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Justizze. Art. 102 OR

Bundesgericht

Kraftwerkbetreiber verlangen Rückerstattungszins ab Zeitpunkt der Akontozahlung: Verzugszins erst ab 10. Februar 2011 geschuldet (Art. 102 ff. OR)

BGE / ATF / DTF
BGE 143 II 37 · ATF 143 II 37 · DTF 143 II 37
Datum
23.05.2016
Geschäftsnummer
2C_348/2015
Abteilung
II. Öffentlich-rechtliche Abteilung
Ausgang
Abgewiesen

Tragende Normen

Art. 62 OR Art. 63 OR Art. 64 OR Art. 102 OR Art. 104 OR Art. 108 OR Art. 31b StromVV

Zusammenfassung

Mehrere Kraftwerkbetreiber hatten für die Jahre 2009 und 2010 Akontozahlungen für Systemdienstleistungen geleistet, die sich später als rechtswidrig erwiesen. Sie beantragten die Rückerstattung dieser Beträge zuzüglich Verzugszins ab dem Zeitpunkt der jeweiligen Zahlung. Die Eidgenössische Elektrizitätskommission (ElCom) und das Bundesverwaltungsgericht hatten einen Verzugszins von 5 % erst ab dem 10. Februar 2011 zugesprochen. Die Kraftwerkbetreiber erhoben dagegen Beschwerde beim Bundesgericht und verlangten einen früheren Beginn des Zinslaufs, gegebenenfalls auch einen Bereicherungszins oder Vergütungszins.

Das Bundesgericht wies die Beschwerde ab und bestätigte, dass der Verzugszins erst ab dem 10. Februar 2011 geschuldet ist. Es stellte fest, dass die Allgemeinen Geschäftsbedingungen der Swissgrid nicht auf die vorliegenden Zahlungen anwendbar sind, da diese nicht im Verhältnis als Netzbetreiber oder Endverbraucher, sondern als Kraftwerkbetreiber geleistet wurden, für die die gesetzwidrige Regelung in Art. 31b Abs. 2 StromVV galt. Die Zahlung unter Vorbehalt stellte keine Mahnung dar, da sie lediglich ein allgemeines Rückforderungsrecht vorbehielt, ohne eine konkrete Zahlungsaufforderung zu enthalten. Die Schreiben der Swissgrid vom 18. August 2010 und 11. November 2010 enthielten keine unmissverständliche Verweigerung der Rückerstattung, sondern nur Hinweise auf noch offene Abklärungen. Der Nichteintretensentscheid der ElCom vom 13. Januar 2011 löste ebenfalls keinen Verzug aus, da Verzug nur aus dem Verhalten des Schuldners selbst resultieren kann, nicht aus Entscheiden Dritter. Ein Vergütungszins war nicht geschuldet, weil die Beschwerdeführerinnen zwar einen Vorbehalt geltend machten, aber keine Rechtsmittel gegen die Tarifverfügungen ergriffen, um die Forderung zu bestreiten. Ein Bereicherungszins war nicht gerechtfertigt, weil der WACC-Zinssatz ein kalkulatorischer, nicht effektiv bezogener Zins ist und kein Nachweis über einen tatsächlichen Zinsertrag der Swissgrid vorgelegt wurde. Die Anwendung der Art. 102 ff. OR erfolgte analog im öffentlichen Recht, da es keine spezialgesetzliche Regelung gab. Die Gerichtskosten von Fr. 40'000.-- wurden den Beschwerdeführerinnen auferlegt. Das Urteil klärt die Voraussetzungen für den Eintritt des Verzugs im Dreiecksverhältnis zwischen Regulierungsbehörde, Netzbetreiber und Kraftwerkbetreiber und stellt klar, dass eine bloße Zahlung unter Vorbehalt nicht automatisch eine Mahnung darstellt.

