Dominikanische Staatsangehörige und Tochter beantragen Aufenthaltsbewilligung für Kanton Zürich nach Trennung von spanischem Ehemann: Anspruch nach FZA und AuG verneint, kein Schutz nach EMRK (Art. 50 AuG, Art. 3 Abs. 6 FZA, Art. 8 EMRK)
- BGE / ATF / DTF
- BGE 144 II 1 · ATF 144 II 1 · DTF 144 II 1
- Datum
- 29.11.2017
- Geschäftsnummer
- 2C_222/2017
- Abteilung
- II. Öffentlich-rechtliche Abteilung
- Ausgang
- Abgewiesen
Tragende Normen
Zusammenfassung
Eine dominikanische Staatsangehörige und ihre Tochter erhoben Beschwerde gegen die Ablehnung ihres Gesuchs um Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung für den Kanton Zürich. Die Beschwerdeführerinnen waren ursprünglich aufgrund ihrer Ehe mit einem spanischen Staatsangehörigen in der Schweiz aufgenommen worden. Nach der Trennung von ihrem Ehemann, der seit Ende Juli 2012 in Spanien lebt, beantragten sie eine neue Aufenthaltsbewilligung. Die Vorinstanzen wiesen das Gesuch ab. Die Beschwerdeführerinnen machten geltend, sie hätten einen Anspruch auf Aufenthalt gestützt auf das Freizügigkeitsabkommen (FZA), das Ausländer- und Integrationsgesetz (AuG), die Bundesverfassung sowie die Europäische Menschenrechtskonvention. Sie beriefen sich insbesondere auf das abgeleitete Aufenthaltsrecht als Familienangehörige eines EU-Bürgers, auf die Regelung für ehemalige Familienangehörige nach Art. 50 AuG sowie auf das Recht auf Achtung des Familienlebens nach Art. 8 EMRK. Die Beschwerdeführerinnen argumentierten zudem, die Tochter habe eine enge Beziehung zu ihrem Onkel (Ehemann der Schwester der Mutter) entwickelt, der ihr als Ersatzvater diene.
Das Bundesgericht wies die Beschwerde ab. Es stellte fest, dass die Beschwerdeführerin 1 seit Dezember 2011 von ihrem spanischen Ehemann getrennt lebt und dieser seit Ende Juli 2012 in Spanien wohnt; damit besteht kein abgeleitetes Aufenthaltsrecht mehr nach Art. 3 Abs. 1 Anhang I FZA. Da der Ehemann lediglich eine Aufenthaltsbewilligung EU/EFTA besass und keine Niederlassungsbewilligung, erfüllen die Beschwerdeführerinnen die Voraussetzungen für einen selbständigen Aufenthaltsanspruch nach Art. 50 Abs. 1 AuG nicht, denn dieser setzt voraus, dass der ehemalige Ehegatte das Schweizer Bürgerrecht oder eine Niederlassungsbewilligung hatte. Auch Art. 3 Abs. 6 Anhang I FZA greift nicht, weil die Tochter nicht Kind eines Staatsangehörigen einer Vertragspartei ist. Ein Anspruch aus Art. 8 EMRK scheitert daran, dass zwischen der Tochter und dem Ehemann ihrer Tante keine genügend nahe, echte und tatsächlich gelebte Beziehung besteht, die über die üblichen familiären Bindungen hinausgeht; die Tochter lebt primär mit ihrer Mutter zusammen, welche allein für sie finanziell aufkommt, und es fehlt ein besonderes Abhängigkeitsverhältnis. Das Bundesgericht verneinte auch eine Verletzung des rechtlichen Gehörs und von Art. 12 KRK, da die Tochter durch ihre Mutter wirksam vertreten war und der Sachverhalt zur Beurteilung der Beziehung nicht abklärungsbedürftig war. Die Gerichtskosten von Fr. 2'000.-- wurden den Beschwerdeführerinnen auferlegt. Die Entscheidung klärt, dass Art. 2 FZA nicht dazu führt, Art. 50 AuG auf Fälle anzuwenden, in denen der EU-Angehörige kein Aufenthaltsrecht in der Schweiz mehr besitzt.
