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Justizze. Art. 50 BV

Bundesgericht

Gemeinde setzt 'Public Voting' als Zuschlagskriterium: Verletzung der Gemeindeautonomie, Rückweisung an Vorinstanz (Art. 50 Abs. 1 BV)

BGE / ATF / DTF
BGE 138 I 143 · ATF 138 I 143 · DTF 138 I 143
Datum
25.01.2012
Geschäftsnummer
2C_770/2011
Abteilung
II. Öffentlich-rechtliche Abteilung
Ausgang
Rückweisung

Tragende Normen

Art. 34 BV Art. 50 BV Art. 6 BöB Art. 33 SubmV

Zusammenfassung

Die Gemeinde X.________ schrieb im Einladungsverfahren Projektstudien für den Neubau ihres Gemeindehauses aus. Sie nutzte ein anonymisiertes 'Public Voting', bei dem Stimmbürger ihre bevorzugte Studie wählten, als Zuschlagskriterium mit 10% Gewichtung. Die Y.________ AG/Z.________ gmbh erhielt zwar im Voting weniger Punkte als die A.________ AG, lag aber ohne dieses Kriterium auf Platz 1. Das Verwaltungsgericht hob den Zuschlag auf und wies die Sache zurück, um der Y.________ den Auftrag zu erteilen, da das 'Public Voting' als sachfremd und unzulässig erachtet wurde. Die Gemeinde focht diesen Entscheid beim Bundesgericht an.

Das Bundesgericht heisst die Beschwerde der Gemeinde gut und weist die Sache zur neuen Beurteilung an das Verwaltungsgericht zurück. Es hält fest, dass die Vorinstanz die Gemeindeautonomie verletzt hat, indem sie das Kriterium 'Public Voting' pauschal als unzulässig qualifizierte.

In materieller Hinsicht prüft das Gericht die Zulässigkeit des Zuschlagskriteriums im Lichte der Gemeindeautonomie (Art. 50 Abs. 1 BV i.V.m. Art. 85 der Kantonsverfassung Zürich). Da der geplante Neubau dem Referendum unterliegt, ist die Akzeptanz der Bevölkerung ein relevanter Faktor für die Wirtschaftlichkeit und Zweckmässigkeit des Projekts. Ein Projekt, das in der Volksabstimmung scheitern würde, wäre unwirtschaftlich, da die Kosten für die Ausarbeitung vergebens wären. Das 'Public Voting' dient hier nicht als bindende Abstimmung, sondern als konsultatives Mitwirkungsverfahren, um diese Akzeptanz frühzeitig zu prüfen. Dies steht im Einklang mit der politischen Freiheit der Stimmabgabe (Art. 34 Abs. 2 BV), wonach Stimmbürger ohne Begründungspflicht entscheiden. Das Kriterium darf jedoch nur ein relativ geringes Gewicht haben, da es nur eine grobe Einschätzung ermöglicht.

Prozessual war die Beschwerde zulässig, da der Auftragswert den Schwellenwert von Fr. 230'000.-- überschritt (Art. 6 Abs. 1 lit. b BöB) und eine Rechtsfrage von grundsätzlicher Bedeutung vorlag (Art. 83 lit. f BGG), da die Frage des 'Public Votings' höchstrichterlich noch nicht geklärt war. Die Gemeinde war als Beschwerdeführerin legitimiert (Art. 89 Abs. 1 BGG), da sie in ihren hoheitlichen Rechten betroffen war. Der angefochtene Rückweisungsentscheid wurde als Endentscheid behandelt (Art. 90 BGG), weil das Verwaltungsgericht der Gemeinde keinen Ermessensspielraum liess.

Die Gerichtskosten von Fr. 3'000.-- wurden den Beschwerdegegnerinnen auferlegt. Eine Parteientschädigung wurde der obsiegenden Gemeinde nicht zugesprochen, da sie in ihrem Wirkungskreis obsiegt hat (Art. 68 Abs. 3 BGG).

