Justizze.

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Justizze. Art. 2 ZGB

Bundesgericht

Erben streiten über Bindungswirkung eines Teilungsvertrags aus dem Jahr 1972 und Rechtsmissbrauch bei Verjährungseinrede im Erbteilungsverfahren (Art. 2 Abs. 2 ZGB)

Datum
12.04.2024
Geschäftsnummer
5A 656/2023
Ausgang
Abgewiesen

Tragende Normen

Art. 42 BGG Art. 46 BGG Art. 72 BGG Art. 74 BGG Art. 75 BGG Art. 76 BGG Art. 90 BGG Art. 95 BGG Art. 97 BGG Art. 100 BGG Art. 105 BGG Art. 106 BGG Art. 9 BV Art. 29 BV Art. 2 ZGB Art. 8 ZGB Art. 602 ZGB Art. 778 ZGB

Zusammenfassung

Die Rechtsnachfolger des ältesten Sohns des 1939 verstorbenen Erblassers L.________ erhoben Klage auf Erbteilung. Die anderen Erben beriefen sich auf einen Partial-Teilungsvertrag vom 7. März 1991 und erhoben Verjährungseinrede, da die darin geregelten Ansprüche seit dem 8. März 2001 verjährt seien. Die Kläger argumentierten, bereits der Teilungsvertrag vom 7. April 1972 sei bindend und die Verjährungseinrede daher rechtsmissbräuchlich. Das Bezirksgericht und das Kantonsgericht Luzern wiesen die Klage ab. Gegen diesen Entscheid erhoben die Kläger Beschwerde ans Bundesgericht.

Das Bundesgericht verwirft die Beschwerde. Es stellt fest, dass die Beschwerdeführer vor der Vorinstanz die Qualifikation der Vereinbarung vom 7. April 1972 als reine Absichtserklärung nicht angefochten haben; die Vorinstanz durfte daher diese Frage nicht weiter prüfen. Damit entfällt die Grundlage für den Hauptantrag auf Abweisung der Erbteilungsklage. Für den Eventualantrag zur Rechtsmissbräuchlichkeit der Verjährungseinrede prüft das Bundesgericht, ob die Beschwerdegegner während der Verjährungsfrist (bis 8. März 2001) ein Verhalten an den Tag gelegt haben, das die Beschwerdeführer davon abhielt, rechtliche Schritte einzuleiten. Es stellt fest, dass die Beschwerdeführer keine konkreten Handlungen, Aussagen oder Schreiben aus diesem Zeitraum nachweisen können, die vertrauensbildend gewesen wären. Die blosse Passivität der Miterben, die einvernehmliche Mitwirkung am Verkauf abparzellierter Grundstücke und die Entgegennahme des Verkaufserlöses nach Erbquoten genügen nicht für die Annahme eines Rechtsmissbrauchs. Auch die Kostentragung für Haus und Hof durch N.________ und seine Rechtsnachfolger entspricht Art. 778 Abs. 1 ZGB und begründet kein Vertrauen in die vertragliche Umsetzung des Partialerbteilungsvertrags von 1991. Der Mutationsplan aus dem Jahr 1989 und dessen Löschung im Jahr 2004 sind ebenfalls nicht geeignet, ein vertrauensbildendes Verhalten während der Verjährungsfrist zu belegen. Damit verneint das Bundesgericht den Rechtsmissbrauch gemäss Art. 2 Abs. 2 ZGB. Die Beschwerde wird abgewiesen. Die Beschwerdeführer tragen die Gerichtskosten von Fr. 35'000.-- unter solidarischer Haftung. Dieses Urteil ist bemerkenswert, weil es klarmacht, dass die bloße Nichterhebung einer Verjährungseinrede vor Prozessbeginn noch keinen Rechtsmissbrauch begründet und dass die Annahme eines Rechtsmissbrauchs stets eine konkrete, nachweisbare Verhaltensweise des Schuldners voraussetzt, die den Gläubiger objektiv davon abhält, innerhalb der Verjährungsfrist zu handeln.

Regeste

Erbteilung | Erbrecht

Originalentscheid beim Gericht ↗

Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.

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