Justizze.

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Justizze. Art. 59 ZG

Bundesgericht

Zollpflichtige verwendet falschen Abfertigungscode bei aktiver Veredelung: Gesuch nach Art. 59 Abs. 4 ZG ist fristgerecht eingereicht und materiell zu prüfen (Art. 59 Abs. 4 ZG)

BGE / ATF / DTF
BGE 143 II 646 · ATF 143 II 646 · DTF 143 II 646
Datum
23.10.2017
Geschäftsnummer
2C_745/2015
Abteilung
II. Öffentlich-rechtliche Abteilung
Ausgang
Gutgeheissen

Tragende Normen

Art. 42 BGG Art. 83 BGG Art. 95 BGG Art. 99 BGG Art. 100 BGG Art. 59 ZG

Zusammenfassung

Eine Zollpflichtige erhielt sieben Bewilligungen für die aktive Veredelung und führte Waren zwischen dem 7. April und 23. Juni 2014 aus. Bei den elektronischen Ausfuhranmeldungen verwendete sie fälschlich den Abfertigungscode 21 statt des vorgeschriebenen Codes 31, obwohl sie im Feld 'Warenbezeichnung' auf das Verfahren der aktiven Veredelung hinwies und die korrekte Bewilligungsnummer angab. Die Oberzolldirektion stellte den Fehler bei der internen Kontrolle fest und teilte am 4. September 2014 mit, dass Ausfuhren bis zum 23. Mai 2014 nicht abgerechnet werden könnten. Die Zollpflichtige beantragte am 5. September 2014 die Korrektur aller Ausfuhren vom 7. April bis 23. Juni 2014. Die Zollkreisdirektion Schaffhausen trat nur auf den Teil der Beschwerde ein, der die Ausfuhren ab dem 26. Mai 2014 betraf, da sie die 60-tägige Beschwerdefrist für die übrigen Ausfuhren als verstrichen ansah. Das Bundesverwaltungsgericht bestätigte diesen Nichteintretensentscheid, weil es die Ausfuhrzollausweise als Veranlagungsverfügungen qualifizierte, gegen die innerhalb von 60 Tagen Beschwerde einzulegen sei.

Das Bundesgericht hebt den Entscheid des Bundesverwaltungsgerichts auf und weist die Sache an die Eidgenössische Zollverwaltung zurück, damit diese das Gesuch der Zollpflichtigen vom 5. September 2014 materiell behandelt. Die Vorinstanz irrte darin, die Ausfuhrzollausweise als Veranlagungsverfügungen im Sinne von Art. 38 ZG zu qualifizieren; für den vorliegenden Fall sieht das Gesetz vielmehr ein spezielles Gesuchsverfahren nach Art. 59 Abs. 4 ZG vor. Die Zollpflichtige hatte bei ihren Ausfuhranmeldungen den falschen Abfertigungscode 21 statt des richtigen Codes 31 verwendet, was zu einer Vermengung von Verfahrensarten führte. Der Gesetzgeber hat jedoch mit Art. 59 Abs. 4 ZG eine lex specialis geschaffen, die es ermöglicht, die Fälligkeit der Einfuhrzollabgaben zurückzudrängen, wenn nachweislich fristgerecht ausgeführt wurde. Die 60-tägige Frist nach Art. 59 Abs. 4 Satz 2 ZG beginnt mit dem Ablauf der Ausfuhrfrist, die hier zwölf Monate betrug und frühestens Ende März bis Anfang April 2015 endete. Die Eingabe vom 5. September 2014 erfolgte daher rechtzeitig. Die Zollpflichtige hatte zudem sinngemäss ein Verfahren nach Art. 59 Abs. 4 Satz 2 ZG angestrebt. Die Kosten des bundesgerichtlichen Verfahrens von Fr. 3'000.-- werden der Eidgenössischen Zollverwaltung auferlegt, und die Zollpflichtige erhält eine Parteientschädigung von Fr. 4'000.--. Diese Entscheidung klärt die zeitliche Bemessung der Frist nach Art. 59 Abs. 4 Satz 2 ZG und stellt klar, dass das Gesuch nach dieser Norm unabhängig von der Qualifikation der Zollausweise als Verfügung fristgerecht gestellt wurde.

