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Justizze. Art. 4 ANAG

Bundesgericht

Lesbisches Paar unterschiedlicher Nationalität: Verweigerung Aufenthaltsbewilligung gerechtfertigt, da Leben in Neuseeland zumutbar (Art. 8 Ziff. 2 EMRK, Art. 4 ANAG)

BGE / ATF / DTF
BGE 126 II 425 · ATF 126 II 425 · DTF 126 II 425
Datum
25.08.2000
Geschäftsnummer
BGE 126 II 425
Ausgang
Abgewiesen

Tragende Normen

Art. 4 ANAG Art. 13 BV Art. 36 BV Art. 8 EMRK

Zusammenfassung

Die Schweizerin P. und die neuseeländisch-britische Doppelbürgerin C. führen seit 1994 eine gleichgeschlechtliche Partnerschaft. Nach einer gemeinsamen Wohnphase in Neuseeland kehrte P. 1997 in die Schweiz zurück, wo sie eine Teilzeitstelle fand und eine Praxis aufbaute. C. hielt sich während der bewilligungsfreien Zeiträume bei ihr auf. Ein Gesuch von C. um eine Einreise- und Aufenthaltsbewilligung zur erwerbslosen Wohnsitznahme wurde von den Zürcher Behörden abgewiesen. Die Vorinstanzen wiesen die Beschwerde unter Hinweis auf das öffentliche Interesse an der Begrenzung der Ausländerzahl und die Zumutbarkeit eines Lebens in Neuseeland ab.

Das Bundesgericht tritt auf die Verwaltungsgerichtsbeschwerde ein, weil die Verweigerung einer Aufenthaltsbewilligung an einen gleichgeschlechtlichen Partner unter bestimmten Umständen das Recht auf Privatleben nach Art. 8 Ziff. 1 EMRK und Art. 13 Abs. 1 BV berühren kann. Dies setzt jedoch eine nahe, echte und tatsächlich gelebte Beziehung voraus.

Im vorliegenden Fall liegt eine solche qualifizierte Beziehung vor, da die Beschwerdeführerinnen seit annähernd sechs Jahren in einer stabilisierten Partnerschaft leben und sich gegenseitig integriert haben. Der Eingriff in ihr Privatleben durch die Bewilligungsverweigerung ist jedoch gemäss Art. 8 Ziff. 2 EMRK und Art. 36 BV gerechtfertigt. Die Massnahme stützt sich auf Art. 4 ANAG und dient legitimen Zielen wie dem Schutz vor Überfremdung und der Wahrung des arbeitsmarktlichen Gleichgewichts.

Entscheidend für die Verhältnismässigkeitsprüfung ist, dass es den Beschwerdeführerinnen zumutbar und rechtlich möglich ist, ihre Beziehung weiterhin in Neuseeland zu führen, wo sie bereits 20 Monate gemeinsam lebten und familiäre Akzeptanz erfuhren. Dass P. in der Schweiz bessere Berufsaussichten hat und ihre kranke Mutter pflegen möchte, ändert nichts daran, dass keine spezifischen Gründe vorliegen, die eine dauerhafte Niederlassung in der Schweiz zwingend gebieten würden. Gemeinsame Besuche in der Schweiz bleiben möglich. Das Ermessen der kantonalen Behörden wurde daher nicht verletzt.

Regeste

Art. 8 in Verbindung mit Art. 14 EMRK; Art. 8, Art. 13 Abs. 1, Art. 14 und Art. 36 BV; Art. 4 ANAG; Art. 100 Abs. 1 lit. b Ziff. 3 OG; Anspruch eines gemischtnationalen, lesbischen Paares, seine Beziehung in der Schweiz leben zu können. Gleichgeschlechtliche Partnerschaften stellen kein Familienleben im Sinne von Art. 8 EMRK bzw. Art. 13 Abs. 1 BV dar (E. 4b); die Verweigerung einer fremdenpolizeilichen Bewilligung an den ausländischen Partner kann unter gewissen Umständen aber das Recht der Betroffenen auf Privatleben berühren und das Ermessen der Bewilligungsbehörde gemäss Art. 4 ANAG beschränken (E. 4c; Änderung der Rechtsprechung). Das Bundesgericht tritt auf die Verwaltungsgerichtsbeschwerde der in einer stabilisierten, sechsjährigen Partnerschaft lebenden Beschwerdeführerinnen ein (E. 4d), erachtet den mit der Verweigerung der Bewilligung verbundenen Eingriff in ihr Privatleben indessen als im Sinne von Art. 8 Ziff. 2 EMRK bzw. Art. 36 BV gerechtfertigt (E. 5). Regeste Art. 8 en relation avec l'art. 14 CEDH; art. 8, 13 al. 1, 14 et 36 Cst.; art. 4 LSEE; art. 100 al. 1 lettre b ch. 3 OJ; droit d'un couple de lesbiennes de nationalité différente à pouvoir vivre sa relation en Suisse. La vie commune entre partenaires de même sexe n'est pas une vie familiale au sens de l'art. 8 CEDH, respectivement 13 al. 1 Cst. (consid. 4b); le refus d'accorder une autorisation de séjour au partenaire étranger peut toutefois, à certaines conditions, porter atteinte au droit à la vie privée et limiter le pouvoir de décision de l'autorité cantonale sous l'angle de l'art. 4 LSEE (consid. 4c; changement de jurisprudence). Le Tribunal fédéral est entré en matière sur le recours de droit administratif de deux recourantes qui vivaient ensemble depuis six ans (consid. 4d); il a cependant estimé que l'atteinte à la vie privée, liée au refus de l'autorisation, se justifiait sous l'angle des art. 8 par. 2 CEDH et 36 Cst. (consid. 5). Regesto Art. 8 in relazione con l'art. 14 CEDU; art. 8, art. 13 cpv. 1, art. 14 e art. 36 Cost.; art. 4 LDDS; art. 100 cpv. 1 lett. b n. 3 OG; diritto di una coppia di lesbiche di nazionalità diversa di poter vivere la sua relazione in Svizzera. La vita comune di partner del medesimo sesso non costituisce una vita familiare ai sensi dell'art. 8 CEDU, rispettivamente dell'art. 13 cpv. 1 Cost. (consid. 4b); il rifiuto di rilasciare un permesso di dimora al partner straniero può tuttavia, a determinate condizioni, concernere il diritto alla vita privata e limitare il potere decisionale dell'autorità cantonale dal profilo dell'art. 4 LDDS (consid. 4c; cambiamento di giurisprudenza). Il Tribunale federale è entrato nel merito di un ricorso di diritto amministrativo presentato da due ricorrenti che vivevano da sei anni una relazione stabile (consid. 4d); ha tuttavia ritenuto che l'ingerenza nella vita privata della coppia, connessa al rifiuto dell'autorizzazione, era giustificata alla luce degli art. 8 n. 2 CEDU, rispettivamente 36 Cost. (consid. 5).

Originalentscheid beim Gericht ↗

Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.

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