Regierungsrat Thurgau ficht Zwischenverfügung zur Spitalliste Psychiatrie an: Nichteintreten wegen speziellem Instanzenzug (Art. 53 Abs. 1 KVG)
- BGE / ATF / DTF
- BGE 141 V 361 · ATF 141 V 361 · DTF 141 V 361
- Datum
- 21.05.2015
- Geschäftsnummer
- 9C_849/2014
- Abteilung
- II. sozialrechtliche Abteilung
- Ausgang
- Nichteintreten
Tragende Normen
Art. 83 BGG Art. 120 BGG Art. 39 KVG Art. 53 KVG Art. 34 VGG
Zusammenfassung
Der Regierungsrat des Kantons Thurgau ergänzte die kantonale Spitalliste Psychiatrie 2012 und erteilte der Klinik A.________ einen Leistungsauftrag für Erwachsenenpsychiatrie ohne Beschränkung der Bettenkapazität. Der Kanton Zürich erhob dagegen Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht und beantragte die Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung. Das Bundesverwaltungsgericht stellte diese mit einer Zwischenverfügung wieder her. Der Regierungsrat des Kantons Thurgau focht diesen Zwischenentscheid beim Bundesgericht an und machte geltend, das Bundesverwaltungsgericht sei nicht zuständig oder der Kanton Zürich nicht legitimiert.
Das Bundesgericht trat auf die Beschwerde nicht ein. Es hielt fest, dass gegen Beschlüsse der Kantonsregierungen über die Spitalplanung und Zulassung von Leistungserbringern nach Art. 39 KVG ausschliesslich die Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht offensteht (Art. 53 Abs. 1 KVG). Der besondere Instanzenzug schliesst den Weiterzug an das Bundesgericht aus (Art. 83 lit. r BGG i.V.m. Art. 34 VGG). Eine Differenzierung des Rechtsweges je nach Status der Parteien – hier zwei Kantone – ist gesetzlich nicht vorgesehen. Würde man ein Klageverfahren nach Art. 120 Abs. 1 lit. b BGG zulassen, umginge man den gesetzlichen Rechtsmittelausschluss, was widersprüchliche Entscheide ermöglichen würde. Da der angefochtene Zwischenentscheid des Bundesverwaltungsgerichts daher nicht vor Bundesgericht anfechtbar war, wurde die Beschwerde als unzulässig abgewiesen bzw. darauf nicht eingetreten. Dem unterliegenden Kanton Thurgau wurden keine Gerichtskosten auferlegt.
Regeste
Art. 53 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 39 KVG; Art. 83 lit. r BGG; keine Weiterzugsmöglichkeit von Spitalplanungsentscheiden an das Bundesgericht. Gegen einen Zulassungsentscheid gemäss Art. 39 KVG steht allen Betroffenen ausschliesslich die Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht offen. Der in Art. 83 lit. r BGG ausgeschlossene Beschwerdeweg an das Bundesgericht kann auch dann nicht über Art. 120 Abs. 1 lit. b BGG wieder offenstehen, wenn zwei Kantone am Recht stehen (E. 1.4). Regeste Art. 53 al. 1 en lien avec l'art. 39 LAMal; art. 83 let. r LTF; impossibilité de déférer les décisions en matière de planification hospitalière au Tribunal fédéral. Seul le recours au Tribunal administratif fédéral est ouvert à tous les intéressés contre une décision d'admission au sens de l'art. 39 LAMal. La voie de droit au Tribunal fédéral exclue à l'art. 83 let. r LTF n'est pas rouverte en application de l'art. 120 al. 1 let. b LTF même lorsque le litige oppose deux cantons (consid. 1.4). Regesto Art. 53 cpv. 1 in relazione con l'art. 39 LAMal; art. 83 lett. r LTF; non vi è possibilità di ricorso al Tribunale federale contro le decisioni in materia di pianificazione ospedaliera. Contro una decisione di autorizzazione in conformità dell'art. 39 LAMal è dato a ogni interessato solo il ricorso al Tribunale amministrativo federale. Il rimedio di diritto al Tribunale federale, escluso dall'art. 83 lett. r LTF, non è neppure ammissibile in applicazione dell'art. 120 cpv. 1 lett. b LTF neanche se la disputa oppone due cantoni (consid. 1.4).
Originalentscheid beim Gericht ↗
Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.
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