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Justizze. Art. 36a GSchG

Bundesgericht

Landwirt klagt gegen kantonalen Gewässerraumplan für Vordere Frenke und Imlisbergbächli: Gewässerraumausscheidung rechtmäßig, Kompensation nicht erforderlich (Art. 36a GSchG)

BGE / ATF / DTF
BGE 146 II 134 · ATF 146 II 134 · DTF 146 II 134
Datum
13.12.2019
Geschäftsnummer
1C_15/2019
Abteilung
I. Öffentlich-rechtliche Abteilung
Ausgang
Abgewiesen

Tragende Normen

Art. 46 BGG Art. 82 BGG Art. 89 BGG Art. 99 BGG Art. 4 GSchG Art. 36a GSchG Art. 38a GSchG Art. 41c GSchG Art. 41a GSchV Art. 41c GSchV

Zusammenfassung

Ein Landwirt und der Bauernverband beider Basel erhoben Beschwerde gegen einen kantonalen Nutzungsplan Gewässerraum für 18 Gemeinden im Frenkental. Der Plan sah für die Vordere Frenke und das Imlisbergbächli Gewässerräume vor, die nur extensiv bewirtschaftet werden dürfen. Die Beschwerdeführer machten geltend, die Ausscheidung verletze ihre Rechte, da sie Fruchtfolgeflächen betreffe und eine Kompensation erforderlich sei. Sie wandten sich ferner gegen die Festlegung eines Gewässerraums für das Imlisbergbächli, das sie als Graben ohne Gewässerqualität bezeichneten, und gegen die Festlegung im eingedolten Bereich als willkürlichen Eingriff in das Eigentum. Das Kantonsgericht Basel-Landschaft wies die Beschwerden ab. Vor dem Bundesgericht stand insbesondere die Rechtmässigkeit der Gewässerraumfestlegung und die Frage der Kompensationspflicht im Raum.

Das Bundesgericht wies die Beschwerde des Landwirts ab und trat nicht auf diejenige des Bauernverbands ein. Der Landwirt ist Eigentümer und Bewirtschafter des Grundstücks Nr. 1035 in Bubendorf, das an die Vordere Frenke grenzt und vom Imlisbergbächli durchquert wird; er ist daher unmittelbar betroffen und beschwerdeberechtigt. Der kantonale Nutzungsplan legt für beide Gewässer einen Gewässerraum fest, der nur extensiv bewirtschaftet werden darf. Das Imlisbergbächli ist auf der Landeskarte 1:25'000 verzeichnet und weist eine natürliche Gerinnesohle mit ausgeprägter Breitenvariabilität von rund 0.8 m auf; es handelt sich daher um ein oberirdisches Gewässer im Sinne von Art. 4 lit. a GSchG, für das grundsätzlich ein Gewässerraum auszuscheiden ist. Der Gewässerraum der Vorderen Frenke wurde unter Anwendung eines Korrekturfaktors von 1.5 statt 2 festgesetzt und somit von 27 m auf 24.5 m reduziert. Für das Imlisbergbächli wurde ein minimaler Gewässerraum von 11 m Breite festgelegt, auch im eingedolten Teil, um den Raum für allfällige künftige Offenlegungen und Revitalisierungen zu sichern. Die Ausscheidung des Gewässerraums berücksichtigt landwirtschaftliche Interessen, insbesondere den Erhalt der Fruchtfolgeflächen und eine rationale Bewirtschaftung, doch überwiegen die gewässerschutzrechtlichen Interessen wie die Reduktion von Nähr- und Schadstoffeinträgen, die Bedeutung als Lebensraum und Korridor für die Vernetzung von Arten sowie als Artenreservoir. Die Flächen im Gewässerraum behalten ihre Fruchtfolgeflächen-Qualität und können im Krisenfall wieder intensiv bewirtschaftet werden, weshalb kein effektiver Verlust vorliegt. Der angefochtene Plan sieht keine Bodeneingriffe vor, welche zu effektiven Verlusten an ackerfähigem Kulturland führen; eine Kompensation ist daher nicht erforderlich. Die Gerichtskosten werden den Beschwerdeführern auferlegt, Parteientschädigungen werden nicht zugesprochen.

