BGE / ATF / DTF
BGE 133 II 81 · ATF 133 II 81 · DTF 133 II 81
Datum
27.02.2007
Geschäftsnummer
BGE 133 II 81
Abteilung
CH_BGE_004
Ausgang
Nichteintreten

Tragende Normen

Art. 103 OG Art. 6 PA Art. 6 VwVG

Zusammenfassung

Die AEM S.p.A., eine Aktionärin mit einer Beteiligung von 5,76 % an der Aare-Tessin AG für Elektrizität (Atel), nahm am Verfahren vor der Übernahmekommission bezüglich eines öffentlichen Umtauschangebotes lediglich als Intervenientin teil. Nach Ablehnung der Empfehlungen der Übernahmekommission und Bestätigung dieser durch die Eidgenössische Bankenkommission erhob sie Verwaltungsgerichtsbeschwerde ans Bundesgericht mit dem Antrag, den Entscheid der Bankenkommission aufzuheben. Sie machte geltend, das Umtauschangebot verstosse gegen Bundesrecht und ihr stehe als Minderheitsaktionärin die Befugnis zur Ablehnung der Empfehlungen sowie zur Anfechtung der aufsichtsbehördlichen Verfügung zu.

Das Bundesgericht trat auf die Verwaltungsgerichtsbeschwerde der AEM S.p.A. nicht ein, da ihr ein schutzwürdiges Interesse an der Aufhebung der angefochtenen Verfügung fehlte.

Die Beschwerdeführerin hatte im Verfahren vor der Übernahmekommission ausschliesslich die Stellung einer Intervenientin gemäss Art. 54 Abs. 1 UEV-UEK inne, da sie zwar die Beteiligungsquote von 5 % gemäss Art. 38 Abs. 1 UEV-UEK erfüllte, aber nicht als Partei zugelassen war. Gemäss der abschliessenden Regelung von Art. 5 Abs. 1 i.V.m. Art. 53 Abs. 1 UEV-UEK steht die Befugnis, Empfehlungen der Übernahmekommission abzulehnen, nur den Parteien (Anbieter, Zielgesellschaft) zu, nicht jedoch Intervenienten. Da die Beschwerdeführerin somit nicht berechtigt war, die Empfehlungen der Übernahmekommission wirksam abzulehnen, konnte sie auch keine von diesen Empfehlungen abweichende Verfügung der Bankenkommission verlangen. Das Verfahren vor der Bankenkommission eröffnete sich hier nicht aufgrund einer wirksamen Ablehnung durch eine Partei. Folglich fehlte es an der Voraussetzung für ein schutzwürdiges Interesse im Sinne von Art. 103 lit. a OG und Art. 6 VwVG, da die Beschwerdeführerin das begehrte Ziel – die Aufhebung der Empfehlung zugunsten eines Barangebots – mit der Verwaltungsgerichtsbeschwerde nicht erreichen konnte. Für vermögensrechtliche Ansprüche bleibt der Weg an die Zivilgerichte offen.

Die Entscheidung verdeutlicht die strikte Trennung zwischen Interventions- und Parteirechten im beschleunigten Übernahmeverfahren und bestätigt, dass Minderheitsaktionäre ohne Parteistellung keine aufsichtsrechtlichen Verfügungen erzwingen können, um Verzögerungen des Übernahmevorgangs zu vermeiden.

Regeste

Art. 103 lit. a OG; Art. 6 VwVG; Art. 23 und 32 BEHG; Art. 3, 5, 38 und 53 ff. UEV-UEK; öffentliches Pflichtangebot; Stellung des Minderheitsaktionärs vor der Übernahme- und der Bankenkommission; Legitimation zur Verwaltungsgerichtsbeschwerde. Ein Minderheitsaktionär, der am Verfahren vor der Übernahmekommission nicht als Partei, sondern nur als Intervenient teilgenommen hat, ist nicht befugt, eine Empfehlung der Kommission abzulehnen (E. 4). Genauso wenig hat er vor der Übernahmekammer der Bankenkommission Parteistellung bzw. das Recht, eine von der erstinstanzlichen Empfehlung abweichende Verfügung der Aufsichtsbehörde zu verlangen (E. 5). Er kann dieses Ziel mit der Verwaltungsgerichtsbeschwerde ans Bundesgericht ebenfalls nicht erreichen, weshalb darauf mangels eines schutzwürdigen Interesses nicht einzutreten ist (E. 3 und 6). Regeste Art. 103 let. a OJ; art. 6 PA; art. 23 et 32 LBVM; art. 3, 5, 38 et 53 ss OOPA; obligation de présenter une offre publique; position de l'actionnaire minoritaire devant la Commission des OPA et devant la Commission des banques; qualité pour former un recours de droit administratif. Un actionnaire minoritaire qui a participé à la procédure devant la Commission des OPA non pas comme partie, mais seulement comme intervenant, n'est pas habilité à rejeter une recommandation de la commission (consid. 4). Il n'a pas davantage, devant la Chambre OPA de la Commission des banques, la qualité de partie, respectivement le droit de réclamer une décision de l'autorité de surveillance s'écartant de la recommandation de première instance (consid. 5). De même, il ne peut pas atteindre cet objectif avec un recours de droit administratif au Tribunal fédéral, raison pour laquelle il n'y a pas lieu d'entrer en matière sur un tel recours, en l'absence d'un intérêt digne de protection (consid. 3 et 6). Regesto Art. 103 lett. a OG; art. 6 PA; art. 23 e 32 LBVM; art. 3, 5, 38 e 53 segg. O-COPA; obbligo di presentare un'offerta pubblica; posizione dell'azionista di minoranza dinanzi alla Commissione delle OPA e alla Commissione delle banche; legittimazione ad interporre un ricorso di diritto amministrativo. Un azionista di minoranza che ha partecipato alla procedura dinanzi alla Commissione delle OPA non come parte, ma solo come intervenuto, non ha la facoltà di rifiutare una raccomandazione della commissione (consid. 4). Parimenti, dinanzi alla Camera delle OPA della Commissione delle banche egli non ha qualità di parte, rispettivamente il diritto di richiedere una decisione dell'autorità di vigilanza che si discosti dalla raccomandazione della prima istanza (consid. 5). Egli non può raggiungere questo scopo neppure con il ricorso di diritto amministrativo al Tribunale federale, per cui tale ricorso è inammissibile per mancanza di un interesse degno di protezione (consid. 3 e 6).

Originalentscheid beim Gericht ↗

Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.

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