Behörde klagt gegen Aufhebung vorsorglichen Führerausweisentzugs und verkehrsmedizinischer Untersuchung: Bundesgericht tritt nicht ein, weil nur einfache Rechtsverletzung gerügt wird (Art. 98 BGG)
- BGE / ATF / DTF
- BGE 147 II 44 · ATF 147 II 44 · DTF 147 II 44
- Datum
- 14.09.2020
- Geschäftsnummer
- BGE 147 II 44
- Ausgang
- Nichteintreten
Tragende Normen
Art. 89 BGG Art. 90 BGG Art. 98 BGG Art. 106 BGG Art. 24 SVG
Zusammenfassung
Das Bau- und Justizdepartement des Kantons Solothurn erhob Beschwerde gegen das Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Solothurn, mit dem dieses die Verfügung der Motorfahrzeugkontrolle vom 11. November 2019 aufhob, welche einen vorsorglichen Entzug des Führerausweises und eine verkehrsmedizinische Untersuchung angeordnet hatte. Der Beschwerdeführer beantragte die Aufhebung des kantonalen Urteils und die Anordnung einer verkehrsmedizinischen Fahreignungsuntersuchung sowie den vorsorglichen Entzug des Führerausweises bis zum Vorliegen des Untersuchungsergebnisses. Streitgegenstand war die (Nicht-)Anordnung des vorsorglichen Führerausweisentzugs zur Abklärung der Fahreignung des Beschwerdegegners.
Das Bundesgericht trat auf die Beschwerde nicht ein. Es stellte fest, dass der angefochtene Entscheid des Verwaltungsgerichts des Kantons Solothurn, welcher die vorsorglichen Massnahmen endgültig aufhob, ein Endentscheid im Sinne von Art. 90 BGG darstellt. Da die Beschwerde von der erstinstanzlich verfügenden Behörde und nicht vom Führerausweisinhaber erhoben wurde, war die Rechtsprechung zu Zwischenentscheiden nicht anwendbar. Die Kognition des Bundesgerichts bei solchen vorsorglichen Massnahmen ist gemäss Art. 98 BGG auf die Verletzung verfassungsmässiger Rechte beschränkt. Der Beschwerdeführer rügte jedoch ausschliesslich eine Verletzung von Art. 15d Abs. 1 lit. b SVG und Art. 30 VZV, also einfaches Gesetzes- und Verordnungsrecht, und erklärte ausdrücklich, es liege eine einfache Rechtsverletzung vor. Eine Rüge der Verletzung verfassungsmässiger Rechte, etwa des Willkürverbots nach Art. 9 BV, wurde weder dargetan noch ersichtlich. Daher war die Beschwerde unzulässig und das Bundesgericht konnte nicht darauf eintreten. Die Entscheidung klärt die Rechtsnatur des Endentscheids in Fällen, in denen die Behörde selbst Beschwerde gegen die Aufhebung ihrer vorsorglichen Massnahmen erhebt, und bekräftigt die strikte Beschränkung der Bundesgerichtskognition auf verfassungsrechtliche Rügen bei solchen Massnahmen.
Regeste
Art. 90, 98, 106 Abs. 2 BGG; Rechtsnatur des Entscheids über die endgültige Nichtanordnung bzw. Aufhebung einer erstinstanzlich verfügten verkehrsmedizinischen Untersuchung und eines Sicherungsentzugs eines Führerausweises; vorsorgliche Massnahme, Kognition des Bundesgerichts. Der Entscheid über die endgültige Nichtanordnung bzw. Aufhebung einer erstinstanzlich verfügten verkehrsmedizinischen Untersuchung und eines Sicherungsentzugs eines Führerausweises stellt einen Endentscheid (Art. 90 BGG) dar (E. 1.1). Streitgegenstand bildet die umstrittene (Nicht-)Anordnung des vorsorglichen Führerausweisentzugs zur Abklärung der Fahreignung des Beschwerdegegners. Diese stellt eine vorsorgliche Massnahme dar. Die Kognition des Bundesgerichts ist auf die Verletzung verfassungsmässiger Rechte beschränkt (Art. 98 BGG). Wird einzig eine einfache Rechtsverletzung geltend gemacht, kann darauf nicht eingetreten werden (E. 1.2). Regeste Art. 90, 98, 106 al. 2 LTF; nature juridique de la décision définitive de ne pas imposer un examen relevant de la médecine du trafic et de ne pas ordonner un retrait de sécurité d'un permis de conduire ou de révoquer de telles décisions ordonnées en première instance; mesure provisionnelle, pouvoir de cognition du Tribunal fédéral. La décision définitive de ne pas imposer un examen relevant de la médecine du trafic et de ne pas ordonner un retrait de sécurité d'un permis de conduire ou de révoquer de telles décisions ordonnées en première instance constitue une décision finale (art. 90 LTF) (consid. 1.1). L'objet du litige est la décision contestée de (non-)retrait préventif du permis de conduire, afin de clarifier l'aptitude à la conduite de l'intimé. Il s'agit d'une mesure provisionnelle. Le pouvoir de cognition du Tribunal fédéral est limité à la violation des droits constitutionnels (art. 98 LTF). On ne peut pas entrer en matière si seule une violation simple des droits est alléguée (consid. 1.2). Regesto Art. 90, 98, 106 cpv. 2 LTF; natura giuridica della decisione definitiva di non ordinare, rispettivamente di annullare, un esame di medicina della circolazione stradale e una revoca a scopo di sicurezza della licenza di condurre disposti in prima istanza; misura cautelare, potere cognitivo del Tribunale federale. La decisione definitiva di non ordinare, rispettivamente di annullare, un esame di medicina della circolazione stradale e una revoca a scopo di sicurezza della licenza di condurre disposti in prima istanza costituisce una decisione finale (art. 90 LTF) (consid. 1.1). Oggetto del litigio è la (mancata) revoca a titolo cautelare della licenza di condurre allo scopo di chiarire l'idoneità alla guida dell'opponente. Si tratta al riguardo di una misura cautelare. La cognizione del Tribunale federale è limitata alla violazione dei diritti costituzionali (art. 98 LTF). Se è fatta valere solo una semplice violazione del diritto, non si può entrare nel merito del ricorso (consid. 1.2).
Originalentscheid beim Gericht ↗
Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.
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