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Justizze. Art. 123 BGG

Bundesgericht

Revisionsgesuch wegen neu entdeckter Verbindung eines Bundespatentrichters zu einer Zulieferin einer Partei: Erheblichkeit im Sinne von Art. 123 Abs. 2 lit. a BGG verneint (Art. 123 Abs. 2 lit. a BGG)

BGE / ATF / DTF
BGE 151 III 475 · ATF 151 III 475 · DTF 151 III 475
Datum
06.05.2025
Geschäftsnummer
BGE 151 III 475
Abteilung
CH_BGE_005
Ausgang
Abgewiesen

Tragende Normen

Art. 123 BGG

Zusammenfassung

Die A. GmbH beantragte beim Bundesgericht die Revision seines eigenen Urteils vom 21. November 2023 sowie des Urteils des Bundespatentgerichts vom 11. Mai 2023. Sie berief sich auf eine neu entdeckte Tatsache: Bundespatentrichter Bremi habe am 28. Juni 2022 für die C. AG – eine Zulieferin der beklagten B. SA – eine Prioritätsanmeldung vorgenommen. Damit solle die Befangenheit des Richters indiziert sein. Die Gesuchstellerin verlangte die Aufhebung beider Urteile und die Neubeurteilung durch das Bundespatentgericht unter erneuter Durchführung aller Prozesshandlungen, an denen Richter Bremi beteiligt war. Die Gesuchsgegnerin beantragte die Abweisung des Revisionsgesuchs.

Das Bundesgericht wies das Revisionsgesuch ab, soweit darauf eingetreten wird. Es stellte fest, dass die neu entdeckte Tatsache – die Tätigkeit von Richter Bremi für eine Zulieferin einer Prozesspartei – nicht erheblich im Sinne von Art. 123 Abs. 2 lit. a BGG ist. Denn Erheblichkeit setzt voraus, dass die neue Tatsache den Ausstand des Richters eindeutig nahegelegt hätte, wenn sie dem Bundesgericht bereits im Ausgangsverfahren bekannt gewesen wäre. Eine bloße Verbindung eines Bundespatentrichters zu einer blossen Zulieferin einer Partei bildet grundsätzlich keinen Ausstandsgrund; Ausnahmen erfordern objektiv besonders intensive Umstände, die hier nicht vorliegen. Das Bundesgericht verwies auf die besondere Struktur des Bundespatentgerichts, dessen Mitglieder hauptberuflich im Umfeld des Patentwesens tätig sein sollen, und darauf, dass bei einem Unternehmen mit weit über 100'000 Zulieferinnen eine solche Verbindung alltäglich sei und andernfalls die Offenlegungspflicht unüberschaubar würde. Die geltend gemachte neue Tatsache vermochte daher den Ausstand von Richter Bremi nicht eindeutig zu begründen. Art. 123 Abs. 2 lit. a BGG wurde damit als nicht erfüllt angesehen. Kosten wurden nicht ausdrücklich erwähnt. Die Entscheidung präzisiert die Anforderungen an die Erheblichkeit neu entdeckter Tatsachen im Rahmen der Revision wegen Befangenheit im Patentrecht und stellt klar, dass Zulieferbeziehungen allein nicht ausreichen, um einen objektiven Anschein der Befangenheit zu begründen.

Regeste

Art. 123 Abs. 2 lit. a BGG; neu entdeckte Tatsachen; Erheblichkeit des Ausstandsgrundes; Verbindung eines Mitgliedes des Bundespatentgerichts zu einer Zulieferin einer Partei. Wird die Revision des bundesgerichtlichen Urteils mit einer neu entdeckten Tatsache begründet, welche die Befangenheit eines vorinstanzlichen Gerichtsmitgliedes indiziert, setzt deren "Erheblichkeit" im Sinne von Art. 123 Abs. 2 lit. a BGG voraus, dass die neue Tatsache den Ausstand dieses Mitgliedes eindeutig nahegelegt hätte, wenn sie dem Bundesgericht schon im Ausgangsverfahren bekannt gewesen wäre (E. 6.4). Die Verbindung einer Richterin oder eines Richters des Bundespatentgerichts zu einer blossen Zulieferin einer Prozesspartei bildet grundsätzlich keinen Ausstandsgrund. Ausnahmen fallen in Betracht, wenn objektive Umstände die Verbindung als besonders intensiv qualifizieren, so dass diese aufgrund der besonderen Gegebenheiten des Falles geeignet erscheint, die Unabhängigkeit des Mitglieds im betreffenden Verfahren effektiv zu beeinflussen (E. 6.5). Regeste Art. 123 al. 2 let. a LTF; faits nouvellement découverts; pertinence du motif de récusation; lien entre un membre du Tribunal fédéral des brevets et une fournisseuse d'une partie. Si la révision de l'arrêt du Tribunal fédéral est motivée par un fait nouvellement découvert qui indique la partialité d'un membre de la juridiction précédente, sa "pertinence" au sens de l'art. 123 al. 2 let. a LTF présuppose que le fait nouveau aurait clairement justifié la récusation de ce membre si le Tribunal fédéral en avait déjà eu connaissance dans la procédure précédente (consid. 6.4). Le lien entre une juge ou un juge du Tribunal fédéral des brevets et une simple fournisseuse d'une partie au procès ne constitue en principe pas un motif de récusation. Des exceptions peuvent entrer en considération lorsque des circonstances objectives qualifient ce lien de particulièrement intense, de sorte qu'il est susceptible, en raison des circonstances particulières du cas, d'influencer effectivement l'indépendance du membre dans la procédure concernée (consid. 6.5). Regesto Art. 123 cpv. 2 lett. a LTF; nuovi fatti scoperti posteriormente; rilevanza del motivo di ricusa; legame di un membro del Tribunale federale dei brevetti con una fornitrice di una parte. Se la revisione di una sentenza del Tribunale federale viene motivata con la successiva scoperta di un nuovo fatto che indica la parzialità di un membro del tribunale inferiore, la sua "rilevanza" nel senso dell'art. 123 cpv. 2 lett. a LTF presuppone che il fatto nuovo avrebbe chiaramente deposto per la ricusa di questo membro, se fosse già stato noto al Tribunale federale nel procedimento iniziale (consid. 6.4). Il legame di un o una giudice del Tribunale federale dei brevetti con una semplice fornitrice di una parte al processo non costituisce in linea di principio un motivo di ricusa. Eccezioni entrano in linea di conto se circostanze oggettive qualificano il legame come particolarmente intenso, cosicché in ragione delle circostanze particolari del caso questo appare idoneo a effettivamente influenzare l'indipendenza del membro nel relativo procedimento (consid. 6.5).

Originalentscheid beim Gericht ↗

Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.

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