Verkauf einer ausserkantonalen Ersatzliegenschaft innerhalb kurzer Zeit nach Erwerb: Einheitsmethode gilt uneingeschränkt, Besteuerung durch Wegzugskanton verboten (Art. 127 Abs. 3 BV)
- BGE / ATF / DTF
- BGE 143 II 694 · ATF 143 II 694 · DTF 143 II 694
- Datum
- 28.09.2017
- Geschäftsnummer
- 2C_70/2017
- Abteilung
- II. Öffentlich-rechtliche Abteilung
- Ausgang
- Gutgeheissen
Tragende Normen
Zusammenfassung
Die Beschwerdeführerin verkaufte 2008 ihre selbst bewohnte Liegenschaft im Kanton Bern und erwarb daraufhin eine Ersatzliegenschaft im Kanton Genf, wodurch der Grundstückgewinn steuerlich aufgeschoben wurde. Bereits am 16. Juni 2010 veräusserte sie diese Ersatzliegenschaft wieder, ohne ein weiteres Ersatzobjekt zu erwerben. Die Steuerverwaltung des Kantons Bern veranlagte sie 2012 für den Grundstückgewinn des Jahres 2010. Die kantonalen Rechtsmittel wurden abgewiesen. Vor dem Bundesgericht stritten die Parteien darüber, ob der Kanton Bern als Wegzugskanton die Nachbesteuerung vornehmen darf oder ob allein der Kanton Genf als Zuzugskanton zuständig ist – insbesondere angesichts der kurzen Haltedauer der Ersatzliegenschaft.
Das Bundesgericht hob das Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern auf und stellte klar, dass die Einheitsmethode auch bei sogenannten reinvestitionsnahen Handänderungen gilt, also wenn die ausserkantonale Ersatzliegenschaft kurz nach ihrem Erwerb wieder veräussert wird. Es folgte seiner eigenen Rechtsprechung in BGE 143 II 233, wonach Art. 12 Abs. 3 lit. e StHG keine Mindesthaltedauer vorsieht und insbesondere keine gesetzliche Fünfjahresfrist für die dauernde und ausschliessliche Selbstnutzung ableitbar ist. Damit entfällt die Grundlage für eine partielle Anwendung der Zerlegungsmethode. Da der Kanton Bern als Wegzugskanton den latenten Steuergewinn nachversteuern wollte, verstösst dies gegen das Verbot der virtuellen interkantonalen Doppelbesteuerung nach Art. 127 Abs. 3 BV. Der Beschwerdeführerin fehlten zudem sämtliche Anzeichen eines Rechtsmissbrauchs, etwa spekulative Absichten beim Erwerb oder Umwidmungszwecke; daher war der Steueraufschub rechtmässig gewährt worden. Die Kosten des Bundesgerichtsverfahrens in Höhe von Fr. 15'000.-- wurden dem Kanton Bern auferlegt, und dieser muss der Beschwerdeführerin eine Parteientschädigung von Fr. 10'000.-- zahlen. Die Sache wurde zur Neuverlegung der Kosten und Parteientschädigung des vorangegangenen Verfahrens an das Verwaltungsgericht des Kantons Bern zurückgewiesen. Diese Entscheidung präzisiert die Anwendung der Einheitsmethode und schliesst eine kantonale Ergänzung durch Sperrfristen aus, solange kein Rechtsmissbrauch vorliegt.
