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Justizze. Art. 93 BGG

Bundesgericht

Privatklägerin klagt gegen Rückweisungsbeschluss des Obergerichts Aargau: Beschwerde nicht zulässig, da kein nicht wieder gutzumachender rechtlicher Nachteil vorliegt (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG)

BGE / ATF / DTF
BGE 148 IV 155 · ATF 148 IV 155 · DTF 148 IV 155
Datum
10.01.2022
Geschäftsnummer
BGE 148 IV 155
Ausgang
Nichteintreten

Tragende Normen

Art. 93 BGG Art. 409 StPO

Zusammenfassung

Die Privatklägerin 2 erhob Beschwerde in Strafsachen gegen den Rückweisungsbeschluss des Obergerichts des Kantons Aargau vom 4. August 2021, mit dem das Urteil des Bezirksgerichts Laufenburg vom 2. Juli 2021 aufgehoben und die Sache zur Wahrung des Instanzenzuges sowie zur Durchführung eines gesetzmässigen Verfahrens an die erste Instanz zurückgewiesen wurde. Sie beantragte die Aufhebung des Rückweisungsbeschlusses und die Zurückweisung der Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz. Streitig war, ob gegen diesen Rückweisungsbeschluss eine Beschwerde an das Bundesgericht zulässig ist, insbesondere ob ein nicht wieder gutzumachender rechtlicher Nachteil im Sinne von Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG vorliegt oder ob eine Rechtsverweigerung gerügt wurde.

Das Bundesgericht trat auf die Beschwerde nicht ein, weil der angefochtene Rückweisungsbeschluss gemäss Art. 409 Abs. 1 StPO grundsätzlich keinen nicht wieder gutzumachenden rechtlichen Nachteil im Sinne von Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG bewirkt. Ein solcher Nachteil müsste rechtlicher Natur sein und sich später nicht mehr durch einen Endentscheid oder einen anderen für den Beschwerdeführer günstigen Entscheid wieder gutmachen lassen; rein tatsächliche Nachteile wie Verfahrensverlängerung oder -verteuerung reichen nicht aus. Letztinstanzliche kantonale Rückweisungsentscheide bewirken in der Regel keinen solchen Nachteil. Die Beschwerdeführerin rügte keine Rechtsverweigerung mit hinreichender Begründung, etwa dass das Berufungsgericht systematisch Rückweisungen wegen Verfahrensmängeln erlässt, die entgegen der bundesgerichtlichen Praxis nicht als schwerwiegend oder nicht heilbar zu qualifizieren sind. Auch die von ihr vorgebrachten Argumente – etwa ein unklares Dispositiv oder die Behauptung der Befangenheit des erstinstanzlichen Gerichts – wurden als unzureichend oder außerhalb des Verfahrensgegenstands verworfen. Die Frage, ob die schriftliche Durchführung der Parteivorträge strafprozessual zulässig sei, stellte keine Rechtsfrage von grundsätzlicher Bedeutung dar, da sie weder offensichtliche Rechtsunsicherheit noch widersprüchliche Vorinstanzrechtsprechung aufwies. Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG und Art. 93 Abs. 3 BGG regeln die Zulässigkeit der Beschwerde gegen Vor- und Zwischenentscheide sowie deren spätere Anfechtbarkeit mit dem Endentscheid; Art. 409 Abs. 1 StPO bildet die materielle Grundlage für die kassatorische Rückweisung bei schwerwiegenden, nicht heilbaren Verfahrensmängeln. Das Bundesgericht betonte, dass die Eintretensvoraussetzung nach Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG nicht durch eine materielle Beurteilung der (Nicht-)Evidenz des Verfahrensmangels ersetzt werden darf, da dies zu Rechtsunsicherheit führt und eine in der Norm nicht vorgesehene Voraussetzung schafft.

