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Justizze. Art. 93 BGG

Bundesgericht

Zwischenverfügung zur Gutachtensanordnung in der Unfallversicherung: Nichteintreten mangels Weiterziehbarkeit (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG)

BGE / ATF / DTF
BGE 138 V 318 · ATF 138 V 318 · DTF 138 V 318
Datum
13.08.2012
Geschäftsnummer
BGE 138 V 318
Abteilung
CH_BGE_007
Ausgang
Nichteintreten

Tragende Normen

Art. 43 ATSG Art. 93 BGG Art. 29 BV Art. 6 EMRK Art. 5 VwVG

Zusammenfassung

Eine bei der Helsana Unfall AG versicherte Person wehrte sich gegen eine Zwischenverfügung des Versicherers, mit welcher ein interdisziplinäres medizinisches Gutachten zur Abklärung von Unfallfolgen angeordnet wurde. Die Versicherte rügte die mangelnde Unabhängigkeit der vorgeschlagenen Gutachter und beantragte die Aufhebung der Verfügung sowie die Durchführung eines ordentlichen Einigungsverfahrens. Das kantonale Sozialversicherungsgericht wies die Beschwerde ab. Gegen diesen kantonalen Entscheid erhob die Versicherte Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten beim Bundesgericht und machte geltend, dass die Anordnung einer Begutachtung in der Unfallversicherung nur mittels anfechtbarer Zwischenverfügung erfolgen dürfe und die Mitwirkungsrechte verletzt seien.

Das Bundesgericht trat auf die Beschwerde nicht ein. Es stellte zunächst fest, dass die Rechtsprechungsänderung aus BGE 137 V 210, wonach die Anordnung einer Begutachtung bei Uneinigkeit als anfechtbare Zwischenverfügung zu erlassen ist, auch für die Unfallversicherung gilt. Dies folgt aus dem Fairnessgebot und der prozessualen Chancengleichheit nach Art. 29 Abs. 1 und 2 BV sowie Art. 6 Ziff. 1 EMRK, da auch im System der Unfallversicherung eine latente Ungleichheit zwischen Versicherer und Versichertem besteht. Die einschlägigen Verfahrensbestimmungen der Art. 43 ff. ATSG gelten in beiden Versicherungszweigen gleichermassen.

In der Folge prüfte das Gericht die Zulässigkeit der Weiterziehung an das Bundesgericht. Gestützt auf Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG entschied es, dass kantonale Entscheide über Beschwerden gegen solche Zwischenverfügungen der Unfallversicherer grundsätzlich nicht ans Bundesgericht weitergezogen werden können. Eine Ausnahme besteht nur dann, wenn im kantonalen Verfahren formelle Ausstandsgründe beurteilt wurden. Im vorliegenden Fall hatte die Versicherte die Ablehnung der Sachverständigen jedoch lediglich mit strukturellen Umständen begründet, wie sie in BGE 137 V 210 behandelt wurden, und das kantonale Gericht hatte keine formellen Ausstandsgründe geprüft. Da diese Voraussetzungen für die Weiterziehbarkeit nicht erfüllt waren, war auf die Beschwerde nicht einzutreten.

