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Justizze. Art. 22 RPG

Bundesgericht

Mobilfunkanlage in Arbeitszone: Zonenkonformität ohne Alternativprüfung, Elektrosensibilität irrelevant (Art. 22 Abs. 2 lit. a RPG)

Datum
24.08.2026
Geschäftsnummer
1C_19/2025
Abteilung
I. Öffentlich-rechtliche Abteilung
Ausgang
Abgewiesen

Tragende Normen

Art. 109 BGG Art. 22 RPG Art. 8 USG

Zusammenfassung

Ein Grundeigentümer in Tuttwil erhebt Beschwerde gegen die Baubewilligung für eine neue Mobilfunkanlage der Swisscom auf einem benachbarten Gewerbeareal in der Arbeitszone Aa. Er rügt die fehlende Prüfung von Alternativstandorten ausserhalb der Bauzone, ungenügende Berücksichtigung von Reflexionswirkungen und Kombinationsimmissionen mit einer Hochspannungsleitung sowie eine Beeinträchtigung seines Wohlbefindens aufgrund eigener Elektrosensibilität trotz Einhaltung der Grenzwerte der Verordnung über den Schutz vor nichtionisierender Strahlung (NISV). Zudem macht er eine Verletzung des Ortsbildschutzes geltend, da die Antenne von einem geschützten Dorfteil sichtbar sei.

Das Bundesgericht weist die Beschwerde ab, soweit darauf eingetreten wird. Die geplante Mobilfunkanlage ist in der Arbeitszone Aa zonenkonform, da sie eine unmittelbare Beziehung zum Standort hat und das umliegende Siedlungsgebiet versorgt; für Anlagen innerhalb der Bauzone sind weder ein Bedürfnisnachweis noch eine Prüfung von Alternativstandorten oder eine umfassende Interessenabwägung erforderlich, solange keine ISOS-geschützten Bauten beeinträchtigt werden. Dies entspricht der ständigen Rechtsprechung zu Art. 22 Abs. 2 lit. a RPG.

Hinsichtlich des Immissionsschutzes verletzt die Vorinstanz kein Bundesrecht, wenn sie auf ein Sachverständigengutachten zur Zusammenwirkung unterschiedlicher Immissionen verzichtet. Gemäss Art. 8 USG wurden die Grenzwerte der NISV unter Berücksichtigung des Zusammenwirkens festgelegt. Da wissenschaftliche Erkenntnisse zu Kombinationswirkungen von nieder- und hochfrequenter Strahlung fehlen, durfte der Verordnungsgeber strenge vorsorgliche Emissionsbegrenzungen anordnen. Auch Reflexionen können rechnerisch nicht erfasst werden; dem wird durch angeordnete Abnahmemessungen nach Inbetriebnahme Rechnung getragen.

Die Rüge der Elektrosensibilität ist offensichtlich unbegründet. Es fehlen allgemein anerkannte Kriterien für eine objektive Diagnose, und ein kausaler Zusammenhang zwischen elektromagnetischen Feldern und den assoziierten Beschwerden ist nicht nachgewiesen. Personen, die sich als elektromagnetisch hypersensibel wahrnehmen, können daher keine über das Schutzniveau der NISV hinausgehenden Beschränkungen verlangen. Die appellatorische Kritik zur Ortsbildbeeinträchtigung bleibt ebenfalls unberücksichtigt, da die Vorinstanz die lokalen Gegebenheiten am Augenschein würdigte und keine Sichtverbindung zu den geschützten Objekten feststellte.

Dem unterliegenden Beschwerdeführer werden die Gerichtskosten von Fr. 3'000.-- auferlegt. Der obsiegenden Beschwerdegegnerin Swisscom wird praxisgemäss keine Parteientschädigung zugesprochen, da sie durch ihren internen Rechtsdienst vertreten war.

Originalentscheid beim Gericht ↗

Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.

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