Regeste
Art. 8 EMRK, Art. 2 FZA, Art. 3 Abs. 1 und Art. 3 Abs. 6 Anhang I FZA, Art. 12 KRK, Art. 11 BV und Art. 50 AuG; keine Aufenthaltsbewilligung für eine drittstaatsangehörige Ehefrau (mit Tochter) nach Auflösung der Ehegemeinschaft mit einem EU-Angehörigen, der kein Aufenthaltsrecht in der Schweiz (mehr) hat. Rechtsansprüche auf Aufenthaltsbewilligung für die Ehefrau eines EU-Angehörigen und ihr Kind (E. 2). Auf Art. 3 Abs. 1 Anhang I FZA können sich Frau und Tochter wegen des Getrenntlebens vom Ehemann nicht berufen, ebenso wenig auf Art. 3 Abs. 6 Anhang I FZA, weil die Tochter nicht das Kind eines Staatsangehörigen einer Vertragspartei ist (E. 3). Im Lichte des Diskriminierungsverbots von Art. 2 FZA rechtfertigt es sich zwar, ehemalige Ehegatten von EU-Angehörigen gleich zu behandeln wie die ehemaligen Ehegatten von Schweizer Bürgern, d.h., Art. 50 AuG auch dann anzuwenden, wenn der Ex-Ehegatte nur eine Aufenthaltsbewilligung EU/EFTA und nicht eine Niederlassungsbewilligung besass. Indessen ist der Anwendungsbereich von Art. 2 FZA abhängig von einem Aufenthaltsanspruch des EU-angehörigen Ex-Ehegatten; hat dieser - wie hier - kein Aufenthaltsrecht in der Schweiz (mehr), entfällt auch das Diskriminierungsverbot für die Regelung seiner familiären Beziehungen (E. 4). Art. 11 BV vermittelt keinen Anspruch auf Erteilung bzw. Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung (E. 5), und im konkret beurteilten Fall ergeben sich auch keine solchen aus Art. 8 EMRK; Art. 12 KRK ist nicht verletzt (E. 6). Regeste Art. 8 CEDH, art. 2 ALCP, art. 3 al. 1 et art. 3 al. 6 annexe I ALCP, art. 12 CDE, art. 11 Cst. et art. 50 LEtr; pas d'autorisation de séjour pour une ressortissante d'un Etat tiers (et sa fille) après dissolution de l'union conjugale avec un ressortissant de l'UE qui ne dispose (plus) d'aucun droit de séjour en Suisse. Droit à une autorisation de séjour pour l'épouse d'un ressortissant de l'UE et la fille de celle-ci (consid. 2). La mère et l'enfant ne peuvent pas se prévaloir de l'art. 3 al. 1 annexe I ALCP en raison de l'absence de ménage commun avec l'époux; elles ne peuvent pas non plus se prévaloir de l'art. 3 al. 6 annexe I ALCP, parce que l'enfant n'est pas descendante d'un ressortissant d'un Etat partie (consid. 3). Eu égard à l'interdiction de la discrimination de l'art. 2 ALCP, il se justifie toutefois de traiter l'ex-épouse d'un ressortissant de l'UE de la même manière que l'ex-épouse d'un ressortissant suisse et par conséquent de lui appliquer l'art. 50 LEtr même si la première ne bénéficiait que d'une autorisation de séjour UE/AELE et non pas d'une autorisation d'établissement. A cet égard, le champ d'application de l'art. 2 ALCP dépend du droit à une autorisation de séjour de l'ex-époux ressortissant de l'UE; si ce dernier, comme en l'espèce, ne dispose (plus) d'aucun droit de séjour en Suisse, l'interdiction de la discrimination ne trouve pas d'application aux fins de régler ses relations familiales (consid. 4). L'art. 11 Cst. ne confère aucun droit à l'octroi ou à la prolongation de l'autorisation de séjour (consid. 5), et, dans le cas d'espèce, l'art. 8 CEDH n'en confère pas non plus; l'art. 12 CDE n'est pas violé (consid. 6). Regesto Art. 8 CEDU, art. 2 ALC, art. 3 cpv. 1 e art. 3 cpv. 6 Allegato I ALC, art. 12 CDF, art. 11 Cost. e art. 50 LStr; niente autorizzazione di soggiorno per una cittadina di uno Stato terzo (e sua figlia) dopo lo scioglimento dell'unione coniugale con un cittadino dell'UE, che non fruisce (più) di alcun diritto di soggiorno in Svizzera. Diritto al rilascio di un'autorizzazione di soggiorno della moglie di un cittadino dell'UE e della di lei figlia (consid. 2). La madre e la figlia non possono prevalersi dell'art. 3 cpv. 1 Allegato I ALC poiché non convivono con l'uomo e neanche dell'art. 3 cpv. 6 Allegato I ALC, dal momento che la bambina non è figlia di un cittadino di una parte contraente (consid. 3). Tenuto conto del divieto di discriminazione di cui all'art. 2 ALC si giustifica nondimeno di trattare gli ex coniugi di cittadini dell'UE allo stesso modo degli ex coniugi di cittadini svizzeri e, quindi, di applicare l'art. 50 LStr anche se l'ex coniuge beneficiava unicamente di un'autorizzazione di soggiorno UE/AELS e non di un permesso di domicilio. Il campo di applicazione dell'art. 2 ALC dipende tuttavia dal diritto a un'autorizzazione di soggiorno dell'ex consorte cittadino UE; se questi, come nel caso di specie, non fruisce (più) di alcun diritto di soggiorno in Svizzera, il divieto di discriminazione non si applica per disciplinare le sue relazioni familiari (consid. 4). L'art. 11 Cost. non conferisce alcun diritto al rilascio o alla proroga dell'autorizzazione di soggiorno (consid. 5) e, nel caso concreto, nemmeno l'art. 8 CEDU; l'art. 12 CDF non è stato disatteso (consid. 6).
Originalentscheid beim Gericht ↗
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