Justizze.

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Justizze. Art. 16c SVG

Bundesgericht

Wiederholungstäterin mit IVZ-Eintrag aus 2009: Schweizer Führerausweisentzug für schwere Geschwindigkeitsüberschreitung in Österreich darf die dortige zweiwöchige Dauer überschreiten (Art. 16c Abs. 2 lit. a SVG)

BGE / ATF / DTF
BGE 148 II 511 · ATF 148 II 511 · DTF 148 II 511
Datum
24.08.2022
Geschäftsnummer
BGE 148 II 511
Ausgang
Abgewiesen

Tragende Normen

Art. 16c SVG Art. 16c SVG.

Zusammenfassung

Eine Person, die 2018 in Österreich eine schwere Geschwindigkeitsüberschreitung beging und dort ein zweiwöchiges Fahrverbot erhielt, wurde in der Schweiz für denselben Verstoss ein dreimonatiger Führerausweisentzug auferlegt. Sie wandte ein, die schweizerische Entzugsdauer dürfe die ausländische nicht überschreiten, weil im Schweizer Informationssystem Verkehrszulassung (IVZ) kein kaskadenrelevanter Eintrag vorliege. Das Strassenverkehrsamt des Kantons Aargau, das Verwaltungsgericht des Kantons Aargau und schliesslich das Bundesgericht entschieden, dass bereits jeder IVZ-Eintrag – auch ein nicht mehr kaskadenrelevanter – ausreiche, um von der Obergrenze der ausländischen Entzugsdauer abzuweichen.

Das Bundesgericht wies die Beschwerde ab und bestätigte den dreimonatigen Führerausweisentzug.

Die Beschwerdeführerin war 2018 in Österreich wegen einer schweren Geschwindigkeitsüberschreitung (62 km/h über der zulässigen Höchstgeschwindigkeit auf der Autobahn) verurteilt worden und hatte dort ein zweiwöchiges Fahrverbot erhalten. Im Schweizer Informationssystem Verkehrszulassung (IVZ) war ein Eintrag über einen einmonatigen Führerausweisentzug aus dem Jahr 2009 eingetragen, der auf eine mittelschwere Verkehrsregelverletzung zurückging und nach Art. 16b Abs. 2 lit. a SVG verfügt worden war. Obwohl die Kaskadenfristen für diesen früheren Verstoss abgelaufen waren und er daher nicht mehr erschwerend massgeblich war, reichte der bloße IVZ-Eintrag aus, um die privilegierte Behandlung nach Art. 16c Abs. 2 Satz 3 SVG zu entziehen. Das Bundesgericht stellte klar, dass die gesetzliche Obergrenze für die schweizerische Entzugsdauer nur für eigentliche Ersttäter gilt, also solche ohne jeglichen IVZ-Eintrag – unabhängig davon, ob dieser noch kaskadenrelevant ist oder nicht. Da die Beschwerdeführerin als vorbelastete Wiederholungstäterin galt, war die Mindestentzugsdauer von drei Monaten nach Art. 16c Abs. 2 lit. a SVG anwendbar; die Anrechnung der zwei Wochen aus Österreich erfolgte gemäss Art. 16c Abs. 2 Sätze 1 und 2 SVG und stand im Einklang mit dem Rechtsgleichheitsgebot des Art. 8 Abs. 1 BV. Die Entscheidung klärt die systematische Stellung des Kaskadensystems bei ausländischen Verstössen und stellt sicher, dass Wiederholungstäter nicht durch die Sonderregelung für ausländische Fahrverbote privilegiert werden.

Regeste

Art. 16c Abs. 2 lit. a und Art. 16cbis Abs. 2 SVG; Dauer eines ausländischen Fahrverbots als Obergrenze für die Dauer des schweizerischen Führerausweisentzugs. Ist die betroffene Person nicht im Informationssystem Verkehrszulassung (IVZ) eingetragen, bildet die Dauer des ausländischen Fahrverbots die Obergrenze für den Entzug des schweizerischen Führerausweises für denselben Verstoss. Von dieser Erleichterung profitieren allerdings nur eigentliche Ersttäterinnen und -täter, die keinen Massnahmeneintrag aufweisen, d.h. auch keinen Eintrag, der nicht mehr kaskadenrelevant ist. Bei Zweittäterinnen und -tätern erfolgt ein Rückgriff auf das Kaskadensystem ohne Berücksichtigung der Obergrenze, falls sich der neue Regelverstoss im Ausland innert der entsprechenden gesetzlichen Fristen ereignet hat; trifft Letzteres nicht zu, ist bei Zweittäterinnen und -tätern ein Entzug ohne das Gesetzesprivileg ausserhalb der Kaskadenregelung auszusprechen (E. 3 und 4). Regeste Art. 16c al. 2 let. a et art. 16cbis al. 2 LCR; durée d'une interdiction de conduire prononcée à l'étranger comme limite supérieure pour la durée du retrait du permis de conduire en Suisse. Lorsque la personne concernée ne figure pas dans le système d'information relatif à l'admission à la circulation (SIAC), la durée de l'interdiction de conduire prononcée à l'étranger constitue la limite supérieure du retrait du permis de conduire ordonné en Suisse en raison de la même infraction aux règles de la circulation routière. Ce privilège ne doit profiter qu'aux délinquant(e)s primaires proprement dits qui n'ont aucun antécédent, pertinent ou non au regard du système des cascades. Pour les récidivistes, le système des cascades s'applique sans égard à la limite supérieure lorsque la nouvelle infraction commise à l'étranger est intervenue dans les délais légaux correspondants; si tel n'est pas le cas, un retrait doit être prononcé en cas de récidive en faisant abstraction du privilège légal et du système des cascades (consid. 3 et 4). Regesto Art. 16c cpv. 2 lett. a e art. 16cbis cpv. 2 LCStr; durata di un divieto di condurre pronunciato all'estero quale limite superiore per la durata della revoca della licenza di condurre svizzera. Se la persona interessata non figura nel sistema d'informazione sull'ammissione alla circolazione (SIAC), la durata di un divieto di condurre pronunciato all'estero costituisce il limite superiore per la revoca della licenza di condurre ordinata in Svizzera sulla base della stessa infrazione alle norme della circolazione stradale. Di questo privilegio beneficiano comunque solo gli autori primari propriamente detti che non figurano nel sistema SIAC, vale a dire che non hanno nessuna iscrizione, rilevante o meno sotto il profilo del sistema a cascata. Per gli autori recidivi, il sistema a cascata si applica senza riguardo per il limite superiore quando la nuova infrazione commessa all'estero è avvenuta entro i corrispondenti termini legali; se ciò non è il caso, una revoca deve essere pronunciata in caso di recidiva prescindendo dal privilegio legale fuori del sistema a cascata (consid. 3 e 4).

Originalentscheid beim Gericht ↗

Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.

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