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Justizze. Art. 43 StGB

Bundesgericht

Staatsanwaltschaft beantragt Vollzug einer teilbedingten Freiheitsstrafe wegen Kokainhandels nach Rückfall: Bundesgericht bestätigt teilbedingten Vollzug mit neunjähriger Probezeit (Art. 43 StGB)

BGE / ATF / DTF
BGE 144 IV 277 · ATF 144 IV 277 · DTF 144 IV 277
Datum
05.07.2018
Geschäftsnummer
6B_377/2017
Abteilung
Strafrechtliche Abteilung
Ausgang
Abgewiesen

Tragende Normen

Art. 42 StGB Art. 43 StGB

Zusammenfassung

Die Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Zürich erhob Beschwerde gegen das Urteil des Obergerichts Zürich, das X.________ wegen Kokainhandels zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe von 18 Monaten mit neunjähriger Probezeit verurteilt hatte. Streitpunkt war, ob der teilbedingte Vollzug trotz eines Rückfalls innerhalb der letzten fünf Jahre zulässig ist. Die Staatsanwaltschaft argumentierte, die Beschwerdegegnerin habe sich nach Ablauf der Probezeit ihrer ersten Verurteilung erneut strafbar gemacht und es fehlten besonders günstige Umstände im Sinne von Art. 42 Abs. 2 StGB.

Das Bundesgericht wies die Beschwerde der Oberstaatsanwaltschaft ab und bestätigte den teilbedingten Vollzug der Freiheitsstrafe. Es stellte fest, dass die Vorinstanz eine umfassende Gesamtwürdigung aller für die Legalprognose relevanten Umstände vorgenommen hatte, darunter die Tatsache, dass die Beschwerdegegnerin noch nie zuvor eine Freiheitsstrafe verbüsst hatte, sozial gut vernetzt war, keinen Eigenkonsum betrieb und sich um eine Schuldensanierung bemühte. Entscheidend war die vom Obergericht berücksichtigte Warnwirkung des Teilvollzugs: Der gesetzlich maximale unbedingte Strafteil von neun Monaten sollte die Beschwerdegegnerin genügend beeindrucken, um sie von weiteren Straftaten abzuhalten. Das Bundesgericht betonte, dass bei Vorliegen der Voraussetzungen von Art. 42 Abs. 2 StGB die voraussichtliche Wirkung des Teilvollzugs bei der Beurteilung der Legalprognose zu berücksichtigen ist, da die teilbedingte Strafe gerade dazu dient, im Bereich höchst ungewisser Prognosen das Dilemma „Alles oder Nichts“ zu vermeiden. Die Vorinstanz hatte daher nicht ihr Ermessen überschritten, sondern die Kriterien von Art. 43 StGB sowie Art. 42 Abs. 1 und 2 StGB sachgerecht angewandt. Die Beschwerdegegnerin war am 4. Juli 2013 zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 20 Monaten verurteilt worden und hatte Ende Oktober 2015 erneut Kokain gehandelt, wenige Tage nach Ablauf der Probezeit der ersten Verurteilung. Trotz dieses Rückfalls sah das Bundesgericht die Gewährung des teilbedingten Vollzugs als bundesrechtskonform an, weil die Vorinstanz die Warnwirkung des Teilvollzugs in die Gesamtwürdigung einbezogen hatte. Die Gerichtskosten wurden nicht erhoben, da gemäss Art. 66 Abs. 1 und 4 BGG keine Kosten zu erheben sind. Diese Entscheidung präzisiert die Rechtsprechung zum Verhältnis von Art. 42 und Art. 43 StGB und bestätigt ausdrücklich, dass die voraussichtliche Wirkung des Teilvollzugs bei der Legalprognose unter Art. 42 Abs. 2 StGB zu berücksichtigen ist – entgegen früheren isolierten Entscheiden.

