Justizze.

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Justizze. Art. 7 BGÖ

Bundesgericht

Journalist verlangt Zugang zu nicht anonymisierten Meldungen über Gefährdungen und Störungen in der Neuen Ereignisdatenbank: Öffentlichkeitsprinzip überwiegt Datenschutzinteressen öffentlicher Unternehmen (Art. 7 Abs. 1 lit. b BGÖ, Art. 19 Abs. 1bis DSG)

BGE / ATF / DTF
BGE 144 II 77 · ATF 144 II 77 · DTF 144 II 77
Datum
27.09.2017
Geschäftsnummer
1C_428/2016
Abteilung
I. Öffentlich-rechtliche Abteilung
Ausgang
Abgewiesen

Tragende Normen

Art. 82 BGG Art. 89 BGG Art. 95 BGG Art. 1 BGÖ Art. 5 BGÖ Art. 6 BGÖ Art. 7 BGÖ Art. 8 BGÖ Art. 9 BGÖ Art. 11 BGÖ Art. 3 DSG Art. 4 DSG Art. 19 DSG

Zusammenfassung

Ein Journalist beantragte beim Bundesamt für Verkehr (BAV) Einsicht in die vollständigen und nicht anonymisierten Einträge der 26 wichtigsten Schweizer Transportunternehmen in der Neuen Ereignisdatenbank (NEDB) ab dem 1. Januar 2012. Das BAV gewährte nur teilweise Zugang und verweigerte die Offenlegung von Gefährdungen und Störungen. Nach einem Schlichtungsverfahren und einer Empfehlung des Eidgenössischen Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragten wies das BAV das Gesuch endgültig ab. Dagegen erhob der Journalist Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht, das das Urteil des BAV aufhob und den Zugang zu den nicht anonymisierten Daten anordnete. Das Eidgenössische Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK) legte daraufhin Beschwerde beim Bundesgericht ein und beantragte die Aufhebung des Urteils des Bundesverwaltungsgerichts.

Das Bundesgericht wies die Beschwerde des UVEK ab und bestätigte damit das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts, das den Zugang zu den nicht anonymisierten Meldungen über Gefährdungen und Störungen in der NEDB angeordnet hatte.

Das Bundesgericht stellte fest, dass der Beschwerdeführer keine konkrete, klar definierte behördliche Massnahme benannte, deren zielkonforme Durchführung durch die Offenlegung der Daten ernsthaft beeinträchtigt würde, wie es Art. 7 Abs. 1 lit. b BGÖ voraussetzt. Es verwies darauf, dass die Transportunternehmen gesetzlich verpflichtet sind, schwere Vorfälle und wesentliche Störungen zu melden (Art. 14a Abs. 1 EBG, Art. 16 i.V.m. Art. 4 VSZV), sodass ein Rückgang der Meldungen infolge der Publikation nicht zu erwarten sei und die Aufsichtstätigkeit des BAV nicht gefährdet werde. Zudem sei eine anonymisierte Bekanntgabe unzureichend, weil sie die wirksame Kontrolle der staatlichen Aufsichtstätigkeit durch die Öffentlichkeit unmöglich mache, was dem Zweck des Öffentlichkeitsprinzips (Art. 1 BGÖ) widerspreche. Bei der Güterabwägung nach Art. 19 Abs. 1bis DSG und Art. 7 Abs. 2 BGÖ überwog das öffentliche Interesse an Transparenz im öffentlichen Verkehr das Interesse der Transportunternehmen am Schutz ihrer Personendaten, insbesondere weil diese Unternehmen im Konzessionsverhältnis zum Gemeinwesen stehen, staatlich beherrscht oder mit Steuergeldern finanziert sind und daher ein erhöhtes öffentliches Informationsinteresse besteht. Die betroffenen Unternehmen waren zudem im Sinne von Art. 11 Abs. 1 BGÖ angehört worden, sodass die Zugangsgewährung keine Bundesrechtswidrigkeit darstellte.

Die Entscheidung beruhte auf den Normen Art. 7 Abs. 1 lit. b BGÖ, Art. 19 Abs. 1bis DSG, Art. 7 Abs. 2 BGÖ, Art. 11 Abs. 1 BGÖ sowie den meldepflichtigen Vorschriften des Eisenbahngesetzes und der Verordnung über die Sicherheitsuntersuchung von Zwischenfällen im Verkehrswesen. Das Bundesgericht erließ keine Gerichtskosten und verweigerte dem nicht anwaltlich vertretenen Beschwerdegegner eine Parteientschädigung gemäss Art. 66 Abs. 1 und 4 BGG sowie Art. 68 Abs. 1 und 2 BGG.

Die Entscheidung ist bemerkenswert, weil sie klärt, dass bei der Abwägung zwischen Transparenz und Datenschutz das öffentliche Interesse an der Kontrolle hoheitlicher Aufsichtstätigkeit gegenüber juristischen Personen des öffentlichen Rechts besonders stark gewichtet wird, insbesondere wenn diese im Rahmen von Konzessionen tätig sind und staatliche Mittel nutzen.

