Arbeitgeberin beantragt Corona-Erwerbsersatz für Direktor in arbeitgeberähnlicher Stellung: Anmelde- und Beschwerdebefugnis fehlt, Anspruch ist subsidiär zur Lohnfortzahlung (Art. 2 Abs. 3bis und 3ter Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall)
- BGE / ATF / DTF
- BGE 148 V 265 · ATF 148 V 265 · DTF 148 V 265
- Datum
- 10.05.2022
- Geschäftsnummer
- BGE 148 V 265
- Ausgang
- Abgewiesen
Tragende Normen
Art. 19 ATSG Art. 59 ATSG Art. 31 AVIG Art. 86 BGG Art. 89 BGG
Zusammenfassung
Eine Aktiengesellschaft beantragte beim Bundesgericht Corona-Erwerbsersatz für ihren Verwaltungsratspräsidenten und Direktor sowie dessen im Betrieb mitarbeitende Ehefrau. Die Ausgleichskasse Luzern hatte den Anspruch des Direktors abgelehnt, weil sein massgebliches Einkommen nicht zwischen Fr. 10'000.– und Fr. 90'000.– liege. Das Kantonsgericht Luzern wies die dagegen erhobene Beschwerde ab. Die Aktiengesellschaft rügte vor dem Bundesgericht insbesondere, dass sie als Arbeitgeberin anmelde- und beschwerdeberechtigt sei und dass der Direktor die Einkommensvoraussetzungen erfülle, da sein vereinbarter Lohn von Fr. 5'000.– monatlich – auch wenn nicht bar ausgezahlt – dem Kontokorrent gutgeschrieben worden sei. Streitig war ferner, ob der Anspruch des Direktors aufgrund der Umsatzeinbusse der Gesellschaft oder seines eigenen Lohnausfalls zu beurteilen sei.
Das Bundesgericht wies die Beschwerde ab, soweit darauf eingetreten wird. Die Arbeitgeberin ist nicht anmelde- und beschwerdeberechtigt, wenn der Direktor in arbeitgeberähnlicher Stellung einen Lohnausfall erleidet: Art. 7 Abs. 2 Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall i.V.m. Art. 19 Abs. 2 ATSG begründet diese Befugnis nur bei Lohnfortzahlung, nicht bei Lohnausfall. Der Anspruch auf Corona-Erwerbsersatz für versicherte Personen in arbeitgeberähnlicher Stellung ist subsidiär zur Lohnfortzahlung durch die Arbeitgeberin, sodass ein Anspruch erst entsteht, wenn der Lohn tatsächlich ausfällt. Der Direktor erlitt jedoch keinen Lohnausfall, weil sein vereinbarter Monatslohn von Fr. 5'000.– seit Januar 2020 und auch nach Inkrafttreten der Massnahmen zur Bekämpfung des Coronavirus am 17. März 2020 bis Ende August 2020 jeweils seinem Kontokorrent gutgeschrieben wurde. Für die Einkommensvoraussetzung gemäss Art. 2 Abs. 3bis und 3ter Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall ist nicht das buchhalterisch verbuchte, sondern das tatsächlich ausgezahlte Einkommen massgeblich – wie bei der Arbeitslosenentschädigung. Zudem ist die Beschwerde hinsichtlich der Ehefrau des Direktors mangels Anfechtungsgegenstand unzulässig, weil ihr geltend gemachter Anspruchsbeginn am 1. Dezember 2020 nicht in den gerichtlichen Prüfungszeitraum fällt. Die Entscheidung klärt zentral, dass der Corona-Erwerbsersatz nicht den Umsatzrückgang eines Betriebs, sondern ausschliesslich den bei der versicherten Person eingetretenen Lohnausfall ausgleichen soll.
Regeste
Art. 2 Abs. 3 bis und 3 ter ("Stand am 6. Juli 2020"), Art. 7 Abs. 2 Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall; Art. 59 ATSG und Art. 89 Abs. 1 BGG; Corona-Erwerbsersatz, Anmelde- und Beschwerdelegitimation der Arbeitgeberin. Die Anmelde- und Beschwerdebefugnis der Arbeitgeberin lässt sich bei einem Lohnausfall des Arbeitnehmers in arbeitgeberähnlicher Stellung (und insoweit erfüllter Anspruchsvoraussetzung) nicht aus Art. 7 Abs. 2 Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall (i.V.m. Art. 19 Abs. 2 ATSG) herleiten (E. 1.4.3). Der Anspruch auf Corona-Erwerbsersatz von versicherten Personen in arbeitgeberähnlicher Stellung ist subsidiär zur Lohnfortzahlung durch die Arbeitgeberin (E. 5.3.5). Regeste Art. 2 al. 3 bis et 3 ter ("état au 6 juillet 2020"), art. 7 al. 2 de l'ordonnance sur les pertes de gain COVID-19; art. 59 LPGA et art. 89 al. 1 LTF; allocation pour perte de gain en lien avec le coronavirus, qualité pour déposer une demande et pour recourir de l'employeur. La qualité de l'employeur pour déposer une demande et recourir ne peut pas être déduite de l'art. 7 al. 2 de l'ordonnance sur les pertes de gain COVID-19 (en relation avec l'art. 19 al. 2 LPGA) en cas de perte de revenu d'un employé occupant une position assimilable à celle d'un employeur (et réalisant ainsi la condition d'octroi) (consid. 1.4.3). Le droit à l'allocation pour perte de gain en lien avec le coronavirus des personnes assurées dont la position est assimilable à celle d'un employeur est subsidiaire à la poursuite du versement du salaire par l'employeur (consid. 5.3.5). Regesto Art. 2 cpv. 3 bis e 3 ter ("stato al 6 luglio 2020"), art. 7 cpv. 2 dell'ordinanza COVID-19 perdita di guadagno; art. 59 LPGA e art. 89 cpv. 1 LTF; indennità di perdita di guadagno per coronavirus, legittimazione per presentare una domanda e diritto di ricorrere del datore di lavoro. Il diritto del datore di lavoro di presentare una domanda e un ricorso non può essere dedotto dall'art. 7 cpv. 2 dell'ordinanza COVID-19 perdita di guadagno (in relazione all'art. 19 cpv. 2 LPGA) nel caso di una perdita di reddito da parte di un dipendente che si trova in una posizione simile a quella del datore di lavoro (ciò che gli permetterebbe di avere diritto all'indennità) (consid. 1.4.3). Il diritto all'indennità di perdita di guadagno per coronavirus delle persone assicurate che occupano una posizione simile a quella di un datore di lavoro è sussidiario alla continuazione del pagamento del salario da parte del datore di lavoro (consid. 5.3.5).
Originalentscheid beim Gericht ↗
Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.
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