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Justizze. Art. 278 StPO

Bundesgericht

Zwangsmassnahmengericht verfügt über keine Zuständigkeit zur Vorab-Genehmigung der Verwertbarkeit rechtshilfeweise erlangter ANOM-Aufzeichnungen (Art. 278 StPO)

BGE / ATF / DTF
BGE 150 IV 139 · ATF 150 IV 139 · DTF 150 IV 139
Datum
01.01.2024
Geschäftsnummer
BGE 150 IV 139
Abteilung
CH_BGE_006
Ausgang
Abgewiesen

Tragende Normen

Art. 141 StPO Art. 274 StPO Art. 277 StPO Art. 278 StPO

Zusammenfassung

Die Staatsanwaltschaft des Kantons Aargau beantragte beim Zwangsmassnahmengericht (ZMG) die Genehmigung eines sogenannten Zufallsfunds aus einer rechtshilfeweisen Überwachung der verschlüsselten Kommunikationsplattform ANOM im Rahmen der internationalen Strafverfolgungsaktion „Operation Trojan Shield“. Das ZMG genehmigte die Verwertung der Aufzeichnungen. Der Beschuldigte erhob dagegen Beschwerde; das kantonale Obergericht erklärte die Verfügung des ZMG für nichtig. Sowohl die Oberstaatsanwaltschaft als auch der Beschuldigte legten Beschwerde ans Bundesgericht. Streitig war, ob das ZMG überhaupt zuständig war, einen solchen Genehmigungsentscheid zu fällen, und ob es sich bei den rechtshilfeweise übermittelten Aufzeichnungen um einen Zufallsfund im Sinne der Strafprozessordnung handelte.

Das Bundesgericht wies beide Beschwerden ab. Es stellte fest, dass das Zwangsmassnahmengericht (ZMG) nicht zuständig war, einen Genehmigungsentscheid über die Verwertbarkeit rechtshilfeweise erlangter Aufzeichnungen aus der ANOM-Überwachung zu fällen. Die Überwachung erfolgte im Ausland im Rahmen internationaler Rechtshilfe und unterlag nicht der schweizerischen Strafprozessordnung (StPO), sondern dem US-amerikanischen Recht. Art. 278 StPO regelt ausschliesslich Zufallsfunde aus in der Schweiz angeordneten und durchgeführten Fernmeldeüberwachungen nach Art. 269 ff. StPO. Da die Aufzeichnungen aus einer rechtshilfeweisen Überwachung stammten, fiel der Sachverhalt nicht unter Art. 278 Abs. 1 und 2 StPO. Auch ein Zufallsfund lag nicht vor, weil die neuen Erkenntnisse gegen den bereits beschuldigten A. wegen bereits untersuchter Delikte – qualifizierter Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz und Geldwäscherei – verwendet werden sollten. Eine analoge Anwendung von Art. 278 StPO war nicht geboten, da der Rechtsschutz über Art. 141 StPO gewährleistet ist: Das erkennende Strafgericht kann spätestens im Hauptverfahren über die Verwertbarkeit entscheiden, wobei unverwertbare Beweise gemäss Art. 141 Abs. 1 und 2 StPO aus den Akten entfernt und vernichtet werden müssen. Die Verfügung des ZMG war daher bundesrechtswidrig, weil sie auf einer falschen Annahme der Zuständigkeit beruhte. Das Bundesgericht hielt fest, dass die Nichtigerklärung durch das Obergericht keinen erkennbaren Prozessnachteil für die Parteien verursachte und daher keine Bundesrechtswidrigkeit darstellte.

