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Justizze. Art. 219 SchKG

Bundesgericht

Ferienabgeltung bei Konkurs entsteht erst mit Unmöglichkeit der Naturgewährung: volle Erstklasskollokation (Art. 219 Abs. 4 SchKG)

BGE / ATF / DTF
BGE 131 III 451 · ATF 131 III 451 · DTF 131 III 451
Datum
26.05.2005
Geschäftsnummer
BGE 131 III 451
Abteilung
CH_BGE_005
Ausgang
Abgewiesen

Tragende Normen

Art. 156 OG Art. 159 OG Art. 219 SchKG Art. 250 SchKG

Zusammenfassung

Swissair und Flightlease in Nachlassliquidation fochten den Kollokationsplan im Konkurs der Balair/CTA Leisure AG an. Sie bestritten die Einstufung einer Forderung eines ehemaligen Piloten für nicht bezogene Ferien in Höhe von rund Fr. 30'800 in die Erste Klasse gemäss Schuldbetreibungs- und Konkursgesetz. Die Vorinstanzen wiesen die Klage ab und bestätigten die Erstklasskollokation. Die Klägerinnen erhoben eidgenössische Berufung und verlangten eine Reduktion der privilegierten Forderung sowie die Verschiebung eines Teilbetrags in die Dritte Klasse. Zudem stellten sie die Frage der Verfahrenskostenfreiheit nach dem Obligationenrecht.

Das Bundesgericht wies die eidgenössische Berufung der Swissair und Flightlease in Nachlassliquidation ab und bestätigte die vollumfängliche Kollokation der Ferienabgeltungsforderung des Arbeitnehmers in der Ersten Klasse. Der Abgeltungsanspruch für nicht bezogene Ferien entsteht nach ständiger Rechtsprechung erst dann, wenn feststeht, dass die Ferien nicht mehr in natura gewährt werden können. Im vorliegenden Fall trat dieser Zeitpunkt mit der Konkurseröffnung am 27. November 2001 ein, weshalb die gesamte Forderung als Anspruch wegen vorzeitiger Auflösung des Arbeitsverhältnisses infolge Konkurses zu qualifizieren ist. Eine Aufteilung in einen privilegierten Teil für die letzten sechs Monate und einen unprivilegierten Rest scheidet aus, da der Anspruch nicht pro rata temporis parallel zum Ferienanspruch, sondern einheitlich bei Konkursentstehung begründet wird.

Hinsichtlich der Verfahrenskosten verneinte das Gericht die Anwendbarkeit der Kostenlosigkeit für arbeitsrechtliche Streitigkeiten. Zwar war eine arbeitsrechtliche Vorfrage zu entscheiden, doch betraf der Streit im Kollokationsprozess ausschliesslich den Rang der Forderung und nicht deren Bestand an sich. Das Verfahren unterlag daher nicht der Kostenschranke von Art. 343 OR, sodass die unterlegenen Klägerinnen kosten- und entschädigungspflichtig wurden. Die Zulässigkeit der eidgenössischen Berufung wurde bejaht, da Ansprüche des Bundeszivilrechts strittig waren und die Klägerinnen als kollozierte Gläubigerinnen zur Anfechtung des Plans legitimiert waren.

Regeste

a Art. 219 Abs. 4 Erste Klasse lit. a SchKG (alte Fassung); Kollokation des Abgeltungsanspruchs des Arbeitnehmers für nicht bezogene Ferien. Zulässigkeit der eidgenössischen Berufung gegen ein im Kollokationsprozess ergangenes Urteil. Streitwertberechnung. Legitimation zur Anfechtung des Kollokationsplanes (E. 1.1-1.3). Der Abgeltungsanspruch für nicht bezogene Ferien entsteht, wenn feststeht, dass diese nicht mehr in natura gewährt werden können. Im vorliegenden Fall ist der Abgeltungsanspruch bei Konkurseröffnung entstanden, so dass er vollumfänglich in der Ersten Klasse kolloziert werden muss (E. 2). Regeste b Art. 343 Abs. 2 OR; Kostenlosigkeit des Verfahrens. Es liegt keine Streitigkeit aus Arbeitsverhältnis vor, wenn im Kollokationsprozess ausschliesslich der Rang einer Abgeltungsforderung für nicht bezogene Ferien strittig ist, nicht aber deren Bestand an sich, selbst wenn eine arbeitsrechtliche Vorfrage zu entscheiden ist (E. 3). Regeste a Art. 219 al. 4 première classe let. a LP (ancien); collocation de la créance en espèces du travailleur pour des vacances non prises. Recevabilité du recours en réforme contre un jugement rendu dans un procès de collocation. Calcul de la valeur litigieuse. Qualité pour agir en contestation de l'état de collocation (consid. 1.1-1.3). La créance en espèces pour des vacances non prises naît lorsque celles-ci ne peuvent plus être accordées en nature. Il s'ensuit que la créance en espèces est née au moment de l'ouverture de la faillite, de sorte qu'elle doit être colloquée entièrement en première classe (consid. 2). Regeste b Art. 343 al. 2 CO; gratuité de la procédure. Lorsque, dans un procès de collocation, seul est contesté le rang de la créance en espèces pour des vacances non prises, et non son existence, le litige ne relève pas du contrat de travail, même si une question de droit du travail doit être résolue à titre préjudiciel (consid. 3). Regesto a Art. 219 cpv. 4 prima classe lett. a LEF (previgente); graduazione del diritto del lavoratore ad una compensazione in denaro per vacanze non prese. Ammissibilità del ricorso per riforma contro una sentenza emanata in un processo di contestazione della graduatoria. Calcolo del valore di lite. Legittimazione a contestare la graduatoria (consid. 1.1-1.3). Il diritto ad una compensazione in denaro per vacanze non prese sorge quando è certo che queste non possono più essere concesse in natura. Nel caso concreto il diritto ad una compensazione in denaro è sorto con la dichiarazione di fallimento, cosicché esso deve essere integralmente collocato in prima classe (consid. 2). Regesto b Art. 343 cpv. 2 CO; gratuità della procedura. Non trattasi di una controversia derivante dal rapporto di lavoro se nel processo di contestazione della graduatoria è unicamente litigioso il rango assegnato al credito fondato sulla compensazione in denaro per vacanze non prese, ma non l'esistenza del credito in sé, anche qualora debba essere decisa in via pregiudiziale una questione concernente il diritto del lavoro (consid. 3).

Originalentscheid beim Gericht ↗

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