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Justizze. Art. 40 MedBG

Bundesgericht

Arzt offenbart Patientendaten in Zivilklage ohne Entbindung: Disziplinarbusse rechtmässig, Rechtsweggarantie nicht verletzt (Art. 321 StGB, Art. 40 lit. f MedBG)

Datum
05.08.2026
Geschäftsnummer
2C_460/2025
Abteilung
II. Öffentlich-rechtliche Abteilung
Ausgang
Abgewiesen

Tragende Normen

Art. 106 BGG Art. 29a BV Art. 40 MedBG Art. 43 MedBG Art. 321 StGB

Zusammenfassung

Ein Facharzt mit Berufsausübungsbewilligung des Kantons Zug reichte im Dezember 2023 eine zivilrechtliche Genugtuungsklage gegen einen nachbehandelnden Kollegen beim Bezirksgericht Meilen ein. In der Klageschrift nannte er namentlich einen ehemaligen Patienten und reichte ein nicht anonymisiertes medizinisches Gutachten ein, das detaillierte Gesundheitsdaten sowie Aussagen des Patienten enthielt. Die kantonale Gesundheitsdirektion verweigerte zuvor eine Entbindung vom Berufsgeheimnis; dieser Entscheid wurde unangefochten rechtskräftig. Aufgrund der Offenbarung verhängte die Behörde eine Disziplinarbusse von 500 Franken wegen Verletzung der ärztlichen Schweigepflicht. Das Verwaltungsgericht wies die Beschwerde ab. Der Arzt rügt vor Bundesgericht die Verletzung des Berufsgeheimnisses und der Rechtsweggarantie, da er zur Widerlegung ehrverletzender Vorwürfe auf die Daten angewiesen gewesen sei.

Das Bundesgericht weist die Beschwerde ab, soweit darauf eingetreten wird. Der Beschwerdeführer hat durch die Einreichung einer nicht anonymisierten Klageschrift und eines detaillierten medizinischen Gutachtens beim Bezirksgericht Meilen Tatsachen offengelegt, die vom Berufsgeheimnis erfasst sind, insbesondere das Behandlungsverhältnis und den Gesundheitszustand des ehemaligen Patienten. Eine Rechtfertigung gemäss Art. 321 Ziff. 2 StGB liegt nicht vor, da weder eine Einwilligung des Patienten noch eine Bewilligung der Aufsichtsbehörde vorlag.

Die Argumentation des Beschwerdeführers, sein eigenes Interesse an der Beweisführung habe das Geheimhaltungsinteresse überwogen, greift nicht. Da er den ablehnenden Entbindungsentscheid der Gesundheitsdirektion vom 19. Dezember 2023 nicht angefochten hat, muss er sich die darin vorgenommene Interessenabwägung entgegenhalten lassen. Es steht einem Arzt nicht zu, sich eigenmächtig über die Geheimnispflicht hinwegzusetzen. Auch die blosse Geltendmachung von Haftungsansprüchen durch den Patienten begründet keine konkludente Einwilligung in die Offenbarung gegenüber Dritten ausserhalb dieses Verfahrens. Die ärztliche Schweigepflicht besteht gemäss Art. 321 Ziff. 1 Abs. 3 StGB auch nach Beendigung der Berufsausübung fort.

Hinsichtlich der gerügten Verletzung der Rechtsweggarantie nach Art. 29a BV hält das Gericht fest, dass das Bundesrecht für die Offenbarung von Berufsgeheimnissen in Zivilverfahren keine Ausnahme vorsieht. Der Gesetzgeber hat dem Spannungsfeld durch das Institut der Entbindung vom Berufsgeheimnis Rechnung getragen. Hätte der Beschwerdeführer das Gutachten anonymisiert eingereicht oder den Entbindungsentscheid erfolgreich bekämpft, wäre sein Rechtsschutz gewahrt gewesen. Die Rüge genügt zudem teilweise nicht den Anforderungen der qualifizierten Begründungspflicht nach Art. 106 Abs. 2 BGG. Die Disziplinarbusse von 500 Franken gestützt auf Art. 43 Abs. 1 MedBG i.V.m. Art. 40 lit. f MedBG ist somit rechtmässig. Dem unterliegenden Beschwerdeführer werden die Gerichtskosten von 2'000 Franken auferlegt.

Originalentscheid beim Gericht ↗

Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.

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