Vorsorgeeinrichtung muss BVG-Rente trotz fehlendem rechtskräftigen UVG-Entscheid leisten: Kumulationsprinzip gilt (Art. 23 BVG, Art. 28 IVG)
- BGE / ATF / DTF
- BGE 127 V 373 · ATF 127 V 373 · DTF 127 V 373
- Datum
- 27.11.2001
- Geschäftsnummer
- BGE 127 V 373
- Ausgang
- Abgewiesen
Tragende Normen
Zusammenfassung
Die Patria-Stiftung zur Förderung der Personalversicherung wehrt sich gegen die Verpflichtung, einem Versicherten ab Februar 1996 Invalidenleistungen nach dem Bundesgesetz über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge (BVG) auszurichten, obwohl über den Anspruch gegenüber der Unfallversicherung noch nicht rechtskräftig entschieden war. Die Stiftung argumentiert, dass mangels definitiver Feststellung der Unfallversicherungsleistung eine allfällige Überentschädigung nicht berechnet werden könne und daher keine bestimmte Leistung geschuldet sei. Der Beschwerdegegner stützt sich auf eine Verfügung der Invalidenversicherung vom 24. Juli 1998, welche ihm rückwirkend ab Februar 1996 eine Rente zugesprochen hatte.
Das Bundesgericht weist die Verwaltungsgerichtsbeschwerde der Patria-Stiftung ab und bestätigt die Pflicht zur Ausrichtung der BVG-Leistungen ab dem 1. Februar 1996. Das Gericht stellt fest, dass im Bereich der Invalidenrenten das Prinzip der Kumulation kongruenter Leistungen gilt, welches sich grundlegend von der Vorleistungspflicht bei Sachleistungen unterscheidet. Da die Vorsorgeeinrichtung ihre Leistung zu erbringen hat, sobald die entsprechenden Voraussetzungen erfüllt sind, kann sie die Ausrichtung nicht davon abhängig machen, ob die Unfallversicherung bereits rechtskräftig leistungspflichtig ist.
Massgeblich für den Leistungsbeginn ist gemäss Art. 23 BVG in Verbindung mit Art. 26 Abs. 1 BVG und Art. 29 Abs. 1 lit. b IVG die Erfüllung der Anspruchsvoraussetzungen. Durch die Verfügung der IV-Stelle vom 24. Juli 1998, welche dem Versicherten rückwirkend ab 1. Februar 1996 bei einem Invaliditätsgrad von 70% eine Rente zusprach, waren diese Voraussetzungen ab diesem Datum gegeben. Das Risiko einer späteren Kürzung wegen Überentschädigung ist dem Kumulationsprinzip inhärent und wiegt weniger schwer als das Bedürfnis des Versicherten nach sofortiger Existenzsicherung.
Ausdrücklich offengelassen wird die Frage, ob die Vorsorgeeinrichtung im Falle einer späteren Leistungskürzung aufgrund von Überentschädigung zu viel erbrachte Leistungen zurückfordern kann. Diese Rechtsfrage wurde bereits in BGE 115 V 115 nicht beantwortet und bedarf im vorliegenden Verfahren keiner Klärung.
Regeste
Art. 23 BVG, Art. 28 IVG und Art. 18 UVG: Kumulation von Invalidenrenten verschiedener Sozialversicherer. - Im Bereich der Invalidenrenten besteht eine Kumulation kongruenter Leistungen unter Vorbehalt der Kürzung bei Überentschädigung. Die Vorsorgeeinrichtung ist daher verpflichtet, Invalidenleistungen nach BVG auszurichten, auch wenn über den Anspruch der versicherten Person gegenüber der Unfallversicherung noch nicht rechtskräftig entschieden ist. - Frage weiterhin offen gelassen, ob die Vorsorgeeinrichtung im Falle späterer Leistungskürzung zufolge Überentschädigung zu viel erbrachte Leistungen zurückfordern kann. Regeste Art. 23 LPP, art. 28 LAI et art. 18 LAA: Cumul des rentes d'invalidité versées par plusieurs assureurs sociaux. - Dans le domaine des rentes d'invalidité, il y a cumul des prestations matériellement concordantes, sous réserve de réduction en cas de surindemnisation. En conséquence, l'institution de prévoyance est tenue de verser les prestations d'invalidité selon la LPP, même si la prétention de l'assuré à l'égard de l'assurance-accidents n'est pas encore tranchée par une décision entrée en force. - Droit de l'institution de prévoyance de répéter les prestations versées en trop en cas de réduction subséquente des prestations pour cause de surindemnisation: question laissée ouverte. Regesto Art. 23 LPP, art. 28 LAI e art. 18 LAINF: Cumulo di rendite d'invalidità versate da diversi assicuratori sociali. - Nel campo delle rendite d'invalidità vige, con riserva di riduzione in caso di sovrindennizzo, il cumulo delle prestazioni congruenti. L'istituto previdenziale è quindi tenuto ad accordare prestazioni d'invalidità ai sensi della LPP anche laddove non sia stato ancora accertato con decisione cresciuta in giudicato se l'assicurato possa far valere pretese nei confronti dell'assicurazione contro gli infortuni. - Lasciato ancora insoluto il tema se l'istituto previdenziale possa, in caso di successiva riduzione delle prestazioni per sovrindennizzo, chiedere il rimborso delle prestazioni pagate in misura eccessiva.
Originalentscheid beim Gericht ↗
Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.
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