Altlastenkosten: Erben eines verstorbenen Verhaltensverursachers haften nicht, da Sanierungspflicht bei Erbgang nicht vorhersehbar war (Art. 32d USG)
- BGE / ATF / DTF
- BGE 142 II 232 · ATF 142 II 232 · DTF 142 II 232
- Datum
- 25.04.2016
- Geschäftsnummer
- BGE 142 II 232
- Abteilung
- CH_BGE_004
- Ausgang
- Teilweise gutgeheissen
Tragende Normen
Zusammenfassung
Die Erben eines verstorbenen Grundeigentümers fochten eine Kostenverteilungsverfügung an, die ihnen einen Anteil von 25 % an den Altlastensanierungskosten einer Deponie auferlegte. Ihr Vater hatte das Grundstück in den 1960er Jahren wissentlich und gegen Entgelt für die Ablagerung von Abfällen zur Verfügung gestellt. Die Beschwerdeführer argumentierten, dass sie als Erben nicht für diese Kosten haftbar seien, da die Sanierungspflicht zum Zeitpunkt des Erbfalls im Jahr 1981 noch nicht konkretisiert worden sei und sie daher keine Möglichkeit gehabt hätten, die Erbschaft auszuschlagen oder unter öffentlichem Inventar anzunehmen.
Das Bundesgericht hiess die Beschwerde gut und entschied, dass der Kostenanteil des verstorbenen Vaters nicht auf die Erben übergegangen ist. Das Gericht qualifizierte den Vater zwar als Verhaltensverursacher, da er das Grundstück wissentlich und gegen Entgelt für eine potenziell umweltgefährdende Nutzung zur Verfügung gestellt hatte (Art. 32d USG). Für die Haftung der Erben nach Art. 560 Abs. 2 ZGB ist jedoch erforderlich, dass die Sanierungspflicht zum Zeitpunkt des Erbgangs vorhersehbar war. Da die Deponie 1969 behördlich bewilligt wurde und bis zum Tod des Vaters 1981 keine konkrete Umweltgefährdung festgestellt worden war, konnten die Erben die künftige Sanierungspflicht nicht voraussehen. Sie hatten daher keinen Anlass, die Erbschaft auszuschlagen. Der Kostenanteil von 25 % geht stattdessen zulasten des Gemeinwesens, da der Verursacher nicht mehr existiert und keine Rechtsnachfolge eintritt (Art. 32d Abs. 3 USG). Die Sache wurde zur neuen Beurteilung der Kostenverteilung an die Vorinstanz zurückgewiesen (Art. 107 Abs. 2 BGG).
Regeste
Altlastenrechtliche Kostenverteilung nach Art. 32d USG. Ein Grundeigentümer, der sein Grundstück wissentlich und gegen Entgelt für eine potenziell umweltgefährdende Nutzung als Deponie zur Verfügung stellt, ist als Verhaltensverursacher zu qualifizieren (E. 3). Für den Sorgfaltsnachweis im Sinne von Art. 32d Abs. 2 Satz 3 USG ist grundsätzlich auf den Zeitpunkt des Grundstückerwerbs abzustellen. Selbst wenn der Inhaber des Standorts aus der Sanierung einen wirtschaftlichen Vorteil erzielt, steht dies einer Kostenbefreiung nicht entgegen (E. 4). Bei der Festsetzung der Kostenanteile kommt den zuständigen Behörden ein pflichtgemäss auszuübendes Ermessen zu (E. 5). Der Übergang der Kostentragungspflicht des Verhaltensverursachers auf seine Erben ist an zwei Voraussetzungen geknüpft. Einerseits muss zum Zeitpunkt des Erbgangs eine rechtliche Grundlage für eine Sanierungs- und Kostentragungspflicht bestanden haben. Andererseits müssen die Erben die Möglichkeit gehabt haben, das Erbe auszuschlagen oder unter öffentlichem Inventar anzunehmen, was die Vorhersehbarkeit einer Sanierungspflicht bedingt (E. 6.3). Das Gemeinwesen trägt den Kostenanteil, wenn ein Verursacher zwar bekannt ist, aber nicht mehr existiert und keine Rechtsnachfolge eintritt (E. 6.5). Regeste Répartition des frais en matière de sites contaminés selon l'art. 32d LPE. Un propriétaire qui met son bien-fonds à disposition en toute connaissance de cause, contre rémunération, pour une utilisation comme décharge potentiellement dangereuse pour l'environnement doit être qualifié de perturbateur par comportement (consid. 3). Pour la preuve de la diligence au sens de l'art. 32d al. 2, 3 e phrase, LPE, il y a en principe lieu de se référer au moment de l'acquisition du bien-fonds. Le détenteur des lieux peut être libéré des frais même s'il retire un avantage économique de l'assainissement (consid. 4). Lors de la répartition des coûts d'assainissement, les autorités compétentes doivent statuer dans les limites de leur pouvoir d'appréciation (consid. 5). Pour que l'obligation de prendre en charge les coûts passe du perturbateur par comportement à ses héritiers, deux conditions doivent être réunies. D'une part, il devait exister, au moment de la dévolution, une base légale fondant l'obligation d'assainir et de prendre en charge les coûts. D'autre part, les héritiers doivent avoir eu la possibilité de répudier la succession ou d'évaluer, par le biais du bénéfice d'inventaire, les conséquences prévisibles d'une obligation d'assainir (consid. 6.3). La collectivité publique supporte la part des coûts du perturbateur qui est certes connu, mais n'existe plus et n'a aucun successeur juridique (consid. 6.5). Regesto Ripartizione delle spese secondo l'art. 32d LPAmb per il risanamento di siti inquinati. Un proprietario che mette a disposizione il suo fondo in modo consapevole e dietro compenso per un'utilizzazione quale discarica potenzialmente pericolosa per l'ambiente, dev'essere qualificato di perturbatore per comportamento (consid. 3). Per la prova della diligenza ai sensi dell'art. 32d cpv. 2 terzo periodo LPAmb occorre riferirsi di principio al momento dell'acquisizione del fondo. Nemmeno un vantaggio economico derivante dal risanamento a favore del proprietario del sito si oppone a una dispensa dal versamento delle spese (consid. 4). Nella determinazione della partecipazione alle spese, alle autorità competenti spetta un potere d'apprezzamento da esercitare correttamente (consid. 5). Il trasferimento dell'obbligo d'assunzione delle spese dal perturbatore per comportamento ai suoi eredi è subordinato a due condizioni. Da una parte, al momento della successione doveva sussistere una base legale per l'obbligo di risanamento e di assunzione delle spese. Dall'altra, gli eredi dovevano avere avuto la possibilità di rinunciare alla successione o di accettarla con il beneficio d'inventario, ciò che presuppone la prevedibilità dell'obbligo di risanamento (consid. 6.3). L'ente pubblico sostiene la relativa partecipazione alle spese quando il perturbatore è conosciuto, ma non esiste più e non vi è alcuna successione in diritto (consid. 6.5).
Originalentscheid beim Gericht ↗
Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.
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