Regeste

Art. 3 lit e VwVG; Art. 12, 18, 25, 28 Abs. 1 lit. a und 59 Abs. 4 ZG; Art. 168 ZV; Art. 6 Abs. 2 lit. a ZV-EZV. Codierungsfehler der zollpflichtigen Person im elektronisch abgewickelten Verfahren der aktiven Veredelung. Wenn die zollpflichtige Person bei Ausfuhr der aktiv veredelten Waren zwar sämtliche Vorschriften befolgt, so namentlich die Ausfuhrfrist einhält, aber bei Vornahme der elektronischen Ausfuhrzollanmeldung im IT-System "NCTS" einen unzutreffenden Zollcode setzt, bewirkt dies den nicht ordnungsgemässen Abschluss des Verfahrens der aktiven Veredelung. Dadurch werden die bislang aufgeschobenen Einfuhrzollabgaben fällig. Der formelle Mangel, der in der unzutreffenden Codierung liegt, kann aber geheilt werden, indem die zollpflichtige Person den Nachweis erbringt, dass die veredelten Waren ausgeführt worden sind. Hierzu hat die zollpflichtige Person innerhalb von 60 Tagen nach Ablauf der Ausfuhrfrist bei der Eidgenössischen Zollverwaltung ein begründetes Gesuch einzureichen. Die Zollverwaltung hat dieses mit freier Beweiswürdigung zu prüfen und darüber zu entscheiden (E. 2 und 3). Regeste Art. 3 let. e PA; art. 12, 18, 25, 28 al. 1 let. a et 59 al. 4 LD; art. 168 OD; art. 6 al. 2 let. a OD-AFD. Erreur de codification de la personne assujettie aux obligations douanières dans le cadre du régime électronique du perfectionnement actif. L'indication d'un code douanier inexact, lors de la procédure de déclaration d'exportation douanière électronique dans le système informatique "NCTS", entraîne une clôture non réglementaire du régime du perfectionnement actif, même lorsque la personne assujettie aux obligations douanières respecte toutes les dispositions pour l'exportation de marchandises activement perfectionnées, notamment le délai d'exportation. De ce fait, les droits à l'importation, qui avaient été différés jusque-là, deviennent exigibles. Le vice formel consistant en une codification incorrecte peut toutefois être réparé si la personne assujettie apporte la preuve que les marchandises perfectionnées ont été exportées. A cette fin, l'assujetti doit, dans les 60 jours suivant l'échéance du délai d'exportation, déposer une demande motivée auprès de l'Administration fédérale des douanes. Celle-ci examine la demande en application du principe de la libre appréciation des preuves et décide en conséquence (consid. 2 et 3). Regesto Art. 3 lett. e PA; art. 12, 18, 25, 28 cpv. 1 lett. a e 59 cpv. 4 LD; art 168 OD; art. 6 cpv. 2 lett. a OD-AFD. Errore di codificazione da parte della persona assoggettata agli obblighi doganali nel quadro del regime elettronico del perfezionamento attivo. L'indicazione di un codice doganale inesatto, nell'ambito della procedura di dichiarazione di esportazione doganale elettronica nel sistema informatico "NCTS", comporta una chiusura non regolamentare del regime di perfezionamento attivo, anche quando la persona assoggettata agli obblighi doganali rispetta tutte le disposizioni per l'esportazione di merci attivamente perfezionate, in particolare il termine di esportazione. In tal modo, i tributi doganali all'importazione fin lì differiti diventano esigibili. È tuttavia possibile rimediare al vizio di forma, consistente nella codificazione non corretta, se la persona assoggettata apporta la prova del fatto che le merci perfezionate sono state esportate. A tale scopo, nei 60 giorni successivi alla scadenza del termine di esportazione, l'assoggettato deve depositare una domanda motivata presso l'Amministrazione federale delle dogane. Quest'ultima deve esaminarla in applicazione del principio del libero apprezzamento delle prove e decidere in merito (consid. 2 e 3).

Originalentscheid beim Gericht ↗

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