Regeste

Art. 50 Abs. 1 BV, Art. 83 lit. f, Art. 89 Abs. 1 und Art. 90 BGG, Art. 6 BöB und kantonalzürcherisches Vergaberecht, Art. 85 KV/ZH; Beschwerdebefugnis der Gemeinde, Gemeindeautonomie, Zulässigkeit des Kriteriums "Public Voting". Das Bundesgericht bejaht im konkreten Fall die Voraussetzungen, unter denen die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten auf dem Gebiet der öffentlichen Beschaffungen zulässig ist (Schwellenwert, Rechtsfrage von grundsätzlicher Bedeutung), das Vorliegen eines Endentscheids trotz Rückweisung, und es erachtet die beschwerdeführende Gemeinde als hierzu legitimiert (E.1.1-1.3). Kognition des Bundesgerichts (E. 2.). Autonomie der zürcherischen Gemeinden im öffentlichen Beschaffungswesen (E. 3). Beim so genannten "Public Voting" wählen interessierte Bürgerinnen und Bürger unter öffentlich aufgelegten Projektstudien ihr bevorzugtes Projekt aus, hier für die Erstellung eines Gemeindehauses. Zwar kann dies nicht mit einer Volksabstimmung gleichgesetzt werden und wird dadurch nur eine grobe Einschätzung der Akzeptanz einer Projektstudie bei der Bevölkerung ermöglicht. Dennoch erscheint es zweckmässig, dass die Behörde den Willen der Bevölkerung bereits für die Ausarbeitung des Vorprojekts in angemessener Weise berücksichtigt. Es verletzt die Gemeindeautonomie, wenn die kantonale Rechtsmittelinstanz das Zuschlagskriterium "Public Voting" für grundsätzlich unzulässig erklärt (E. 4.1-4.4). Regeste Art. 50 al. 1 Cst., art. 83 let. f, art. 89 al. 1 et art. 90 LTF, art. 6 LMP et loi cantonale zurichoise sur les marchés publics, art. 85 Cst./ZH; qualité pour recourir d'une commune, autonomie communale, admissibilité du critère du "public voting". Le Tribunal fédéral a admis en l'espèce la réalisation des conditions prévues pour former un recours en matière de droit public dans le domaine des marchés publics (valeur litigieuse, question juridique de principe), l'existence d'une décision finale malgré le renvoi de la cause et la qualité pour recourir de la commune concernée (consid. 1.1-1.3). Pouvoir d'examen du Tribunal fédéral (consid. 2). Autonomie des communes zurichoises en matière de marchés publics (consid. 3). Le "public voting" consiste à faire choisir aux citoyens intéressés par un projet, comme ici la construction d'une maison de commune, celui qu'ils préfèrent parmi les avant-projets qui leur sont soumis. Cela ne peut certes pas être assimilé à une votation populaire et ne permet d'estimer qu'approximativement quelle est l'acceptation d'un projet par la population. Il apparaît néanmoins adéquat que les autorités puissent tenir compte de manière appropriée de la volonté populaire déjà lors de l'élaboration d'un avant-projet. Une autorité cantonale de recours considérant par principe le critère d'adjudication du "public voting" comme inadmissible viole l'autonomie communale (consid. 4.1-4.4). Regesto Art. 50 cpv. 1 Cost., art. 83 lett. f, art. 89 cpv. 1 e art. 90 LTF, art. 6 LAPub e legge cantonale zurighese sugli acquisti pubblici, art. 85 Cost./ZH; legittimazione ricorsuale di un Comune, autonomia comunale, ammissibilità del criterio del "public voting". Nel caso concreto il Tribunale federale ha ammesso l'adempimento dei criteri esatti per potere proporre un ricorso in materia di diritto pubblico in ambito di acquisiti pubblici (valore soglia, questione di diritto d'importanza fondamentale), l'esistenza di una decisione finale malgrado il rinvio della causa e la legittimazione ricorsuale del Comune interessato (consid. 1.1-1.3). Potere d'esame del Tribunale federale (consid. 2). Autonomia dei Comuni zurighesi in materia di acquisti pubblici (consid. 3). Il cosiddetto "public voting" consiste nel fare scegliere ai cittadini interessati quello che preferiscono tra i progetti preliminari loro sottoposti, nella fattispecie concernente la costruzione di una casa comunale. Certo, tale modo di procedere non può essere equiparato ad una votazione popolare e permette solo di stimare in modo approssimativo l'accettazione di un progetto da parte della popolazione. Appare comunque adeguato che le autorità possano considerare la volontà popolare in modo appropriato già quando viene elaborato un progetto preliminare. Un'autorità cantonale di ricorso che giudica di principio inammissibile il criterio di aggiudicazione del "public voting" disattende l'autonomia comunale (consid. 4.1-4.4).

Originalentscheid beim Gericht ↗

Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.

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