Regeste

Art. 36a Abs. 3 GSchG; Art. 41cbis GSchV; Art. 26 ff. RPV; Ausscheidung von Gewässerräumen in der Landwirtschaftszone: Inwiefern müssen Fruchtfolgeflächen kompensiert werden? Auslegung von Art. 36a Abs. 3 GSchG nach Wortlaut (E. 9.1), Entstehungsgeschichte (E. 9.2) und im Lichte des Sachplans Fruchtfolgeflächen (E. 9.3). Die vom Bundesrat festgesetzten Fruchtfolgeflächen-Kontingente sollen einen "Notvorrat an Boden" für die Ernährung in Krisenzeiten sicherstellen. Für die Anrechenbarkeit auf den kantonalen Mindestanteil ist daher entscheidend, ob die Bodenfruchtbarkeit langfristig erhalten bleibt und die Fläche in Notzeiten wieder intensiv bewirtschaftet werden könnte. Dies ist bei Fruchtfolgeflächen im Gewässerraum grundsätzlich der Fall, sofern sie nicht für bauliche Massnahmen (Hochwasserschutz) oder Revitalisierungen (Gewässerrinnenausweitungen) beansprucht, sondern extensiv landwirtschaftlich genutzt werden. Es ist daher gesetzeskonform, wenn Art. 41cbis GSchV für derartige Fälle keine Kompensationspflicht vorsieht (E. 9.4). Regeste Art. 36a al. 3 LEaux; art. 41cbis OEaux; art. 26 ss OAT; délimitation des espaces réservés aux eaux dans la zone agricole: dans quelle mesure les surfaces d'assolement doivent-elles être compensées? Interprétation de l'art. 36a al. 3 LEaux, littérale (consid. 9.1), historique (consid. 9.2) et à la lumière du plan sectoriel des surfaces d'assolement (consid. 9.3). Les contingents de surfaces d'assolement fixés par le Conseil fédéral doivent garantir une "réserve d'urgence" en bonnes terres agricoles pour l'alimentation en temps de crise. Pour qu'une telle surface puisse être imputée au quota minimal cantonal, il est déterminant que la fertilité des sols soit maintenue à long terme et que cette surface puisse être à nouveau intensivement cultivée en cas d'urgence. Tel est en principe le cas des surfaces d'assolement situées dans l'espace réservé aux eaux, pour autant qu'elles ne soient pas utilisées pour des mesures de construction (protection contre les crues) ou de revitalisation (élargissement du cours d'eau), mais qu'elles soient exploitées de manière extensive pour l'agriculture. Il est donc conforme à la loi que l'art. 41cbis OEaux ne prévoit pas d'obligation d'indemnisation dans de tels cas (consid. 9.4). Regesto Art. 36a cpv. 3 LPAc; art. 41cbis OPAc; art. 26 segg. OPT; delimitazione di spazi riservati alle acque nella zona agricola: in che misura le superfici per l'avvicendamento delle colture devono essere compensate? Interpretazione dell'art. 36a cpv. 3 LPAc secondo il testo (consid. 9.1), i lavori preparatori (consid. 9.2) e alla luce del piano settoriale delle superfici per l'avvicendamento delle colture (consid. 9.3). I contingenti delle superfici per l'avvicendamento delle colture fissati dal Consiglio federale devono garantire una "scorta di emergenza in terreni" per l'alimentazione in tempi di crisi. Per essere imputabile alla quota minima cantonale è quindi decisivo che la fertilità del suolo possa essere mantenuta a lungo termine e che in caso di emergenza la superficie possa essere coltivata di nuovo in maniera intensiva. Ciò è di principio il caso delle superfici per l'avvicendamento delle colture ubicate nello spazio riservato alle acque, purché non vengano utilizzate per provvedimenti edilizi (protezione contro le piene) o rivitalizzazioni (ampliamento di canali), ma sfruttate in maniera estensiva per l'agricoltura. È quindi conforme alla legge che l'art. 41cbis OPAc non prevede un obbligo di compensazione in tali casi (consid. 9.4).

Originalentscheid beim Gericht ↗

Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.

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