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Justizze. Art. 5 EMRK

Bundesgericht

Verurteilter mit wiederholten Sexualdelikten gegen Kinder: Sicherheitshaft im gerichtlichen Nachverfahren zur Verlängerung einer stationären therapeutischen Massnahme ist rechtmäßig (Art. 5 Ziff. 1 EMRK)

BGE / ATF / DTF
BGE 146 I 115 · ATF 146 I 115 · DTF 146 I 115
Datum
31.03.2020
Geschäftsnummer
BGE 146 I 115
Ausgang
Abgewiesen

Tragende Normen

Art. 364b BGE Art. 5 BV Art. 31 BV Art. 5 EMRK Art. 221 StPO Art. 229 StPO Art. 363 StPO Art. 364 StPO

Zusammenfassung

Ein wegen wiederholter sexueller Handlungen mit Kindern rechtskräftig Verurteilter beantragte beim Bundesgericht die Aufhebung einer vom kantonalen Zwangsmassnahmengericht angeordneten Sicherheitshaft. Die Haft war am 20. Dezember 2019 für die Zeit ab 1. Januar 2020 bis zum hängigen Entscheid im gerichtlichen Nachverfahren zur Verlängerung einer stationären therapeutischen Massnahme angeordnet worden. Der Beschwerdeführer rügte eine Verletzung des haftrechtlichen Legalitätsprinzips gemäss Art. 5 Ziff. 1 EMRK sowie Art. 5 Abs. 1 und Art. 31 Abs. 1 BV, insbesondere mangels ausreichender gesetzlicher Grundlage für die Sicherheitshaft im massnahmenrechtlichen Nachverfahren.

Das Bundesgericht wies die Beschwerde ab und bestätigte die Rechtmäßigkeit der angeordneten Sicherheitshaft. Es stellte fest, dass die analoge Anwendung der Bestimmungen der Strafprozessordnung zur Sicherheitshaft im selbstständigen gerichtlichen Nachverfahren auf eine lang andauernde und konstante Rechtsprechung des Bundesgerichts stützt, die seit dem Grundsatzentscheid BGE 137 IV 333 vom 15. August 2011 besteht und durch zahlreiche weitere Urteile bestätigt wurde. Diese Rechtsprechung war für den anwaltlich vertretenen Beschwerdeführer zum Zeitpunkt der Haftanordnung am 20. Dezember 2019 voraussehbar und hinreichend klar. Entscheidend war ferner, dass ein psychiatrisches Gutachten vom 18. Oktober 2019 eine hohe Rückfallgefahr für erneute pädosexuelle Delinquenz prognostizierte, der Beschwerdeführer die Zusammenarbeit mit dem zuständigen Sachverständigen im Hinblick auf eine Lockerung des Vollzugsregimes verweigerte und eine zweite Sachverständige die Entlassung im Verlauf des Jahres 2020 als nicht mehr möglich erachtete. Damit waren die materiellen Voraussetzungen für die Sicherheitshaft gemäss Art. 221 und 229 ff. StPO erfüllt. Die Rüge einer Verletzung von Art. 5 Ziff. 1 EMRK, Art. 5 Abs. 1 BV und Art. 31 Abs. 1 BV erwies sich daher als unbegründet. Das Bundesgericht verwies abschließend den kantonalen Vollzugsdienst darauf, Gesuche um Verlängerung von freiheitsentziehenden Massnahmen zeitgerecht zu stellen, um ein Wegfallen des Hafttitels zu vermeiden.

Regeste

Art. 5 Ziff. 1 EMRK; Art. 5 Abs. 1 und Art. 31 Abs. 1 BV; Art. 221, Art. 229-233 und Art. 363 f. StPO. Ausreichende gesetzliche Grundlage für Sicherheitshaft im massnahmenrechtlichen gerichtlichen Nachverfahren. Auseinandersetzung mit dem Urteil des EGMR I.L. gegen Schweiz vom 3. Dezember 2019. Die analoge Anwendung der Bestimmungen der Strafprozessordnung zur Sicherheitshaft im selbstständigen gerichtlichen Nachverfahren stützt sich auf eine lang andauernde und konstante Rechtsprechung des Bundesgerichtes. Hinzu kommt, dass das Bundesgericht in diversen Entscheiden eine klare gesetzliche Regelung zur vollzugsrechtlichen Sicherheitshaft aus Gründen der Rechtssicherheit als wünschbar bezeichnet und der Gesetzgeber diese Anregung konsequent aufgenommen hat. Im hier beurteilten Fall ist nicht ersichtlich, dass die massgeblichen Rechtsquellen für den anwaltlich verbeiständeten Beschwerdeführer im Zeitpunkt der Anordnung der Sicherheitshaft nicht voraussehbar oder nicht hinreichend klar gewesen wären (E. 2). Regeste Art. 5 par. 1 CEDH; art. 5 al. 1 et art. 31 al. 1 Cst.; art. 221, art. 229-233 et art. 363 s. CPP. Base légale suffisante pour la détention pour des motifs de sûreté dans le cadre d'une procédure judiciaire ultérieure relative à une mesure. Considérations faisant suite à l'arrêt de la CourEDH I.L. contre Suisse du 3 décembre 2019. L'application par analogie des dispositions de procédure pénale sur la détention pour des motifs de sûreté dans la procédure ultérieure indépendante se fonde sur une jurisprudence ancienne et constante du Tribunal fédéral. En outre, le Tribunal fédéral a considéré dans plusieurs décisions qu'il était souhaitable, du point de vue de la sécurité du droit, que la détention pour des motifs de sûreté au stade de l'exécution de la peine fasse l'objet d'une réglementation légale claire, et le législateur a dûment tenu compte de cette injonction. Dans le cas d'espèce, il n'apparaît pas qu'au moment où a été ordonnée la détention, les sources de droit pertinentes n'aient pas été prévisibles ou suffisamment claires pour le recourant qui était assisté d'un avocat (consid. 2). Regesto Art. 5 n. 1 CEDU; art. 5 cpv. 1 e art. 31 cpv. 1 Cost.; art. 221, art. 229-233 e art. 363 seg. CPP. Base legale sufficiente per la carcerazione di sicurezza nell'ambito di una procedura giudiziaria successiva relativa a delle misure. Considerazioni sulla sentenza della CorteEDU I.L. contro Svizzera del 3 dicembre 2019. L'applicazione per analogia delle norme di procedura penale sulla carcerazione di sicurezza nell'ambito della procedura giudiziaria successiva indipendente si fonda su una giurisprudenza consolidata e costante del Tribunale federale. Inoltre, in diverse sentenze il Tribunale federale ha ritenuto che, sotto il profilo della sicurezza del diritto, era auspicabile che la carcerazione per motivi di sicurezza allo stadio dell'esecuzione della pena sia oggetto di una chiara base legale, e il legislatore ha debitamente accolto questa proposta. Nel caso in esame non risulta che, al momento in cui è stata ordinata la carcerazione di sicurezza, le fonti di diritto pertinenti non fossero state prevedibili o sufficientemente chiare per il ricorrente, patrocinato da un legale (consid. 2).

Originalentscheid beim Gericht ↗

Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.

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