Justizze.

Die Schweizer Rechtsdatenbank mit KI.

Justizze. Art. 48 BGG

Bundesgericht

Arbeitslosenkasse reicht Beschwerde per Postabholung ein: Fristwahrung nicht bewiesen, Nichteintreten wegen verspäteter Einreichung (Art. 100 Abs. 1 BGG)

BGE / ATF / DTF
BGE 142 V 389 · ATF 142 V 389 · DTF 142 V 389
Datum
14.06.2016
Geschäftsnummer
8C_661/2015
Abteilung
I. sozialrechtliche Abteilung
Ausgang
Nichteintreten

Tragende Normen

Art. 46 BGG Art. 48 BGG Art. 8 ZGB

Zusammenfassung

Die Unia Arbeitslosenkasse erhob Beschwerde gegen einen Entscheid des Sozialversicherungsgerichts des Kantons Zürich, der ihre Ablehnung eines Anspruchs auf Arbeitslosenentschädigung teilweise aufhob und die Sache zur weiteren Prüfung zurückwies. Die Kasse behauptete, die Beschwerde am letzten Tag der Frist, dem 14. September 2015, mittels Postabholung übergeben zu haben. Sie legte dazu interne Listen und Stellungnahmen der Post vor. Die Gegnerin machte keine Einwendungen. Streitig war ausschliesslich, ob die Beschwerde fristgerecht beim Bundesgericht eingereicht wurde.

Das Bundesgericht trat nicht auf die Beschwerde ein, weil die Rechtzeitigkeit der Einreichung nicht nachgewiesen wurde. Die Beschwerdefrist endete am Montag, 14. September 2015, unter Berücksichtigung des gesetzlichen Stillstands vom 15. Juli bis 15. August gemäss Art. 46 Abs. 1 lit. b BGG. Die Beschwerde wurde erst am 15. September 2015 erstmals durch die Post erfasst – als „Sortiert für die Zustellung“ im Paketzentrum Härkingen – was nach ständiger Rechtsprechung nicht ausreicht, um die Fristwahrung zu beweisen. Der Absender trägt die volle Beweislast für die rechtzeitige Postaufgabe gemäss Art. 8 ZGB; eine überwiegende Wahrscheinlichkeit genügt nicht. Die Kasse konnte keinen Poststempel vorlegen und auch keine anderen tauglichen Beweismittel: Die interne Empfängerliste vom 14. September 2015 war lediglich eine Parteibehauptung, da sie nicht von der Post visiert war; die vorgelegten Stellungnahmen der Post bezogen sich ausschliesslich auf allgemeine Abläufe und nicht auf die konkrete Sendung; Zeugenaussagen wurden nicht angeboten. Damit war der Nachweis der Fristwahrung gemäss Art. 100 Abs. 1 BGG und Art. 48 Abs. 1 BGG nicht erbracht. Die Gerichtskosten von Fr. 500.– wurden der Beschwerdeführerin auferlegt. Das Urteil ist bemerkenswert, weil es klärt, dass bei Postabholung die fehlende Stempelung kein formaler Mangel ist, sondern ein schwerwiegendes Beweisrisiko darstellt, das der Absender selbst ausräumen muss – und zwar mit konkreten, tauglichen Beweisen, nicht mit Indizien oder Wahrscheinlichkeitsaussagen.

Regeste

Art. 48 Abs. 1 und Art. 100 Abs. 1 BGG; Beweis der rechtzeitigen Aufgabe der Beschwerde bei der Schweizerischen Post. Hat die beschwerdeführende Partei eine sogenannte Abholungsvereinbarung mit der Schweizerischen Post abgeschlossen und gibt sie in diesem Rahmen auch die Beschwerdeschrift der Post mit, geht sie ein erhebliches Risiko hinsichtlich der Beweisbarkeit der Rechtzeitigkeit dieser Sendung ein. Denn die erstmalige Erfassung der Sendung durch die Post in "Easy Track", welche nicht dem Mitgabedatum entsprechen muss, gilt als Datumsausweis sowohl für als auch gegen die Absenderin (E. 3.3). Mit dem Hinweis auf den normalen Lauf der Dinge bei Abholung der Post in den Räumlichkeiten der beschwerdeführenden Partei ohne Bezugnahme auf die konkret in Frage stehende Sendung kann sie den geforderten vollen Beweis für die Rechtzeitigkeit der Beschwerde nicht erbringen (E. 3.4). Regeste Art. 48 al. 1 et art. 100 al. 1 LTF; preuve de la remise en temps utile du recours à la Poste suisse. Lorsque la partie recourante convient d'un arrangement avec la Poste suisse pour que celle-ci prenne en charge ses envois postaux, et qu'elle lui remet par ce biais une écriture de recours, elle court un grand risque de ne pas pouvoir apporter la preuve de la remise en temps utile de l'envoi à la poste. En effet, le moment auquel la poste saisit pour la première fois les données de l'envoi dans le système "Easy Track", qui ne correspond pas forcément à la date de sa remise, vaut comme date de dépôt de l'envoi en faveur aussi bien qu'en défaveur de l'expéditrice (consid. 3.3). La preuve stricte de la remise à la poste dans les délais ne peut pas être considérée comme rapportée par la référence au cours ordinaire des choses quant à la prise en charge des envois par la poste dans les locaux de la partie recourante sans indication concrète sur l'envoi en cause (consid. 3.4). Regesto Art. 48 cpv. 1 e art. 100 cpv. 1 LTF; prova della consegna tempestiva di un ricorso alla Posta Svizzera. Se la parte ricorrente conclude una convenzione di ritiro degli invii con la Posta Svizzera e in tale ambito le consegna un atto di ricorso, essa corre il grande rischio di non poter portare la prova dell'avvenuta trasmissione in tempo utile alla posta. Infatti, vale come data di consegna dell'invio, in favore come anche in sfavore del mittente, il momento in cui la posta inserisce i dati della spedizione per la prima volta nel sistema "Easy Track", che non corrisponde necessariamente alla data della consegna effettiva (consid. 3.3). La prova piena della trasmissione nei termini non può essere data, rinviando al normale corso delle cose nella presa in consegna dalla posta delle spedizioni negli spazi della parte ricorrente, senza che vi sia alcuna indicazione concreta sull'invio in questione (consid. 3.4).

Originalentscheid beim Gericht ↗

Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.

Verwandte Entscheide