Justizze.

Die Schweizer Rechtsdatenbank mit KI.

Justizze. Art. 11 USG

Bundesgericht

Stadt Wil erlaubt Knallkörper während der gesamten Fasnachtswoche: Regelung verletzt den Immissionsschutz und den Tierschutz, da keine zeitlichen oder räumlichen Beschränkungen vorgesehen sind (Art. 11 Abs. 2 USG)

BGE / ATF / DTF
BGE 146 II 17 · ATF 146 II 17 · DTF 146 II 17
Datum
04.09.2019
Geschäftsnummer
1C_601/2018
Abteilung
I. Öffentlich-rechtliche Abteilung
Ausgang
Teilweise gutgeheissen

Tragende Normen

Art. 82 BGG Art. 86 BGG Art. 87 BGG Art. 1 USG Art. 7 USG Art. 11 USG Art. 12 USG Art. 13 USG Art. 14 USG Art. 15 USG Art. 25 USG

Zusammenfassung

Ein Einwohner der Stadt Wil erhob Beschwerde gegen das kommunale Immissionsschutzreglement, das Knallkörper während der gesamten Fasnachtswoche zulässt. Er machte geltend, diese Regelung verletze den Immissionsschutz und den Tierschutz, da Knallkörper erhebliche Lärmimmissionen verursachten, die insbesondere in der Nacht zu Aufwachreaktionen führen könnten und Haustiere stark belasteten. Die Vorinstanzen wiesen die Beschwerde ab. Der Beschwerdeführer beantragte vor dem Bundesgericht die Aufhebung der entsprechenden Bestimmung und die Anordnung von zeitlichen oder räumlichen Einschränkungen.

Das Bundesgericht hob Art. 16 Abs. 1 lit. a des Immissionsschutzreglements der Stadt Wil auf, soweit darin die Verwendung von Knallkörpern während der gesamten Fasnachtswoche zugelassen wird. Die Regelung verletzt das Umweltschutzgesetz, weil sie keine zeitlichen oder räumlichen Beschränkungen vorsieht, obwohl Knallkörperdetonationen aufgrund ihrer Lautstärke, ihrer starken Impulshaltigkeit und der Ungewöhnlichkeit des Lärms eine starke Störwirkung aufweisen. Diese Störwirkung betrifft sowohl Menschen als auch Tiere, insbesondere in der Nacht, wo bereits vereinzelte Knallkörper zu Aufwachreaktionen führen können. Da die Fasnachtswoche mehrere aufeinanderfolgende Nächte umfasst, kann dies das Wohlbefinden der Bevölkerung erheblich beeinträchtigen. Ein öffentliches Interesse an der Verwendung von Knallkörpern besteht nicht, und das private Interesse rechtfertigt keine einwöchige Störung der Nachtruhe. Ohne zeitliche und räumliche Beschränkungen ist von einer erheblichen Störung i.S.v. Art. 4 Abs. 1 lit. b LSV auszugehen. Das Bundesgericht verwies die Sache an die Gemeinde Wil zurück, um die notwendigen Einschränkungen anzuordnen. Für die übrigen Teile der Beschwerde, insbesondere bezüglich Feuerwerk, sah das Bundesgericht keine Verstösse gegen das Umweltschutzgesetz. Dem Beschwerdeführer wurden gekürzte Gerichtskosten von Fr. 1'000.-- auferlegt. Die Entscheidung ist bemerkenswert, weil sie klärt, dass eine allgemeine Zulassung von Knallkörpern während einer ganzen Woche ohne zeitliche oder räumliche Begrenzung unverhältnismässig ist und den Anforderungen des Immissionsschutzes nicht genügt.