Regeste

Art. 29 Abs. 1 und 2 BV; Art. 6 Ziff. 1 EMRK; Art. 43 Abs. 1 ATSG; Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG; Anordnung einer Begutachtung in der Unfallversicherung; Weiterziehbarkeit ans Bundesgericht. Auch im Bereich der Unfallversicherung ist eine Begutachtung (in Abänderung der Rechtsprechung von BGE 132 V 93) bei Uneinigkeit durch eine beim kantonalen Versicherungsgericht (bzw. Bundesverwaltungsgericht) anfechtbare Zwischenverfügung anzuordnen und stehen der versicherten Person vorgängige Mitwirkungsrechte in dem Sinne zu, dass sie sich zu den Gutachterfragen äussern kann. Die dabei zu beachtenden Modalitäten richten sich sinngemäss nach BGE 137 V 210 E. 3.4.2.9 S. 258 (E. 6.1). Wie in BGE 138 V 271 für die Invalidenversicherung entschieden, können auch im Bereich der Unfallversicherung kantonale Entscheide bzw. solche des Bundesverwaltungsgerichts über Beschwerden gegen (Zwischen)Verfügungen der Unfallversicherer betreffend Gutachtensanordnung nicht ans Bundesgericht weitergezogen werden, sofern nicht formelle Ausstandsgründe beurteilt worden sind, und kann die formelle Ablehnung eines Sachverständigen regelmässig nicht allein mit strukturellen Umständen begründet werden, wie sie in BGE 137 V 210 behandelt worden sind (E. 6.2). Regeste Art. 29 al. 1 et 2 Cst.; art. 6 par. 1 CEDH; art. 43 al. 1 LPGA; art. 93 al. 1 let. a LTF; ordonnance d'une expertise en matière d'assurance-accidents; possibilité de déférer la décision au Tribunal fédéral. Dans le domaine de l'assurance-accidents également (changement de la jurisprudence développée dans l'arrêt ATF 132 V 93), il faut ordonner une expertise en cas de désaccord par le biais d'une décision incidente sujette à recours auprès du tribunal cantonal des assurances (respectivement du Tribunal administratif fédéral), et la personne assurée bénéficie des droits de participation antérieurs en ce sens qu'elle peut s'exprimer sur les questions posées à l'expert. Les modalités à respecter se déterminent selon l'arrêt ATF 137 V 210 consid. 3.4.2.9 p. 258 appliqué par analogie (consid. 6.1). A l'instar de ce qui a été décidé pour l'assurance-invalidité dans l'arrêt ATF 138 V 271, en matière d'assurance-accidents, les jugements cantonaux, respectivement ceux du Tribunal administratif fédéral, rendus sur recours contre les décisions incidentes de l'assureur-accidents concernant la mise en oeuvre d'expertises, ne peuvent pas être déférées au Tribunal fédéral, à moins qu'il n'ait été statué sur des motifs formels de récusation, et la récusation formelle d'un expert ne peut en principe pas être justifiée seulement par des circonstances structurelles comme elles ont été traitées dans l'arrêt ATF 137 V 210 (consid. 6.2). Regesto Art. 29 cpv. 1 e 2 Cost.; art. 6 n. 1 CEDU; art. 43 cpv. 1 LPGA; art. 93 cpv. 1 lett. a LTF; disposizione di una perizia in materia di assicurazione infortuni; possibilità di deferire la decisione al Tribunale federale. Anche nell'ambito dell'assicurazione infortuni, una perizia (in cambiamento della giurisprudenza stabilita in DTF 132 V 93) deve, in caso di disaccordo, essere ordinata mediante una decisione incidentale impugnabile al tribunale cantonale delle assicurazioni (rispettivamente al Tribunale amministrativo federale), alla persona assicurata spettando inoltre i diritti di partecipazione nel senso che può preventivamente esprimersi in merito alle domande da sottoporre al perito. Le modalità da ossequiare sono determinate per analogia dalla DTF 137 V 210 consid. 3.4.2.9 pag. 258 (consid. 6.1). Come stabilito in DTF 138 V 271 per l'assicurazione invalidità, anche nell'ambito dell'assicurazione infortuni i giudizi cantonali rispettivamente quelli del Tribunale amministrativo federale su ricorsi contro decisioni (incidentali) degli assicuratori infortuni concernenti l'allestimento di perizie non sono deferibili al Tribunale federale, nella misura in cui non sono stati esaminati motivi formali di ricusazione; il rifiuto formale di un perito non può inoltre di regola essere motivato unicamente da circostanze strutturali, come sono state trattate in DTF 137 V 210 (consid. 6.2).

Originalentscheid beim Gericht ↗

Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.

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