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Justizze. Art. 25a KVG

Bundesgericht

Freiberufliche Pflegefachfrau gegen Gemeinde: Gestaffelte Pflegetarife verletzen weder Wirtschaftsfreiheit noch Art. 25a KVG

BGE / ATF / DTF
BGE 142 V 94 · ATF 142 V 94 · DTF 142 V 94
Datum
17.12.2015
Geschäftsnummer
9C_235/2015
Abteilung
II. sozialrechtliche Abteilung
Ausgang
Abgewiesen

Tragende Normen

Art. 25a KVG

Zusammenfassung

Eine freiberufliche Pflegefachfrau focht die Tarifpraxis der Gemeinde Nottwil an, welche ihr für ambulante Pflegeleistungen unterschiedliche Vergütungen zahlte: Während der Betriebszeiten der lokalen Spitex erhielt sie nur den tieferen Spitex-Tarif, ausserhalb dieser Zeiten den höheren Tarif gemäss den Empfehlungen des Verbandes der Luzerner Gemeinden (VLG). Die Beschwerdeführerin machte geltend, diese Differenzierung verletze ihre Wirtschaftsfreiheit und den bundesrechtlichen Anspruch auf Deckung der Vollkosten sowie die Pflicht zur umfassenden Sicherstellung der häuslichen Pflege.

Das Bundesgericht wies die Beschwerde ab. Es prüfte primär, ob die kantonalen bzw. kommunalen Regelungen zur Restfinanzierung der Pflegekosten mit den Vorgaben von Art. 25a Abs. 5 KVG vereinbar sind. Das Gericht stellte fest, dass es keinen unbeschränkten Anspruch der Leistungserbringer auf Entschädigung ihrer Vollkosten gibt. Die Wirtschaftsfreiheit schützt nicht davor, dass Tarife unter den Vollkosten liegen, solange keine willkürliche Benachteiligung vorliegt und die Versorgung gesichert ist.

Hinsichtlich der Rüge, die umfassende Grundversorgung sei nicht gewährleistet, befand das Gericht, dass die gestaffelte Tarifregelung (§ 8 PFG) genau dies sicherstellt: Innerhalb der Spitex-Zeiten greift der Vertragstarif, ausserhalb werden die Vollkosten nach VLG-Empfehlungen vergütet. Damit sind Pflegeleistungen zu allen Tages- und Nachtzeiten abgedeckt. Die Tatsache, dass die Spitex keine Rand- und Nachtzuschläge einkalkulieren muss und daher tiefere Vollkosten hat, rechtfertigt die niedrigere Vergütung für Leistungen während deren Betriebszeiten. Der Gesetzgeber hat den Kantonen einen weiten Ermessensspielraum bei der Ausgestaltung der Restfinanzierung eingeräumt, den die Luzerner Regelung einhält.

Schliesslich rügte das Gericht, dass die Beschwerdeführerin nicht substanziiert darlegte, warum ihre spezifischen Kosten ausserhalb der Spitex-Zeiten höher sein sollten als die pauschalierten VLG-Empfehlungen, die ihr dort bereits vergütet wurden. Eine Änderung der administrativ aufwändigen Regelung ist Sache des Gesetzgebers, nicht des Gerichts.

Regeste

Art. 25a Abs. 5 KVG; Restfinanzierung der Pflegekosten. Eine freiberufliche Pflegefachperson erbrachte nach einer Reduktion des von der öffentlichen Hand zu tragenden Restfinanzierungsbeitrages weiterhin Leistungen. Sie war aus diesem Grund im kantonalen Verfahren beschwerdelegitimiert. Da es sich um eine konkrete, nicht um eine abstrakte (Leistungs-)Streitigkeit handelt, ist die II. sozialrechtliche Abteilung des Bundesgerichts für die Behandlung der letztinstanzlichen Beschwerde zuständig (E. 1). Eine kantonale Regelung, wonach die Gemeinden höchstens den für Vertragsleistungserbringer geltenden Restfinanzierungsbeitrag zu übernehmen haben, wenn und soweit diese geeignete Pflegeleistungen anbieten, hält sich innerhalb der den Kantonen in Art. 25a Abs. 5 KVG übertragenen Regelungskompetenz (E. 5.3). Regeste Art. 25a al. 5 LAMal; financement résiduel des coûts des soins. Une infirmière indépendante a continué à dispenser des prestations après une réduction du montant résiduel des coûts des soins pris en charge par la collectivité publique. Elle avait pour ce motif la qualité pour recourir en procédure cantonale. Dans la mesure où il s'agit d'un litige (en matière de prestations) non pas abstrait mais concret, la IIe Cour de droit social du Tribunal fédéral est compétente pour statuer en dernière instance sur le recours (consid. 1). Une réglementation cantonale, en vertu de laquelle les communes doivent prendre en charge au maximum le montant résiduel des coûts des soins qui prévaut pour les fournisseurs de prestations liés par une convention, si et pour autant qu'ils offrent des soins appropriés, respecte la compétence réglementaire allouée aux cantons par l'art. 25a al. 5 LAMal (consid. 5.3). Regesto Art. 25a cpv. 5 LAMal; finanziamento residuo dei costi per le cure medico sanitarie. Un'infermiera libera professionista ha continuato a fornire prestazioni dopo una riduzione dell'importo residuo dei costi per le cure medico sanitarie presi a carico dalla collettività pubblica. Per tale motivo essa disponeva della legittimazione ricorsuale nella procedura cantonale. Poiché si tratta di una controversia (in materia di prestazioni) concreta e non astratta, la II Corte di diritto sociale del Tribunale federale è competente per l'esame del ricorso in ultima istanza (consid. 1). Rispetta la competenza normativa concessa ai cantoni dall'art. 25a cpv. 5 LAMal una regolamentazione cantonale in virtù della quale i comuni devono assumere al massimo l'importo residuo dei costi dei fornitori di prestazioni contrattuali per le cure medico sanitarie, nella misura in cui siano offerte prestazioni di cure adeguate (consid. 5.3).

Originalentscheid beim Gericht ↗

Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.

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