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Justizze. Art. 17 ATSG

Bundesgericht

Invalidenrente: Geringfügige Änderung statistischer Lohnwerte begründet keine Revision trotz Schwellenwertüberschreitung (Art. 17 Abs. 1 ATSG)

BGE / ATF / DTF
BGE 133 V 545 · ATF 133 V 545 · DTF 133 V 545
Datum
24.08.2007
Geschäftsnummer
BGE 133 V 545
Abteilung
CH_BGE_007
Ausgang
Abgewiesen

Tragende Normen

Art. 17 ATSG Art. 28 IVG Art. 41 IVG

Zusammenfassung

Eine versicherte Person beantragt die Revision ihrer Invalidenrente der IV-Stelle Luzern, weil sich ihr Invaliditätsgrad aufgrund aktualisierter Tabellenlöhne der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) leicht erhöht hat. Die neue Berechnung ergibt einen Invaliditätsgrad von 59,7 % gegenüber bisher 59,45 %, was nach Rundungsregeln zum Anspruch auf eine Dreiviertelsrente statt einer halben Rente führen würde. Der Anstieg resultiert ausschliesslich aus externen statistischen Anpassungen der LSE-Daten zwischen 2002 und 2004 sowie einer geänderten Umrechnung der Arbeitsstunden, nicht aus einer Veränderung des Gesundheitszustands oder der individuellen Erwerbssituation der versicherten Person.

Das Bundesgericht weist die Beschwerde ab, da geringfügige Änderungen allgemeiner statistischer Daten, die ausserhalb des persönlichen Umfelds der versicherten Person liegen, keine Revision der Invalidenrente rechtfertigen, selbst wenn dadurch ein rentenwirksamer Schwellenwert über- oder unterschritten wird. Gemäss Art. 17 Abs. 1 ATSG setzt eine Revision eine erhebliche Änderung des Invaliditätsgrades voraus, wobei das Revisionsinstitut sinnvollerweise auf Änderungen in den persönlichen Verhältnissen wie Gesundheit oder individuelle Erwerbsfaktoren zugeschnitten ist. Im vorliegenden Fall beruht die Änderung des Invaliditätsgrades allein auf der Entwicklung der statistischen LSE-Tabellenlöhne TA1 für Frauen im Anforderungsniveau 4, die zwischen 2002 und 2004 weniger stark zunahmen als der Nominallohnindex, sowie auf einer Reduktion der umgerechneten Stunden von 41,7 auf 41,6. Solche rein extern verursachten Veränderungen spiegeln allgemeine wirtschaftliche Entwicklungen wider, mit denen Gesunde wie Invalide stets rechnen müssen, und stellen keine persönliche Änderung dar.

Zudem würde eine Anerkennung solcher statistischer Schwankungen als Revisionsgrund zu einem unverhältnismässigen administrativen Aufwand führen, da alle zwei Jahre beim Erscheinen neuer LSE-Werte sämtliche Renten im Grenzbereich eines Schwellenwertes überprüft werden müssten. Eine selektive Überprüfung nur bei besonderem Anlass oder auf Antrag würde hingegen die Gefahr einer rechtsungleichen Behandlung bergen. Das Gericht präzisiert daher seine Rechtsprechung dahingehend, dass geringfügige Änderungen statistischer Daten ohne Bezug zur persönlichen Situation der versicherten Person weder zur Begründung noch zur Erhöhung, Reduktion oder Aufhebung eines Rentenanspruchs führen können. Dies gilt unabhängig davon, ob die Änderung im Einzelfall zu Gunsten oder zu Ungunsten der versicherten Person wirkt, da dies im Interesse einer praktikablen Handhabung hinzunehmen ist.

Regeste

Art. 17 Abs. 1 ATSG; Art. 41 IVG (in Kraft gestanden bis 31. Dezember 2002); Art. 28 Abs. 1 IVG: Revisionsvoraussetzung eines erheblich geänderten Invaliditätsgrades. Bei den Renten der Invalidenversicherung kann auch eine geringfügige Änderung des Sachverhalts Anlass zu einer Revision geben, sofern sie zu einer Über- oder Unterschreitung eines Schwellenwertes führt (E. 6 mit Hinweisen auf Lehre und Rechtsprechung). Die Revision betrifft Änderungen in den persönlichen Verhältnissen der versicherten Person (gesundheitliche Umstände, erwerbliche Faktoren). Geringfügige Änderungen statistischer Daten führen dagegen nicht zu einer Revision von Invalidenrenten, selbst wenn durch solche Veränderungen ein Schwellenwert über- oder unterschritten wird (Präzisierung der Rechtsprechung; E. 7). Regeste Art. 17 al. 1 LPGA; art. 41 LAI (dans sa teneur en vigueur jusqu'au 31 décembre 2002); art. 28 al. 1 LAI: Notion de modification notable du degré d'invalidité comme condition de révision de la rente. Dans le domaine de l'assurance-invalidité, une modification peu importante de l'état de fait déterminant peut donner lieu à une révision de la rente, dans la mesure où elle justifie le passage à un échelon de rente différent (consid. 6; aperçu de la doctrine et de la jurisprudence). La révision porte sur des circonstances liées spécifiquement à la personne de l'assuré (état de santé ou circonstances économiques). En revanche, une modification peu importante des données statistiques ne conduit pas à une revision de la rente d'invalidité, même si elle entraîne le passage à un échelon de rente différent (précision de la jurisprudence; consid. 7). Regesto Art. 17 cpv. 1 LPGA; art. 41 LAI (in vigore fino al 31 dicembre 2002); art. 28 cpv. 1 LAI: A proposito della notevole modifica del grado d'invalidità quale condizione di revisione. Per le rendite dell'assicurazione invalidità, anche una modifica di poco conto nello stato di fatto determinante può dare luogo a una revisione se tale modifica determina un superamento (per eccesso o per difetto) di una soglia minima (consid. 6 con riferimenti a dottrina e giurisprudenza). La revisione si occupa di modifiche nella situazione personale della persona assicurata (stato di salute, fattore economico). Modifiche di poco conto dei dati statistici non giustificano per contro una revisione di una rendita d'invalidità, nemmeno se a seguito di queste modifiche il valore soglia viene superato (per eccesso o per difetto; precisazione della giurisprudenza; consid. 7).

Originalentscheid beim Gericht ↗

Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.

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