Regeste

Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG; gegen gestützt auf Art. 409 StPO ergangene Rückweisungsbeschlüsse steht die Beschwerde gemäss Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG nicht zur Verfügung, es sei denn, die beschwerdeführende Partei rügt mit hinreichender Begründung eine Rechtsverweigerung. Gegen andere selbstständig eröffnete Vor- und Zwischenentscheide ist die Beschwerde gemäss Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG nur zulässig, wenn diese einen nicht wieder gutzumachenden Nachteil bewirken können. Die Möglichkeit eines Nachteils genügt, jedoch muss dieser rechtlicher Natur sein, welcher später nicht mehr durch einen Endentscheid oder einen anderen, für den Beschwerdeführer günstigen Entscheid wieder gutgemacht werden kann. Rein tatsächliche Nachteile wie eine Verfahrensverlängerung oder -verteuerung reichen nicht aus. Letztinstanzliche kantonale Rückweisungsentscheide bewirken in der Regel keinen nicht wieder gutzumachenden Nachteil (E. 1.1). Der geforderte nicht wieder gutzumachende rechtliche Nachteil kann nicht unbesehen darin erkannt werden, dass im Zeitpunkt einer gegen den Endentscheid erhobenen Beschwerde gemäss Art. 93 Abs. 3 BGG die Rechtsauffassung der Berufungsinstanz in Ermangelung eines aktuellen Rechtsschutzinteresses nicht mehr überprüfbar wäre. Das Heranziehen der (Nicht-)Evidenz und die damit einhergehende materielle Beurteilung des fraglichen Verfahrensfehlers ist kein für die Eintretensfrage gemäss Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG taugliches Abgrenzungskriterium (E. 2.2). Eine Anfechtung des Rückweisungsbeschlusses ist nicht per se ausgeschlossen. Rügt die beschwerdeführende Partei mit hinreichender Begründung eine Rechtsverweigerung, kann auf das Erfordernis des nicht wieder gutzumachenden Nachteils verzichtet werden. Eine Rechtsverweigerung liegt namentlich vor, wenn ein Berufungsgericht im Sinne einer eigentlichen Praxis systematisch Rückweisungsbeschlüsse wegen eines Verfahrensmangels erlässt, der entgegen der gefestigten bundesgerichtlichen Praxis nicht als schwerwiegend bzw. als heilbar zu qualifizieren ist (E. 2.4). Regeste Art. 93 al. 1 let. a LTF; les décisions de renvoi en application de l'art. 409 CPP ne peuvent pas faire l'objet d'un recours en vertu de l'art. 93 al. 1 let. a LTF, sauf si le recourant invoque, avec une motivation suffisante, un déni de justice. Le recours de l'art. 93 al. 1 let. a LTF n'est recevable contre d'autres décisions préliminaires ou incidentes notifiées séparément que si elles peuvent entraîner un préjudice irréparable. L'éventualité d'un préjudice suffit, mais celui-ci doit être de nature juridique et ne plus pouvoir être réparé ultérieurement par une décision finale ou une autre décision favorable au recourant. Un préjudice purement de fait, tel qu'un allongement ou un renchérissement de la procédure, ne suffit pas. Les décisions de renvoi par une autorité cantonale de dernière instance n'entraînent en général pas de préjudice irréparable (consid. 1.1). Le préjudice juridique irréparable exigé ne peut pas être admis pour la raison qu'au moment d'un recours contre la décision finale en vertu de l'art. 93 al. 3 LTF, l'appréciation juridique de la juridiction d'appel ne pourrait plus être examinée faute d'un intérêt actuel digne de protection. La prise en considération du caractère évident, respectivement non évident, du vice de procédure soulevé, avec l'appréciation matérielle qui en découle, ne constitue pas un critère pertinent pour trancher la question de l'entrée en matière en vertu de l'art. 93 al. 1 let. a LTF (consid. 2.2). Un recours contre une décision de renvoi n'est pas exclu en soi. Si la partie recourante invoque un déni de justice avec une motivation satisfaisante, il est possible de renoncer à l'exigence d'un préjudice irréparable. Il y a déni de justice notamment lorsqu'une autorité d'appel adopte une véritable pratique et rend systématiquement des décisions de renvoi en raison de vices de procédure qui, contrairement à la pratique constante du Tribunal fédéral, ne peuvent pas être qualifiés de graves ou doivent être considérés comme réparables (consid. 2.4). Regesto Art. 93 cpv. 1 lett. a LTF; una decisione di rinvio, emanata sulla base dell'art. 409 CPP, non può essere impugnata con ricorso secondo l'art. 93 cpv. 1 lett. a LTF, a meno che la parte ricorrente censuri, con una motivazione sufficiente, un diniego di giustizia. Giusta l'art. 93 cpv. 1 lett. a LTF, contro altre decisioni pregiudiziali e incidentali notificate separatamente il ricorso è ammissibile unicamente se esse possono causare un pregiudizio irreparabile. È sufficiente la possibilità che insorga tale pregiudizio, che deve però essere di natura giuridica e non suscettibile di essere in seguito eliminato da una decisione finale o da un'altra decisione favorevole alla parte ricorrente. Un mero pregiudizio di fatto, come il prolungamento della procedura o l'aumento dei costi legati alla causa, non è sufficiente. Una decisione di rinvio emanata da un'autorità cantonale di ultima istanza non causa di regola alcun pregiudizio irreparabile (consid. 1.1). Il pregiudizio giuridico irreparabile esatto dalla norma non è senz'altro ravvisabile nel fatto che, al momento del ricorso diretto contro la decisione finale secondo l'art. 93 cpv. 3 LTF, la concezione giuridica del tribunale d'appello potrebbe non più essere esaminata per mancanza di un interesse giuridico attuale. La presa in considerazione del carattere evidente (o meno) del vizio procedurale in discussione, con il conseguente esame sostanziale, non costituisce un criterio pertinente di delimitazione con riguardo all'ammissibilità di un ricorso giusta l'art. 93 cpv. 1 lett. a LTF (consid. 2.2). Un ricorso contro una decisione di rinvio non è di per sé escluso. Se la parte ricorrente censura un diniego di giustizia con una motivazione sufficiente, è possibile rinunciare all'esigenza di un pregiudizio irreparabile. Sussiste un diniego di giustizia segnatamente nel caso in cui il tribunale d'appello emana sistematicamente, nel senso di una vera e propria prassi, una decisione di rinvio in presenza di un vizio procedurale che, contrariamente alla consolidata giurisprudenza del Tribunale federale, non è né grave né insanabile (consid. 2.4).

Originalentscheid beim Gericht ↗

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