Regeste

aArt. 42 Abs. 2, aArt. 43 Abs. 1 StGB; teilbedingte Strafe bei Vorstrafenbelastung; besonders günstige Voraussetzungen. Innerhalb des gesetzlichen Stufensystems stellt die teilbedingte Strafe eine Mittellösung zwischen dem vollständigen Aufschub (bedingt) und dem Vollzug (unbedingt) der Strafe dar. Sie kommt im überschneidenden Anwendungsbereich von einem bis zwei Jahren Freiheitsstrafe zur Anwendung, wenn eine vollbedingte Strafe aus spezialpräventiver Sicht nicht ausreichend ist und der Aufschub wenigstens eines Teils der Strafe erfordert, dass der andere Teil vollzogen wird. Die subjektiven Voraussetzungen von aArt. 42 StGB gelten auch im Rahmen von aArt. 43 StGB, d.h. eine teilbedingte Strafe ist nur möglich, wenn die Legalprognose nicht negativ ausfällt (E. 3.1.1). Eine teilbedingte Strafe ist auch unter den Voraussetzungen von aArt. 42 Abs. 2 StGB möglich. Erneute Straffälligkeit ("Rückfall") stellt keinen objektiven Ausschlussgrund für eine bedingte Strafe dar, weshalb auch die härtere Sanktionsform der teilbedingten Strafe bei begründeter Aussicht auf Bewährung möglich sein muss (Präzisierung der Rechtsprechung; E. 3.1.2). Bei der Frage, ob besonders günstige Gründe im Sinne von aArt. 42 Abs. 2 StGB vorliegen, ist die voraussichtliche Wirkung der teilbedingten Strafe zu berücksichtigen, die eine bessere Legalprognose ermöglichen kann (Änderung der Rechtsprechung; E. 3.2). Regeste Ancien art. 42 al. 2, ancien art. 43 al. 1 CP; sursis partiel à l'exécution de la peine en cas d'antécédents; circonstances particulièrement favorables. A l'intérieur du système légal à deux niveaux, le sursis partiel représente une solution médiane entre le report total de la peine (peine avec sursis) et l'exécution de celle-ci (peine ferme). Il trouve application pour les peines privatives de liberté d'un à deux ans, lorsqu'une peine assortie d'un plein sursis ne paraît pas suffisante du point de vue de la prévention spéciale et que le report d'au moins une partie de la peine exige que l'autre partie soit exécutée. Les conditions subjectives de l'ancien art. 42 CP valent aussi dans le cadre de l'ancien art. 43 CP, c'est-à-dire qu'une peine assortie d'un sursis partiel n'est possible que si le pronostic légal n'est pas défavorable (consid. 3.1.1). Une peine assortie d'un sursis partiel est aussi possible aux conditions de l'ancien art. 42 al. 2 CP. La commission de nouvelles infractions ("récidive") ne représente pas un motif objectif d'exclusion du sursis, de sorte que la forme plus sévère du sursis partiel doit pouvoir être prononcée si l'on peut raisonnablement supposer que l'auteur subisse la mise à l'épreuve avec succès (précision de jurisprudence; consid. 3.1.2). Pour savoir s'il existe des circonstances particulièrement favorables au sens de l'ancien art. 42 al. 2 CP, le juge doit tenir compte de l'effet prévisible de l'exécution partielle de la peine, qui peut améliorer le pronostic légal (modification de jurisprudence; consid. 3.2). Regesto Vecchio art. 42 cpv. 2, vecchio art. 43 cpv. 1 CP; pena con condizionale parziale in caso di precedenti condanne; circostanze particolarmente favorevoli. Nel sistema legale a livelli la pena con condizionale parziale costituisce una soluzione mediana tra la sospensione condizionale della pena (pena totalmente sospesa) e la sua esecuzione (pena da espiare). La sospensione condizionale parziale si applica alle pene detentive da uno a due anni, comprese nell'intersezione dei campi d'applicazione della condizionale totale e di quella parziale, quando una pena completamente sospesa non appare sufficiente in un'ottica di prevenzione speciale e la sospensione di almeno una parte della pena esige l'esecuzione dell'altra parte. Le condizioni soggettive del vecchio art. 42 CP valgono anche nell'ambito del vecchio art. 43 CP, ciò vuol dire che è possibile sospendere parzialmente l'esecuzione di una pena unicamente in assenza di una prognosi sfavorevole (consid. 3.1.1). La sospensione condizionale parziale della pena è possibile anche alle condizioni di cui al vecchio art. 42 cpv. 2 CP. Ulteriori condanne ("recidiva") non costituiscono un motivo oggettivo per escludere una pena con condizionale, di modo che anche la forma più grave della pena con condizionale parziale deve poter essere pronunciata se è ragionevolmente possibile prevedere che l'autore superi con successo il periodo di prova (precisazione della giurisprudenza; consid. 3.1.2). Nell'esame dell'esistenza di circostanze particolarmente favorevoli ai sensi del vecchio art. 42 cpv. 2 CP occorre prendere in considerazione l'effetto prevedibile della pena con condizionale parziale, che può permettere di formulare una migliore prognosi legale (cambiamento della giurisprudenza; consid. 3.2).

Originalentscheid beim Gericht ↗

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