Regeste
Art. 127 Abs. 3 BV; Art. 12 Abs. 3 lit. e StHG; Aufschub der Grundstückgewinnsteuer zufolge Ersatzbeschaffung; interkantonale Zuordnung der Besteuerungskompetenz; Anwendung der Einheitsmethode auch auf reinvestitionsnahe Handänderungen. Gemäss der bundesgerichtlichen Praxis sieht Art. 12 Abs. 3 lit. e StHG keine Mindesthaltedauer von fünf Jahren als Voraussetzung für eine dauernde und ausschliessliche Selbstnutzung vor und sind die Kantone auch nicht befugt, in dieser Hinsicht zusätzliche Anforderungen an einen Steueraufschub bei einer Ersatzbeschaffung zu stellen (BGE 143 II 233). Ebenso ist bezüglich der interkantonalen Zuordnung der Besteuerungskompetenz auf die Statuierung einer (fünfjährigen) Mindesthaltedauer und mithin auf die partielle Anwendung der sog. Zerlegungsmethode zu verzichten. Vielmehr gelangt auch bei reinvestitionsnahen Handänderungen die Einheitsmethode zur Anwendung. Dies bedeutet, dass das Recht zur Besteuerung des latenten Steuersubstrats bei einem Abreissen der Ersatzbeschaffungskette auch in diesen Fällen insgesamt und ausschliesslich dem Zuzugskanton bzw. dem letzten von mehreren Zuzugskantonen zukommt. Vorbehalten bleibt einzig das Rechtsmissbrauchsverbot (E. 4). Regeste Art. 127 al. 3 Cst.; art. 12 al. 3 let. e LHID; report de l'impôt sur les gains immobiliers ensuite d'une acquisition en remploi; attribution intercantonale de la compétence d'imposer; application de la méthode unitaire également aux transferts équivalant à un réinvestissement. Conformément à la pratique du Tribunal fédéral, l'art. 12 al. 3 let. e LHID ne prévoit pas de durée minimale de détention de cinq ans comme condition pour admettre un usage propre, durable et exclusif. A cet égard, les cantons ne sont pas habilités à poser des exigences supplémentaires en cas d'imposition différée lors d'une acquisition en remploi (ATF 143 II 233). Ainsi, en rapport avec l'attribution intercantonale de la compétence d'imposer, il convient de renoncer à l'exigence d'une durée minimale de détention (de cinq ans) et, partant, à l'application partielle de la méthode dite du découpage. Il convient bien plus d'appliquer la méthode unitaire également aux transferts équivalant à un réinvestissement. Cela signifie que le droit d'imposer le substrat fiscal latent lorsque la chaîne d'acquisition en remploi est brisée revient également dans ces cas entièrement et exclusivement au canton sur lequel s'est installé l'assujetti, respectivement le dernier des cantons sur lequel celui-ci s'est installé. Les cas d'abus de droit sont réservés (consid. 4). Regesto Art. 127 cpv. 3 Cost.; art. 12 cpv. 3 lett. e LAID; differimento dell'imposta sugli utili immobiliari a seguito di un acquisto sostitutivo; attribuzione intercantonale della competenza d'imporre; applicazione del metodo unitario anche per trasferimenti simili a un reinvestimento. Conformemente alla prassi del Tribunale federale, per l'ammissione di un uso personale, durevole ed esclusivo, l'art. 12 cpv. 3 lett. e LAID non prevede nessuna durata minima di detenzione di cinque anni. In quest'ottica, i cantoni non sono nemmeno abilitati a porre esigenze supplementari all'imposizione differita a seguito di un acquisto sostitutivo (DTF 143 II 233). Lo stesso vale riguardo all'attribuzione intercantonale della competenza d'imporre; anche in questo contesto, occorre rinunciare all'esigenza di una durata minima di detenzione (di cinque anni) e, di conseguenza, all'applicazione parziale del cosiddetto metodo della ripartizione. Pure per trasferimenti simili a un reinvestimento, trova piuttosto applicazione il metodo unitario. Ciò significa che il diritto d'imporre il substrato fiscale latente quando la catena di acquisizioni in sostituzione è interrotta spetta in questo caso interamente ed esclusivamente al cantone nel quale si è installato l'assoggettato, rispettivamente all'ultimo di più cantoni. Resta riservato solo l'abuso di diritto (consid. 4).
Originalentscheid beim Gericht ↗
Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.
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