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Justizze. Art. 190a IPRG

Bundesgericht

Republik Indien beantragt Revision eines internationalen Schiedsspruchs wegen nachträglich entdeckter Tatsachen: Fristversäumnis und Unzulässigkeit der Revision gegen bereits bestätigten Zwischenschiedsspruch (Art. 190a Abs. 1 lit. a und Abs. 2 IPRG)

BGE / ATF / DTF
BGE 149 III 277 · ATF 149 III 277 · DTF 149 III 277
Datum
08.03.2023
Geschäftsnummer
4A_184/2022
Abteilung
I. Zivilrechtliche Abteilung
Ausgang
Nichteintreten

Tragende Normen

Art. 29 BGG Art. 54 BGG Art. 77 BGG Art. 119a BGG Art. 132 BGG Art. 190a IPRG

Zusammenfassung

Die Republik Indien als Gesuchstellerin beantragte beim Schweizerischen Bundesgericht die Revision zweier Schiedssprüche des Schiedsgerichts mit Sitz in Genf – eines Zwischenschiedsspruchs vom 13. Dezember 2017 und eines Endschiedsspruchs vom 27. Mai 2020 – unter Berufung auf nachträglich entdeckte Tatsachen und Beweismittel gemäss Art. 190a Abs. 1 lit. a IPRG. Die Aa.________ AG als Gesuchsgegnerin wandte sich dagegen und beantragte, auf die Revision nicht einzutreten oder sie abzuweisen. Streitig war insbesondere, ob die Revision zulässig ist, ob die gesuchstellende Partei die Revisionsfrist gewahrt hat und ob das vom indischen Supreme Court am 17. Januar 2022 erlassene Urteil über die Auflösung der Gesellschaft B.________ als nachträglich entdecktes Beweismittel im Sinne der Vorschrift gilt.

Das Bundesgericht trat nicht auf das Revisionsgesuch ein. Es stellte fest, dass die Revision gegen den Zwischenschiedsspruch vom 13. Dezember 2017 unzulässig ist, weil dieser bereits durch das Bundesgerichtsurteil 4A_65/2018 vom 11. Dezember 2018 rechtskräftig bestätigt worden war und daher nicht mehr einer Revision nach Art. 190a IPRG zugänglich ist; nur das Bundesgerichtsurteil selbst wäre nach Art. 123 Abs. 2 lit. a BGG revisionfähig, was jedoch nicht beantragt wurde. Gegen den Endschiedsspruch vom 27. Mai 2020 liegt zwar ein zulässiges Revisionsobjekt vor, doch verletzte die Gesuchstellerin die Revisionsfrist nach Art. 190a Abs. 2 IPRG. Sie behauptete, Kenntnis der neuen Tatsachen erst mit dem Urteil des indischen Supreme Court vom 17. Januar 2022 erlangt zu haben; das Bundesgericht hielt dagegen fest, dass bereits der erstinstanzliche Entscheid des National Company Law Tribunal (NCLT) vom 25. Mai 2021, der die Liquidation von B.________ wegen Betrugs anordnete, ausreichend war, um die entscheidenden Tatsachen zu kennen – maßgeblich ist die Kenntnis der Tatsachen durch die Gesuchstellerin, nicht deren endgültige gerichtliche Bestätigung. Zudem ist das Urteil des indischen Supreme Court vom 17. Januar 2022 nach dem Schiedsentscheid vom 27. Mai 2020 entstanden und daher nach dem klaren Wortlaut von Art. 190a Abs. 1 lit. a IPRG von vornherein unzulässig als Revisionsgrund. Die Revisionsgründe nach Art. 190a Abs. 1 lit. a IPRG und Art. 190a Abs. 2 IPRG wurden somit als nicht gegeben erachtet. Die Gesuchstellerin wurde kosten- und entschädigungspflichtig nach Art. 66 Abs. 1 und Art. 68 Abs. 2 BGG. Diese Entscheidung verdeutlicht die strenge Handhabung der Revisionsfristen bei internationalen Schiedssprüchen und die Unmöglichkeit, gegen bereits durch Bundesgerichtsurteil bestätigte Zuständigkeitsentscheide erneut vorzugehen.

Regeste

Art. 190a IPRG; internationale Schiedsgerichtsbarkeit, Revisionsobjekt, Revisionsfrist. Der Revision nach Art. 190a IPRG zugängliche Entscheide (E. 3.2). Zulässiges Revisionsobjekt in einem Fall, in dem das Bundesgericht bereits eine Beschwerde gegen den schiedsgerichtlichen Zuständigkeitsentscheid beurteilt hat (E. 3.3). Grundsätze der Revision nach Art. 190a Abs. 1 lit. a IPRG sowie der Fristwahrung nach Art. 190a Abs. 2 IPRG (E. 4.1). Beurteilung des Zeitpunkts der Kenntnis des Revisionsgrundes in einem Fall, in dem sich die Gesuchstellerin auf ein neu ergangenes Gerichtsurteil einer Rechtsmittelinstanz beruft (E. 4.2 und 4.3). Regeste Art. 190a LDIP; arbitrage international, objet de la demande de révision, délai pour former une demande de révision. Sentences susceptibles d'être visées par une demande de révision selon l'art. 190a LDIP (consid. 3.2). Recevabilité de l'objet de la demande de révision, dans un cas où le Tribunal fédéral a déjà statué sur un recours dirigé contre une sentence sur la compétence du tribunal arbitral (consid. 3.3). Principes relatifs à la demande de révision visée par l'art. 190a al. 1 let. a LDIP ainsi qu'au respect du délai selon l'art. 190a al. 2 LDIP (consid. 4.1). Appréciation du moment de la connaissance du motif de révision, dans un cas où la partie requérante se prévaut d'une décision judiciaire nouvellement rendue par une instance de recours (consid. 4.2 et 4.3). Regesto Art. 190a LDIP; arbitrato internazionale, oggetto della domanda di revisione, termine per presentare una domanda di revisione. Sentenze suscettive di una revisione secondo l'art. 190a LDIP (consid. 3.2). Oggetto ammissibile di una domanda di revisione nel caso in cui il Tribunale federale ha già statuito su un ricorso contro la decisione arbitrale sulla competenza (consid. 3.3). Principi relativi alla revisione secondo l'art. 190a cpv. 1 lett. a LDIP e rispetto del termine secondo l'art. 190a cpv. 2 LDIP (consid. 4.1). Determinazione del momento in cui l'istante è venuto a conoscenza del motivo di revisione in un caso in cui questi si prevale di una nuova sentenza emanata da un'autorità di ricorso (consid. 4.2 e 4.3).

Originalentscheid beim Gericht ↗

Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.

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