Regeste

Art. 141, 274, 277 und 278 StPO; Zuständigkeit zur Genehmigung eines Zufallsfundes aus einer rechtshilfeweise erwirkten Überwachung einer verschlüsselten Kommunikationsplattform im Rahmen einer international koordinierten Strafverfolgungsaktion ("Operation Trojan Shield"). Internationalstrafrechtlicher Grundsatz der Territorialität und Rechtshilfeerfordernis bei Überwachungen von verschlüsselten Kommunikationsplattformen im sogenannten Darknet; anwendbares Recht (E. 5.1). Anwendungsfälle von Art. 269 ff., insbesondere Art. 278 StPO (Genehmigung von Zufallsfunden). Der hier beurteilte Überwachungssachverhalt fällt nicht darunter (E. 5.2-5.6). In Fällen wie dem vorliegenden drängt sich auch keine "analoge" Anwendung von Art. 278 StPO und keine Annahme einer "Gesetzeslücke" auf, mit der de lege lata eine Zuständigkeit des Zwangsmassnahmengerichtes zur Vorab-Genehmigung der Verwertbarkeit von rechtshilfeweise erlangten Aufzeichnungen begründet werden könnte. Dem Sachgericht ist diesbezüglich nicht vorzugreifen (E. 5.7). Darüber hinaus wäre hier auch kein Zufallsfund im Sinne von Art. 278 Abs. 1 und 2 StPO ersichtlich gewesen (E. 5.8). Der Genehmigungsentscheid des Zwangsmassnahmengerichtes war wegen Unzuständigkeit aufzuheben (E. 5.9). Regeste Art. 141, 274, 277 et 278 CPP; compétence pour approuver une découverte fortuite résultant de la surveillance d'une plateforme de communication cryptée obtenue par la voie de l'entraide judiciaire dans le cadre d'une opération de poursuite pénale coordonnée au niveau international ("Operation Trojan Shield"). Principe de territorialité du droit pénal international et exigence de l'entraide judiciaire en cas de surveillance de plateformes de communication cryptées sur le "darknet"; droit applicable (consid. 5.1). Cas d'application des art. 269 ss CPP, en particulier de l'art. 278 CPP (autorisation de découvertes fortuites). Le cas de surveillance jugé ici ne relève pas de ces dispositions légales (consid. 5.2-5.6). Dans des cas comme celui-ci, il n'y a pas non plus d'application "par analogie" de l'art. 278 CPP, ni d'hypothèse de "lacune de la loi" qui permettrait de fonder une compétence du Tribunal des mesures de contrainte pour autoriser préalablement l'exploitation d'enregistrements obtenus par la voie de l'entraide judiciaire. Il n'y a pas lieu de préjuger de la décision du tribunal de première instance à cet égard (consid. 5.7). Aucune découverte fortuite au sens de l'art. 278 al. 1 et 2 CPP n'aurait en outre pu être constatée dans le cas présent (consid. 5.8). La décision d'approbation rendue par le Tribunal des mesures de contrainte doit être annulée pour cause d'incompétence (consid. 5.9). Regesto Art. 141, 274, 277 e 278 CPP; competenza per l'approvazione di reperti casuali derivanti dalla sorveglianza di una piattaforma di comunicazione criptata ottenuta mediante l'assistenza giudiziaria nell'ambito di un'operazione di perseguimento penale coordinata a livello internazionale ("Operation Trojan Shield"). Principio di territorialità del diritto penale internazionale e obbligo di assistenza giudiziaria in caso di sorveglianza di piattaforme di comunicazione criptate sul cosiddetto Darknet; diritto applicabile (consid. 5.1). Casi di applicazione degli art. 269 segg. CPP, in particolare dell'art. 278 CPP (autorizzazione di reperti casuali). I fatti di sorveglianza qui esaminati non rientrano in questa categoria (consid. 5.2-5.6). In casi come questo, non vi è neppure un'applicazione "per analogia" dell'art. 278 CPP, né si può ipotizzare una "lacuna della legge" che permetterebbe di fondare de lege lata una competenza del giudice dei provvedimenti coercitivi ad autorizzare previamente l'uso di registrazioni ottenute tramite l'assistenza giudiziaria. Non è necessario pregiudicare la decisione del giudice di merito a questo proposito (consid. 5.7). Inoltre, nella fattispecie non sarebbe stato rinvenuto nessun reperto casuale ai sensi dell'art. 278 cpv. 1 e 2 CPP (consid. 5.8). La decisione di approvazione presa dal giudice dei provvedimenti coercitivi doveva essere annullata per incompetenza (consid. 5.9).

Originalentscheid beim Gericht ↗

Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.

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