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Justizze. Art. 35 AHVG

Bundesgericht

Ehepaar-Rentenplafonierung in der AHV: Keine diskriminierende Ungleichbehandlung gegenüber Konkubinatspaaren (Art. 35 AHVG)

BGE / ATF / DTF
BGE 140 I 77 · ATF 140 I 77 · DTF 140 I 77
Datum
06.12.2013
Geschäftsnummer
9C_383/2013
Abteilung
II. sozialrechtliche Abteilung
Ausgang
Abgewiesen

Tragende Normen

Art. 35 AHVG Art. 8 BV Art. 9 BV Art. 8 EMRK Art. 14 EMRK

Zusammenfassung

Ein verheirateter Mann, der seit 2003 eine maximale AHV-Altersrente bezog, focht die Kürzung seiner Rente an, nachdem seine Ehefrau das Rentenalter erreicht hatte und ihr eine Teilrente zugesprochen wurde. Die Ausgleichskasse plafonierte die Summe der beiden Renten auf 150 Prozent des Höchstbetrages. Der Beschwerdeführer rügte, diese Plafonierung stelle eine diskriminierende Ungleichbehandlung von Ehepaaren gegenüber unverheirateten Konkubinatspaaren dar, da letztere keine solche Kürzung erfahren würden. Er berief sich dabei auf das Gleichbehandlungsgebot sowie auf die Konventionsrechte zum Schutz des Familienlebens und gegen Diskriminierung.

Das Bundesgericht wies die Beschwerde ab und bestätigte die Rechtmässigkeit der Rentenplafonierung für Ehepaare gemäss Art. 35 AHVG. Das Gericht prüfte, ob die gesetzliche Begrenzung der Summe der Altersrenten von Ehegatten auf maximal 150 Prozent des Höchstbetrages eine verfassungswidrige oder konventionswidrige Diskriminierung gegenüber Konkubinatspaaren darstellt.

In der Begründung stellte das Gericht fest, dass Ehe und Konkubinat unterschiedliche Rechtswirkungen entfalten. Während die Ehe durch gegenseitige Unterhaltspflichten, Erbrechte und spezifische sozialversicherungsrechtliche Privilegien (wie Hinterlassenenrenten, Verwitwetenzuschläge, Beitragsbefreiungen und Betreuungsgutschriften) geschützt ist, fehlt dem Konkubinat eine vergleichbare gesetzliche Grundlage. In einer Gesamtbetrachtung aller Sozialversicherungszweige (AHV, IV, BVG, UVG, MVG) profitieren Ehepaare von zahlreichen Vorteilen, die Konkubinatspaaren nicht zustehen. Daher liegt keine unzulässige Benachteiligung vor, wenn bei der Altersrente eine Plafonierung angewendet wird, die beim Konkubinat entfällt. Eine einfache Aufhebung der Plafonierung für Ehepaare würde zu neuen Ungleichheiten führen, da dies nur Personen mit mittleren bis hohen Einkommen begünstigen würde, während tiefe Einkommen die Grenze ohnehin nicht erreichen.

Unter Berufung auf die Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR) hielt das Gericht fest, dass Staaten bei der Ausgestaltung von Pensionssystemen einen weiten Beurteilungsspielraum geniessen. Die Differenzierung zwischen Ehe und Konkubinat dient einem legitimen Zweck und ist verhältnismässig. Weder das Gebot der Rechtsgleichheit (Art. 8 Abs. 1 BV) noch das Willkürverbot (Art. 9 BV) sind verletzt. Ebenso verstösst die Regelung nicht gegen Art. 8 EMRK (Schutz des Familienlebens) in Verbindung mit Art. 14 EMRK (Diskriminierungsverbot), da aus dem Recht auf Achtung des Familienlebens grundsätzlich kein direkter Anspruch auf positive staatliche Leistungen abgeleitet werden kann, die über die gesetzlich vorgesehenen Regelungen hinausgehen. Die Beschwerde war somit unbegründet.

Regeste

Art. 35 AHVG; Rentenplafonierung. Die Rentenplafonierung gemäss Art. 35 AHVG führt zu einer Ungleichbehandlung von Ehepaaren und eingetragenen Partnern einerseits sowie Konkubinatspaaren anderseits. Die Schlechterstellung in Bezug auf die Höhe der Altersrente darf nicht isoliert betrachtet werden, es gibt hiefür sachliche Gründe. Auch die EMRK verbietet den Mitgliedstaaten eine unterschiedliche Behandlung von Personengruppen zur Behebung "tatsächlicher Ungleichheiten" nicht und belässt den Einzelstaaten bei der Ausgestaltung ihrer Systeme der sozialen Sicherheit einen weiten Beurteilungsspielraum. In einer (sozialversicherungs-)rechtlichen Gesamtbetrachtung privilegiert das Gesetz Ehen und eingetragene Partnerschaften in mehrfacher Hinsicht. Auch im Lichte der Rechtsprechung des EGMR bewirkt die Rentenplafonierung keine unzulässige Diskriminierung (E. 6-9). Ob sich aus der EMRK Ansprüche auf positive staatliche Leistungen ableiten lassen, ist fraglich (E. 5.3 und 10). Regeste Art. 35 LAVS; plafonnement des rentes. Le plafonnement des rentes prévu à l'art. 35 LAVS conduit à une inégalité de traitement entre les couples mariés et les partenaires enregistrés d'une part et les couples vivant en concubinage d'autre part. Le désavantage subi en lien avec le montant de la rente de vieillesse ne doit pas être considéré de façon isolée, car celui-ci répond à des motifs objectifs. La CEDH n'interdit d'ailleurs pas à un Etat membre de traiter des groupes de manière différenciée pour corriger des "inégalités factuelles" entre eux et laisse à chaque Etat contractant une large marge d'appréciation dans la manière de mettre en oeuvre son système de sécurité sociale. Si l'on se réfère à une vue d'ensemble du droit (des assurances sociales), la loi privilégie les couples mariés et les partenaires enregistrés à maints égards. Le plafonnement des rentes ne constitue ainsi pas une discrimination illicite au regard de la jurisprudence de la CourEDH (consid. 6-9). Il est douteux que l'on puisse déduire de la CEDH un droit à des prestations positives de l'Etat (consid. 5.3 et 10). Regesto Art. 35 LAVS; tetto massimo delle rendite. Il tetto massimo delle rendite secondo l'art. 35 LAVS porta a una disparità di trattamento dei coniugi e dei partner registrati da una parte, così come dei concubini dall'altra. Lo svantaggio in rapporto all'ammontare della rendita di vecchiaia non può essere considerato in maniera isolata, poiché per questo esistono dei motivi materiali. Anche la CEDU non vieta agli Stati membri un trattamento diverso di gruppi di persone per l'eliminazione delle "disparità di fatto" e lascia un ampio margine d'apprezzamento ai singoli Stati nell'organizzazione dei loro sistemi di sicurezza sociale. In una valutazione giuridica d'insieme (in materia di assicurazioni sociali) la legge privilegia i matrimoni e le unioni domestiche registrate per molti aspetti. Anche alla luce della giurisprudenza della CorteEDU il tetto massimo delle rendite non provoca alcuna discriminazione illecita (consid. 6-9). Rimane incerto se si possano derivare dalla CEDU delle pretese di prestazioni statali positive (consid. 5.3 e 10).

Originalentscheid beim Gericht ↗

Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.

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