Regeste

Art. 14 f. StromVG, aArt. 31b StromVV, Art. 62 ff., Art. 102 ff., Art. 108 Abs. 1 OR (analog), Art. 3 Abs. 1 lit. a KG; Zinsen auf der Rückerstattung von (auf gesetzwidriger Grundlage geleisteten) Akontozahlungen für Systemdienstleistungen. Die Swissgrid muss die von den Kraftwerkbetreiberinnen aufgrund der Gesetzwidrigkeit von aArt. 31b StromVV zu Unrecht bezahlten Akontozahlungen aus ungerechtfertigter Bereicherung zurückerstatten. Streitig ist der Zeitpunkt, ab welchem auf den Beträgen Zins in welcher Höhe zu bezahlen ist (E. 2). Rechtsgrundlagen für Zinsen im öffentlichen Recht (Verzugszins, Vergütungszins, Bereicherungszins, E. 5). Da die Stromversorgungsgesetzgebung keine Regelung enthält, ist Art. 102 ff. OR analog anwendbar: Eine Verfalltagsabrede bestand nicht und ergibt sich auch nicht aus den Zahlungen unter Vorbehalt; ebenso wenig war eine Mahnung überflüssig (E. 6). Keine Anwendung des KG auf hoheitliche Preisregelungen (E. 6.2.3). Ein Anspruch auf Vergütungszins besteht nicht: Die Swissgrid ist nicht verfügungsberechtigt, im Gegenteil selber an die Verfügungen der ElCom gebunden und nicht mit einer Veranlagungsbehörde vergleichbar, deren (rechtswidrige) Verfügungen Anlass für einen Vergütungszins geben können (E. 7). Auch ein Bereicherungszins ist nicht geschuldet (E. 8). Regeste Art. 14 s. LApEl, ancien art. 31b OApEl, art. 62 ss, art. 102 ss, art. 108 al. 1 CO (par analogie), art. 3 al. 1 let. a LCart; intérêts sur le remboursement d'acomptes versés (sur une base illégale) pour les services-système. Compte tenu de l'illégalité de l'ancien art. 31b OApEl, la société Swissgrid doit rembourser les acomptes payés à tort par les exploitants de centrales électriques dont il est résulté un enrichissement illégitime. Sont litigieux le moment à partir duquel les intérêts sur ces sommes doivent être payés, ainsi que le montant du taux d'intérêt (consid. 2). Bases légales relatives aux intérêts en droit public (intérêts de retard, intérêts rémunératoires, intérêts sur l'enrichissement, consid. 5). Comme la réglementation sur l'approvisionnement en électricité ne contient pas de dispositions en la matière, les art. 102 ss CO s'appliquent par analogie: il n'y a pas d'accord sur le jour de l'échéance et celui-ci ne découle pas non plus des paiements qui ont été effectués sous réserve de leur exigibilité; en outre, une sommation n'était pas inutile (consid. 6). La loi sur les cartels ne s'applique pas à la réglementation des prix étatique (consid. 6.2.3). Il n'existe pas de droit à des intérêts rémunératoires: Swissgrid n'a pas la compétence pour émettre des décisions et est, au contraire, liée par les décisions de la Commission fédérale de l'électricité (ElCom); elle n'est pas comparable à une autorité de taxation dont les décisions (contraires au droit) peuvent donner droit à des intérêts rémunératoires (consid. 7). Des intérêts sur l'enrichissement ne sont pas non plus dus (consid. 8). Regesto Art. 14 seg. LAEl, vecchio art. 31b OAEl, art. 62 segg., art. 102 segg., art. 108 cpv. 1 CO (per analogia), art. 3 cpv. 1 lett. a LCart; interessi sul rimborso di acconti versati (su una base illegale) per le prestazioni di servizio relative al sistema. Tenuto conto dell'illegalità del vecchio art. 31b OAEl, la società Swissgrid deve rimborsare gli acconti versati a torto dai gestori di centrali elettriche dai quali è scaturito un arricchimento indebito. Sono litigiosi il momento a partire dal quale devono essere pagati gli interessi su questi importi, nonché il tasso d'interesse (consid. 2). Basi legali concernenti gli interessi nel diritto pubblico (interessi moratori, interessi compensativi, interessi sull'arricchimento, consid. 5). Siccome la legislazione sull'approvvigionamento elettrico non disciplina la questione, gli art. 102 segg. CO si applicano per analogia: non vi è consenso sul giorno della scadenza e esso non deriva neanche dai pagamenti effettuati, riservata la loro esigibilità; una diffida non era inoltre inutile (consid. 6). La legge sui cartelli non si applica alla regolamentazione dei prezzi fissati dallo Stato (consid. 6.2.3). Non vi è alcun diritto ad interessi compensativi: Swissgrid non è competente per pronunciare decisioni, essendo invece vincolata dalle decisioni della Commissione dell'energia elettrica (ElCom); essa non è paragonabile ad un'autorità di tassazione le cui decisioni (lesive del diritto) possono dar luogo ad interessi compensativi (consid. 7). Non sono nemmeno dovuti interessi sull'arricchimento (consid. 8).

Originalentscheid beim Gericht ↗

Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.

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