Justizze.

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Justizze. Art. 29 BV

Bundesgericht

Beschwerdeführer verlieren Mitbenutzungsrecht an privater Zufahrt: Verletzung des rechtlichen Gehörs durch fehlendes Augenscheinprotokoll führt zur Aufhebung und Rückweisung (Art. 29 Abs. 2 BV, Art. 105 Abs. 2 BGG)

BGE / ATF / DTF
BGE 142 I 86 · ATF 142 I 86 · DTF 142 I 86
Datum
03.05.2016
Geschäftsnummer
1C_457/2015
Abteilung
I. Öffentlich-rechtliche Abteilung
Ausgang
Rückweisung

Tragende Normen

Art. 97 BGG Art. 105 BGG Art. 29 BV

Zusammenfassung

A. und B. C.________ beantragten beim Gemeinderat Teufen die Mitbenutzung einer privaten Zufahrt über die Grundstücke Nrn. 292 und 1937, um ihr Grundstück Nr. 290 erschliessen zu können. Der Gemeinderat wies das Gesuch ab. Das Departement Bau und Umwelt hob die Ablehnung auf und ordnete die Eintragung eines Mitbenutzungsrechts an. Darauf erhob die Eigentümerin D.________ Beschwerde beim Obergericht Appenzell Ausserrhoden, das diese guthiess und den Entscheid des Departements aufhob. Gegen diesen Entscheid erhoben A. und B. C.________ Beschwerde ans Bundesgericht. Streitig war insbesondere, ob das Obergericht bei seinem Augenschein am 25. März 2015 das rechtliche Gehör der Beschwerdeführer gewahrt hatte.

Das Bundesgericht hob den Entscheid des Obergerichts Appenzell Ausserrhoden vom 25. März 2015 auf und verwies die Sache zur erneuten Beurteilung zurück. Es stellte fest, dass das Obergericht bei seinem Augenschein am 25. März 2015 das rechtliche Gehör der Beschwerdeführer verletzt hatte, weil es weder ein schriftliches Augenscheinprotokoll erstellt noch den Parteien vor der Urteilsfällung Gelegenheit gegeben hatte, sich zum Ergebnis des Augenscheins zu äussern. Am Augenschein wurden Sachverhaltsfeststellungen getroffen, die für den Entscheid erheblich waren, und es fand keine Parteiverhandlung danach statt. Die vom Obergericht nachträglich erstellte Fotodokumentation mit Kommentaren, Massangaben und Hervorhebungen wurde den Beschwerdeführern erst im Bundesgerichtsverfahren zugestellt, sodass sie sich weder vor dem Obergericht noch in ihrer Beschwerdeschrift dazu äussern konnten. Obwohl die Beschwerdeführer auf eine mündliche Hauptverhandlung verzichtet hatten, hatten sie ausdrücklich an einer mündlichen Beweisverhandlung festgehalten, sodass kein Verzicht auf das rechtliche Gehör im Augenscheinverfahren vorlag. Dieser Mangel war nicht heilbar, weil das Bundesgericht gemäss Art. 97 und 105 BGG nur eingeschränkt über den Sachverhalt kognoszieren darf. Die Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör beruhte auf Art. 29 Abs. 2 BV, dessen Anwendung das Bundesgericht unter Bezugnahme auf Art. 105 Abs. 2 BGG und die Rechtsprechung (BGE 130 II 473) konkretisierte. Die Beschwerdeführer obsiegten daher vollumfänglich; die private Beschwerdegegnerin wurde gemäss Art. 66 und 68 BGG kosten- und entschädigungspflichtig. Die Entscheidung ist bemerkenswert, weil sie klärt, dass auch im Verwaltungsjustizverfahren ein schriftliches Augenscheinprotokoll erforderlich ist und Fotodokumentation allein nicht ausreicht, um das rechtliche Gehör zu wahren.

Regeste

Protokollierungspflicht für Augenscheine im Verwaltungsjustizverfahren (Art. 29 Abs. 2 BV). Die Ergebnisse des Augenscheins müssen grundsätzlich schriftlich protokolliert und den Parteien muss Gelegenheit gegeben werden, sich vor Entscheidfällung zum Protokoll zu äussern (E. 2.2 und 2.3). Offengelassen, ob es in sachverhaltlich einfach gelagerten Fällen genügt, nach dem Augenschein eine Parteiverhandlung durchzuführen und die Ergebnisse des Augenscheins und die Äusserungen der Parteien in den Urteilserwägungen festzuhalten (E. 2.4). Diese müssen jedenfalls die Möglichkeit haben, noch vor Urteilsfällung (und nicht erst im Rechtsmittelverfahren) zu einer Fotodokumentation vom Augenschein Stellung zu nehmen (E. 2.5), sofern sie darauf nicht verzichten (E. 2.4 und 2.6). Regeste Devoir de verbalisation des inspections locales effectuées lors de procédures judiciaires administratives (art. 29 al. 2 Cst.). Les résultats d'une inspection locale doivent en principe être verbalisés par écrit et les parties doivent pouvoir se déterminer sur ce procès-verbal avant le prononcé de la décision (consid. 2.2 et 2.3). Question non tranchée de savoir s'il est suffisant, dans des cas où l'état de fait est simple, de tenir une séance avec les parties après la vision locale, puis de constater les résultats de celle-ci, ainsi que les déterminations des parties dans les considérants du jugement (consid. 2.4). Les parties doivent dans tous les cas avoir la possibilité, préalablement au prononcé du jugement (et donc pas seulement dans le cadre d'une procédure de recours), de prendre position sur une documentation photographique résultant de l'inspection locale (consid. 2.5), cela dans la mesure où elles n'y ont pas renoncé (consid. 2.4 et 2.6). Regesto Obbligo di verbalizzazione di sopralluoghi esperiti nell'ambito di procedimenti giudiziari amministrativi (art. 29 cpv. 2 Cost.). Le risultanze del sopralluogo devono di massima essere verbalizzate per iscritto e alle parti dev'essere concessa la facoltà di esprimersi sul verbale prima che sia adottata la sentenza (consid. 2.2 e 2.3). La questione di sapere se, nei casi in cui la fattispecie è semplice, sia sufficiente tenere un'udienza in presenza delle parti dopo il sopralluogo e rilevarne le risultanze e le dichiarazioni delle parti nei considerandi è stata lasciata aperta (consid. 2.4). In ogni modo le parti devono avere la possibilità prima dell'emanazione del giudizio (e non soltanto nell'ambito di una procedura ricorsuale), nella misura in cui non vi rinuncino (consid. 2.4 e 2.6), di prendere posizione su una documentazione fotografica allestita durante il sopralluogo (consid. 2.5).

Originalentscheid beim Gericht ↗

Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.

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