Regeste

Art. 13 Abs. 2 BV; Art. 7 Abs. 1 und Art. 9 BGÖ; Art. 19 Abs. 1 bis DSG; Gesuch um Einsicht in die in der Neuen Ereignisdatenbank (NEDB) enthaltenen Einträge über Gefährdungen und Störungen der 26 wichtigsten Schweizer Transportunternehmen. Damit ein Geheimhaltungstatbestand nach Art. 7 Abs. 1 BGÖ greift, muss die bei einer Zugangsgewährung drohende Verletzung öffentlicher oder privater Interessen ernsthaft sein und mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit eintreten; eine eigentliche Interessenabwägung ist dabei nicht vorzunehmen. Enthält ein amtliches Dokument indes Personendaten, die sich nicht anonymisieren lassen, ist gemäss Art. 19 Abs. 1 bis DSG (bzw. Art. 7 Abs. 2 BGÖ) eine umfassende Güterabwägung vorzunehmen (E. 3). Dabei können dem Transparenzinteresse neben privaten Interessen am Schutz der Privatsphäre bzw. der informationellen Selbstbestimmung auch gewichtige öffentliche Anliegen gegenübergestellt werden, die der Zugangsgewährung zuwiderlaufen und nicht von einer Ausnahmebestimmung im Sinne von Art. 7 f. BGÖ erfasst werden (E. 5.7). Frage offengelassen, ob sich öffentliche Unternehmungen im Bereich der Wahrnehmung konzessionierter öffentlicher Aufgaben auf das Recht auf informationelle Selbstbestimmung berufen können (E. 5). Regeste Art. 13 al. 2 Cst.; art. 7 al. 1 et art. 9 LTrans; art. 19 al. 1 bis LPD; demande d'accès aux informations de la nouvelle banque de données des événements (NEDB) relatives aux atteintes à la sécurité et aux incidents concernant les 26 entreprises de transport suisses les plus importantes. Pour qu'un droit d'accès soit limité, différé ou refusé, en application de l'art. 7 al. 1 LTrans, l'octroi de celui-ci doit constituer une menace sérieuse contre des intérêts publics ou privés, dont la réalisation présente une certaine vraisemblance; une véritable pesée des intérêts n'est à cet égard pas nécessaire. Si un document officiel contient en revanche des données personnelles ne pouvant être anonymisées, une pesée complète des intérêts s'impose, conformément à l'art. 19 al. 1 bis LPD (respectivement art. 7 al. 2 LTrans) (consid. 3). Dans ce contexte, l'intérêt à la transparence peut non seulement être mis en balance avec l'intérêt à la protection de la sphère privée, respectivement au droit à l'autodétermination informationnelle, mais également avec des préoccupations publiques importantes, qui s'opposent à l'octroi d'un droit d'accès, sans pour autant tomber sous le coup d'une exception au sens de l'art. 7 s. LPD (consid. 5.7). Est laissée indécise la question de savoir si les entreprises de droit public, titulaires d'une concession, peuvent se prévaloir du droit à l'autodétermination informationnelle, dans le cadre de l'exécution de tâches publiques (consid. 5). Regesto Art. 13 cpv. 2 Cost.; art. 7 cpv. 1 e art. 9 LTras; art. 19 cpv. 1 bis LPD; richiesta di accesso alle informazioni della nuova banca dati degli eventi (NEDB) relative ai pericoli per la sicurezza e degli incidenti delle 26 più importanti imprese di trasporto svizzere. Affinché, in applicazione dell'art. 7 cpv. 1 LTras, un diritto di accesso possa essere limitato, differito o negato, la sua mancata ammissione deve rappresentare una minaccia seria e incombente di una violazione di interessi pubblici o privati, che possa verificarsi con una certa probabilità; non si impone una vera e propria ponderazione degli interessi. Se un documento ufficiale contiene invece dati personali che non possono essere resi anonimi, giusta l'art. 19 cpv. 1 bis LPD (risp. l'art. 7 cpv. 2 LTras) dev'essere effettuata una ponderazione completa degli interessi (consid. 3). In tale ambito all'interesse alla trasparenza possono essere contrapposte oltre alla tutela della sfera privata, rispettivamente del diritto all'autodeterminazione informativa anche esigenze pubbliche importanti, che si oppongono all'accesso, sebbene non rientrino in una delle eccezioni previste dall'art. 7 seg. LTras (consid. 5.7). Lasciata aperta la questione di sapere se nell'ambito dell'assolvimento di compiti pubblici, imprese pubbliche titolari di una concessione possano prevalersi del diritto all'autodeterminazione informativa (consid. 5).

Originalentscheid beim Gericht ↗

Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.

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