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Justizze. Art. 81 ZPO

Bundesgericht

Streitverkündungsklage gegen Vorgänger-Revisionsstelle: Zulassung trotz fehlender materieller Begründetheit im Zwischenverfahren (Art. 81 f. ZPO)

BGE / ATF / DTF
BGE 139 III 67 · ATF 139 III 67 · DTF 139 III 67
Datum
04.02.2013
Geschäftsnummer
BGE 139 III 67
Abteilung
CH_BGE_005
Ausgang
Gutgeheissen

Tragende Normen

Art. 759 OR Art. 6 ZPO Art. 81 ZPO Art. 82 ZPO

Zusammenfassung

Eine Revisionsstelle (X. AG) wird von einer Gesellschaft in Liquidation (Y. AG) auf Schadenersatz wegen pflichtwidriger Tätigkeit geklagt. Die X. AG beantragt im Hauptprozess die Zulassung einer Streitverkündungsklage gegen ihre Vorgängerin (Z. AG), um im Falle einer Verurteilung Regress nehmen zu können. Das Handelsgericht Zürich wies das Gesuch um Zulassung der Streitverkündungsklage ab, da es einen adäquaten Kausalzusammenhang zwischen den Pflichtverletzungen beider Revisionsstellen als ausgeschlossen ansah. Die X. AG focht diesen Entscheid beim Bundesgericht an.

Das Bundesgericht heisst die Beschwerde gut und hebt den Beschluss des Handelsgerichts auf, wonach die Streitverkündungsklage zuzulassen ist.

Das Gericht stellt zunächst fest, dass für Beschwerden gegen Entscheide kantonaler Handelsgerichte kein Mindeststreitwert erforderlich ist, da Art. 74 Abs. 2 lit. b BGG keine solche Schranke kennt, wenn ein Bundesgesetz (hier die ZPO) eine einzige kantonale Instanz vorsieht. Der Streitwert dient im Handelsgerichtsverfahren primär der Bestimmung der sachlichen Zuständigkeit, nicht aber der Zulässigkeit der Beschwerde ans Bundesgericht.

In der Sache selbst kritisiert das Bundesgericht, dass die Vorinstanz den Prüfungsumfang des Zulassungsverfahrens nach Art. 82 ZPO verkannt habe. Bei der Streitverkündungsklage (Art. 81 ZPO) sei im Zwischenverfahren lediglich zu prüfen, ob ein sachlicher Zusammenhang zum Hauptklageanspruch besteht, also ob der geltend gemachte Anspruch vom Ausgang des Hauptprozesses abhängt. Eine materielle Prüfung der Begründetheit des Regressanspruchs oder der Kausalität sei unzulässig und würde das Ergebnis des Erkenntnisverfahrens vorwegnehmen. Da die X. AG einen Regressanspruch aus solidarischer Organhaftung nach Art. 759 OR geltend machte, war dieser sachliche Zusammenhang gegeben. Auch die übrigen formellen Voraussetzungen (rechtzeitige Erhebung mit der Klageantwort, ordentliches Verfahren, keine Kettenstreitverkündung) waren erfüllt. Die Argumentation der Vorinstanz, eine Pflichtverletzung der Nachfolgerin "verdränge" diejenige der Vorgängerin, hält vor Bundesrecht nicht stand, da dies eine materielle Beurteilung darstellt, die dem Erkenntnisverfahren vorbehalten bleibt.

Regeste

a Streitwert. Kein Streitwerterfordernis für Beschwerden in Zivilsachen gegen Urteile kantonaler Handelsgerichte (Art. 74 Abs. 2 lit. b BGG i.V.m. Art. 6 ZPO); Streitwert als Voraussetzung der sachlichen Zuständigkeit des Handelsgerichts gemäss Art. 6 Abs. 2 lit. b ZPO (E. 1.2). Regeste b Streitverkündungsklage. Streitverkündungsklage gemäss Art. 81 f. ZPO; Voraussetzungen und Tragweite des Zulassungsverfahrens (E. 2).

Originalentscheid beim Gericht ↗

Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.

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