Versicherter mit degenerativem Knievorzustand erleidet Prellung: Meniskusriss gilt nicht als unfallähnliche Körperschädigung, Leistungspflicht der Unfallversicherung entfällt (Art. 6 Abs. 2 UVG)
- BGE / ATF / DTF
- BGE 146 V 51 · ATF 146 V 51 · DTF 146 V 51
- Datum
- 01.01.2017
- Geschäftsnummer
- BGE 146 V 51
- Ausgang
- Abgewiesen
Tragende Normen
Zusammenfassung
Ein Versicherter stiess sich am 4. Mai 2017 das rechte Knie an einer Hebebühne und erhielt zunächst Leistungen der Suva. Später wurde ein Meniskusriss diagnostiziert, für den die Suva ab 31. Dezember 2017 keine Leistungen mehr erbrachte. Der Versicherte klagte auf Fortsetzung der Leistungen, insbesondere auf Grundlage der Regelung über unfallähnliche Körperschädigungen. Die Vorinstanz wies die Beschwerde ab. Der Versicherte legte Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten beim Bundesgericht ein.
Das Bundesgericht wies die Beschwerde ab und bestätigte die Leistungsverweigerung der Suva. Es stellte fest, dass der diagnostizierte Meniskusriss nicht auf das Unfallereignis vom 4. Mai 2017 zurückzuführen ist, da es sich lediglich um eine Knieprellung handelte, die nur eine vorübergehende Verschlimmerung eines bereits bestehenden degenerativen Vorzustandes bewirkte. Die MRI-Untersuchung vom 11. Mai 2017 zeigte bereits eine deutliche mukoide Degeneration des Innenmeniskus und eine Chondropathie Grad 3–4; der Operateur diagnostizierte zudem deutliche degenerative Veränderungen im medialen Kompartiment. Der Kreisarzt Dr. med. D. kam schlüssig zum Schluss, dass das Unfallereignis nicht geeignet war, einen Meniskusriss zu verursachen, da lediglich ein direkter Anprall stattfand, aber keine Distorsion. Auch der erstbehandelnde Arzt beschrieb den Unfallhergang als Kontusion und konnte nicht sagen, ob die diagnostizierten Verletzungen Unfallfolgen waren. Der Versicherte rechnete die Behandlung ab Anfang 2018 über die Krankenkasse ab und kreuzte bei der Physiotherapie-Verordnung „Krankheit“ an. Da kein Hinweis auf ein nach dem Unfall eingetretenes initiales Ereignis als mögliche Verletzungsursache besteht, ist der Nachweis dafür erbracht, dass die Listenverletzung vorwiegend, also zu mehr als 50 Prozent, auf Abnützung oder Erkrankung zurückzuführen ist. Damit ist die Vermutung der Leistungspflicht gemäss Art. 6 Abs. 2 UVG umgestossen und die Suva von ihrer Pflicht befreit. Die Entscheidung klärt, dass bei fehlendem natürlichem Kausalzusammenhang zwischen einem Unfallereignis im Sinne von Art. 4 ATSG und einer Listenverletzung eine Prüfung der Leistungspflicht nach Art. 6 Abs. 2 UVG erübrigt, solange kein anderes initiales Ereignis als Verletzungsursache in Frage kommt.
Regeste
Art. 6 Abs. 1 und Abs. 2 UVG (in der ab 1. Januar 2017 geltenden Fassung); Art. 4 ATSG; 1. UVG-Revision; unfallähnliche Körperschädigung. Nach Art. 6 Abs. 2 UVG (in der ab 1. Januar 2017 geltenden Fassung) wird der Unfallversicherer bei Vorliegen einer diagnostizierten Listenverletzung grundsätzlich leistungspflichtig, solange er nicht den Nachweis dafür erbringt, dass die fragliche Listenverletzung vorwiegend, d.h. im gesamten Ursachenspektrum zu mehr als 50 % (E. 8.2.2.1), auf Abnützung oder Erkrankung zurückzuführen ist. Im Rahmen dieses Entlastungsbeweises ist die Frage nach einem initialen erinnerlichen und benennbaren Ereignis für die Abgrenzung von der Leistungspflicht des Krankenversicherers bedeutsam (E. 8.6). Erbringt der Unfallversicherer den Nachweis dafür, dass ein Unfallereignis im Sinne von Art. 4 ATSG keine auch nur geringe Teilursache einer diagnostizierten Listenverletzung bildet und besteht kein Hinweis auf ein nach dem Unfall eingetretenes initiales Ereignis als mögliche Verletzungsursache, so ist damit gleichzeitig auch die vorwiegende Bedingtheit der Listenverletzung durch Abnützung oder Erkrankung erstellt (E. 9.2). Regeste Art. 6 al. 1 et al. 2 LAA (dans sa teneur en vigueur dès le 1er janvier 2017); art. 4 LPGA; 1re révision de la LAA; lésion corporelle assimilée à un accident. Selon l'art. 6 al. 2 LAA (dans sa teneur en vigueur dès le 1er janvier 2017), lorsqu'une lésion corporelle comprise dans la liste est diagnostiquée, l'assureur-accidents est tenu à prestations aussi longtemps qu'il n'apporte pas la preuve que cette lésion est due de manière prépondérante, c'est-à-dire à plus de 50 % de tous les facteurs en cause (consid. 8.2.2.1), à l'usure ou à une maladie. Dans le cadre de cette preuve libératoire, la question de savoir s'il y a eu un événement initial reconnaissable et identifiable est déterminante pour délimiter les obligations respectives de l'assureur-accidents et de l'assureur-maladie (consid. 8.6). Lorsque l'assureur-accidents fournit la preuve qu'un accident au sens de l'art. 4 LPGA n'est pas, même très partiellement, en relation de causalité avec une lésion corporelle de la liste et qu'il n'existe pas d'indice qu'un événement survenu après l'accident pourrait constituer une cause possible de cette lésion, la preuve que celle-ci est due de manière prépondérante à l'usure ou à une maladie est par là-même rapportée (consid. 9.2). Regesto Art. 6 cpv. 1 e cpv. 2 LAINF (nella versione in vigore dal 1° gennaio 2017); art. 4 LPGA; 1a revisione della LAINF; lesione corporale assimilabile ad infortunio. Secondo l'art. 6 cpv. 2 LAINF (nella versione in vigore dal 1° gennaio 2017), l'assicuratore contro gli infortuni in presenza di una lesione corporale figurante sulla lista è di principio obbligato a versare prestazioni, finché non apporti la prova, che la lesione sia da ricondurre in maniera preponderante, ossia per più del 50 % (consid. 8.2.2.1) di tutti i fattori in discussione, a usura o malattia. Nell'ambito di questa prova liberatoria, la questione se ha avuto luogo un evento iniziale riconoscibile e identificabile è determinante per delimitare l'obbligo prestativo dell'assicuratore contro gli infortuni e dell'assicuratore contro le malattie (consid. 8.6). Quando un assicuratore contro gli infortuni fornisce la prova che un infortunio secondo l'art. 4 LPGA non è in nesso di causalità, nemmeno in maniera minima, con una lesione corporale figurante sulla lista e che non esiste un indizio che una circostanza avvenuta dopo l'evento potrebbe costituire una causa possibile di questa lesione, la prova che quest'ultima sia dovuta in maniera preponderante all'usura o a una malattia deve essere considerata come apportata (consid. 9.2).
Originalentscheid beim Gericht ↗
Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.
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