Justizze.

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Justizze. Art. 522 ZGB

Bundesgericht

Aussereheliches Kind aus der Zeit vor 1978 mit Zahlvaterschaft klagt auf Herabsetzung: Kein rechtliches Kindesverhältnis, daher keine Aktivlegitimation zur Herabsetzungsklage (Art. 522 ZGB)

BGE / ATF / DTF
BGE 150 III 160 · ATF 150 III 160 · DTF 150 III 160
Datum
18.03.2024
Geschäftsnummer
5A_238/2023
Abteilung
II. Zivilrechtliche Abteilung
Ausgang
Abgewiesen

Tragende Normen

Art. 42 BGG Art. 57 BGG Art. 72 BGG Art. 74 BGG Art. 75 BGG Art. 76 BGG Art. 90 BGG Art. 95 BGG Art. 97 BGG Art. 100 BGG Art. 104 BGG Art. 105 BGG Art. 106 BGG Art. 8 EMRK Art. 3 SchlT Art. 12 SchlT Art. 13a SchlT Art. 522 ZGB Art. 7 ZStV Art. 8 ZStV

Zusammenfassung

Ein ausserehelich geborenes Kind aus dem Jahr 1958, dessen mutmasslicher Vater 2017 verstarb, erhob gegen die gesetzlichen Erben und Stiftungen des Erblassers eine Herabsetzungsklage, um seinen Pflichtteil geltend zu machen. Streitig war, ob er als Nachkomme im Sinn des Erbrechts gilt, obwohl zwischen ihm und dem Erblasser nur eine altrechtliche Zahlvaterschaft bestand – also eine rein vermögensrechtliche Unterhaltsverpflichtung ohne rechtliches Kindesverhältnis. Der Kläger beantragte zudem, seine Erbenstellung im Sinne von Art. 470 ZGB festzustellen, und stellte einen Antrag auf Abstammungsgutachten. Die Vorinstanzen wiesen die Klage ab, weil der Kläger nicht als pflichtteilsgeschützter Erbe gelte. Vor dem Bundesgericht wurde gerügt, die Ablehnung verletze Art. 8 i.V.m. Art. 14 EMRK sowie Art. 5 BV.

Das Bundesgericht wies die Beschwerde ab, weil der Beschwerdeführer nicht aktivlegitimiert war, eine Herabsetzungsklage nach Art. 522 ZGB zu erheben. Dazu ist erforderlich, dass er als pflichtteilsgeschützter Erbe gilt – was wiederum voraussetzt, dass er ein Nachkomme des Erblassers im Sinn von Art. 457 ZGB ist. Ein solcher Nachkomme kann jedoch nur sein, wer in einem rechtlichen Kindesverhältnis zum Erblasser steht. Dieses Verhältnis entsteht heute durch Anerkennung, Vaterschaftsklage oder Adoption; damals, vor Inkrafttreten des neuen Kindesrechts am 1. Januar 1978, konnte es nur durch Anerkennung oder durch eine Klage auf Zusprechung mit Standesfolge begründet werden. Eine bloße Zahlvaterschaft – wie hier, begründet durch einen Unterhaltsvertrag vom 31. Mai 1958 – schuf hingegen kein rechtliches Kindesverhältnis und damit auch kein Erbrecht. Der Beschwerdeführer hat zu keinem Zeitpunkt eine eigenständige Vaterschaftsklage erhoben, weder vor noch nach dem Tod des Erblassers. Auch die Übergangsbestimmung Art. 13a SchlT ZGB bot ihm keine Möglichkeit, denn er war bei Inkrafttreten des neuen Rechts bereits über zehn Jahre alt. Zwar hat die Rechtsprechung seitdem verspätete Vaterschaftsklagen unter Art. 263 Abs. 3 ZGB geprüft, doch der Beschwerdeführer hat diese Option bewusst nicht genutzt. Art. 8 EMRK gewährleistet kein per-se-Recht auf Erbenstellung; biologische Abstammung allein reicht nicht aus, um ein „Familienleben“ im Sinne dieser Norm zu begründen. Die Rügen der Verletzung von Art. 1 und Art. 46 EMRK sowie Art. 5 und Art. 190 BV waren daher unbegründet. Der Antrag auf Abstammungsgutachten war überflüssig, da es auf die biologische Abstammung nicht ankam. Der Beschwerdeführer trägt die Gerichtskosten von Fr. 10'000.--, weil die Beschwerde abgewiesen wurde und den Beschwerdegegnern kein entschädigungspflichtiger Aufwand entstanden ist. Das Urteil ist bemerkenswert, weil es klargestellt hat, dass die fehlende Vaterschaftsklage nicht durch die Herabsetzungsklage ersetzt werden kann und dass die Schweizer Rechtsprechung zur verspäteten Vaterschaftsklage auch für vor 1968 Geborene konventionskonform angewendet wird.