Regeste

Beschränkungen der privaten Verwendung von Feuerwerk und Knallkörpern im Immissionsschutzreglement der Stadt Wil; Vereinbarkeit mit dem USG (Art. 1, 7 und 11 ff. USG; Art. 12 TSchV). Feuerwerks- und Knallkörper fallen in den Anwendungsbereich des USG (Art. 7 Abs. 7 USG; E. 6.1). Grundsätze für die Beurteilung ihrer Immissionen im Hinblick auf den Schutz von Menschen (E. 6.2-6.4) und Tieren (E. 6.5). Die Zündung von Feuerwerks- und Knallkörpern verursacht erhebliche Lärm- und Luftimmissionen mit grossem Störpotenzial für Menschen und Tiere (E. 7). Das angefochtene Reglement sieht daher eine Bewilligungspflicht für Feuerwerkskörper und ein grundsätzliches Verbot für Knallkörper vor, allerdings mit Ausnahmen für den Bundesfeiertag, die Silvesternacht und (nur für Knallkörper) die Fasnachtswoche (E. 8). Die Gemeinde Wil durfte eine Tradition und damit ein gewisses öffentliches Interesse für das Zünden privater Feuerwerkskörper am Bundesfeiertag und an Silvester bejahen, nicht aber für die Zündung von Knallkörpern (E. 9). Abweisung des Begehrens um weitergehende Einschränkungen für private Feuerwerke im Immissionsschutzreglement; im Einzelfall erforderliche Beschränkungen können unmittelbar gestützt auf das USG angeordnet werden (E. 10). Zeitliche bzw. räumliche Einschränkungen sind dagegen für die Verwendung von Knallkörpern in der Fasnachtswoche geboten (E. 11). Regeste Limitation de l'utilisation privée de feux d'artifice et de pétards dans le règlement de protection contre les immissions de la Ville de Wil; compatibilité avec la LPE (art. 1, 7 et 11 ss LPE; art. 12 OPAn). Les feux d'artifice et les pétards entrent dans le champ d'application de la LPE (art. 7 al. 7 LPE; consid. 6.1). Principes régissant l'évaluation de leurs immissions en matière de protection des hommes (consid. 6.2-6.4) et des animaux (consid. 6.5). Les tirs de feux d'artifice et de pétards provoquent des immissions sonores et atmosphériques considérables, avec un fort potentiel incommodant pour les hommes et les animaux (consid. 7). En conséquence, le règlement attaqué soumet les tirs de feux d'artifice à autorisation et prévoit une interdiction de principe s'agissant des pétards, avec des exceptions pour la fête nationale, la nuit de la St-Sylvestre, ainsi que (uniquement pour les pétards) pour la semaine du carnaval (consid. 8). La Commune de Wil pouvait retenir l'existence d'une tradition, et partant un certain intérêt public aux tirs de feux d'artifice privés le jour de la fête nationale et durant la nuit de la St-Sylvestre, mais non s'agissant de l'allumage de pétards (consid. 9). Rejet de la demande de restrictions supplémentaires - à celles prévues par le règlement de protection contre les immissions - pour les feux d'artifice; dans les cas particuliers, les limitations nécessaires peuvent être directement ordonnées sur la base de la LPE (consid. 10). Des restrictions temporelles, respectivement géographiques sont en revanche nécessaires pour l'allumage de pétard durant la semaine du carnaval (consid. 11). Regesto Limitazioni dell'uso privato di fuochi d'artificio e di petardi nel regolamento sulla protezione contro le immissioni della città di Wil; compatibilità con la LPAmb (art. 1, 7 e 11 segg. LPAmb; art. 12 OPAn). I fuochi d'artificio e i petardi rientrano nel campo di applicazione della LPAmb (art. 7 cpv. 7 LPAmb; consid. 6.1). Principi per la valutazione delle loro immissioni con riferimento alla protezione di uomini (consid. 6.2-6.4) e animali (consid. 6.5). L'accensione di fuochi d'artificio e di petardi provoca immissioni foniche ed atmosferiche considerevoli, con un potenziale molesto importante per uomini e animali (consid. 7). Il regolamento impugnato prevede perciò un obbligo di autorizzazione per i fuochi di artificio e un divieto di principio per i petardi, con tuttavia delle eccezioni per la festa nazionale, per la notte di San Silvestro e (solo per i petardi) per la settimana del carnevale (consid. 8). Il Comune di Wil poteva ammettere l'esistenza di una tradizione e quindi di un certo interesse pubblico all'accensione di fuochi d'artificio privati il giorno della festa nazionale e quello di San Silvestro, non però all'accensione di petardi (consid. 9). Reiezione della domanda di restrizioni supplementari per i fuochi d'artificio privati nel regolamento sulla protezione contro le immissioni; le limitazioni necessarie nei singoli casi possono essere ordinate direttamente sulla base della LPAmb (consid. 10). Delle restrizioni temporali, rispettivamente territoriali, sono per contro necessarie per l'utilizzazione di petardi durante la settimana del carnevale (consid. 11).

Originalentscheid beim Gericht ↗

Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.

Verwandte Entscheide