Regeste

Art. 457 und 522 ZGB, Art. 13a Abs. 1 SchlT ZGB; Art. 8 i.V.m. Art. 14 EMRK; Zahlvaterschaft und Aktivlegitimation zur Erhebung einer Herabsetzungsklage. Die Frage, wer Nachkomme ist, entscheidet das Familienrecht. Vorausgesetzt ist ein rechtliches Kindesverhältnis (E. 4.4). Ein solches begründete die altrechtliche Zahlvaterschaft nicht (E. 4.5.1 und 7). Sie wurde mit Inkrafttreten des neuen Kindesrechts auch nicht ipso iure in ein rechtliches Kindesverhältnis umgewandelt (E. 4.6.1), was im Hinblick auf die Europäische Menschenrechtskonvention nicht zu beanstanden ist (E. 8). Frage offengelassen, ob die Übergangsbestimmung von Art. 13a SchlT ZGB konventionswidrige Elemente enthält (E. 8). Bei der Vaterschaftsklage handelt es sich um eine Gestaltungsklage. Deren Wirkungen können nicht im Rahmen der Beantwortung von (rechtlichen) Vorfragen (hier: Aktivlegitimation zur Erhebung einer Herabsetzungsklage) herbeigeführt werden, sondern nur mittels der im Gesetz hierfür vorgesehenen Mittel (E. 7.2). Dazu hätte der Beschwerdeführer eine Vaterschaftsklage erheben können und müssen (E. 4.6.2 und 7.4.1). Er kann sich nicht darauf berufen, aufgrund der angeblichen Konventionswidrigkeit von Art. 13a Abs. 1 SchlT ZGB müsse er im Herabsetzungsprozess "automatisch" als Nachkomme des Erblassers anerkannt werden (E. 9.1). Regeste Art. 457 et 522 CC, art. 13a al. 1 Tit. fin. CC; art. 8 en relation avec l'art. 14 CEDH; paternité alimentaire et légitimation active pour intenter une action en réduction. La question de savoir qui est le descendant ressortit au droit de la famille. La condition préalable est l'existence d'un lien de filiation juridique (consid. 4.4). La paternité de paiement de l'ancien droit ne fonde pas un tel lien (consid. 4.5.1 et 7). Elle n'a pas non plus été transformée ipso iure en un lien de filiation juridique avec l'entrée en vigueur du nouveau droit de la filiation (consid. 4.6.1), ce qui n'est pas critiquable au regard de la Convention européenne des droits de l'homme (consid. 8). Est laissée ouverte la question de savoir si la disposition transitoire de l'art. 13a Tit. fin. CC contient des éléments contraires à la Convention (consid. 8). L'action en paternité est une action formatrice. Ses effets ne peuvent pas être obtenus dans le cadre de la réponse à des questions (juridiques) préalables (en l'occurrence: légitimation active pour introduire une action en réduction), mais uniquement par les moyens prévus à cet effet par la loi (consid. 7.2). Le recourant aurait, dès lors, pu et dû introduire une action en paternité (consid. 4.6.2 et 7.4.1). Il ne peut se prévaloir de la soi-disant non-conventionnalité de l'art. 13a al. 1 Tit. fin. CC pour être reconnu "automatiquement" comme descendant du défunt dans le procès en réduction (consid. 9.1). Regesto Art. 457 e 522 CC, art. 13a cpv. 1 Tit. fin. CC; art. 8 in relazione con l'art. 14 CEDU; paternità tributaria e legittimazione attiva a promuovere un'azione di riduzione. È il diritto di famiglia a determinare chi è discendente. Occorre un rapporto di filiazione giuridica (consid. 4.4). La paternità tributaria del diritto previgente non fonda un tale rapporto (consid. 4.5.1 e 7). Essa non si è neppure trasformata ipso iure in un rapporto di filiazione giuridica con l'entrata in vigore del nuovo diritto di filiazione (consid. 4.6.1), ciò che non è criticabile sotto il profilo della Convenzione europea dei diritti dell'uomo (consid. 8). La questione se la norma transitoria dell'art. 13a Tit. fin. CC contenga elementi contrari alla Convenzione è lasciata aperta (consid. 8). L'azione di paternità è un'azione costitutiva. I suoi effetti non possono essere ottenuti rispondendo a questioni (giuridiche) pregiudiziali (in concreto: la legittimazione attiva a promuovere un'azione di riduzione), ma unicamente attraverso i mezzi previsti a tale scopo dalla legge (consid. 7.2). Per questo il ricorrente avrebbe potuto e dovuto introdurre un'azione di paternità (consid. 4.6.2 e 7.4.1). Egli non può far valere che, in virtù della pretesa contrarietà dell'art. 13a cpv. 1 Tit. fin. CC alla Convenzione, dovrebbe essere "automaticamente" riconosciuto quale discendente del defunto nella procedura di riduzione (consid. 9.1).

Originalentscheid beim Gericht ↗

Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.

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