AHV-Beitragspflicht auf Gewinne aus ausländischen Limited Partnerships: Qualifikation als selbstständige Erwerbstätigkeit bei gewerbsmässigem Investor (Art. 20 Abs. 3 AHVV)
- BGE / ATF / DTF
- BGE 141 V 234 · ATF 141 V 234 · DTF 141 V 234
- Datum
- 23.03.2015
- Geschäftsnummer
- 9C_765/2014
- Abteilung
- II. sozialrechtliche Abteilung
- Ausgang
- Abgewiesen
Tragende Normen
Art. 3 AHVG Art. 4 AHVG Art. 9 AHVG Art. 17 AHVV Art. 20 AHVV
Zusammenfassung
Ein in der Schweiz wohnhafter Selbstständigerwerbender und Arbeitnehmer bezieht Einkünfte aus Beteiligungen an ausländischen Limited Partnerships (LPs), die als Anlagevehikel für Private Equity dienen. Die Ausgleichskasse setzt Beiträge auf diesen Einkünften fest, da sie diese als Einkommen aus selbstständiger Erwerbstätigkeit qualifiziert. Der Versicherte argumentiert, es handle sich um reine private Vermögensverwaltung und nicht um beitragspflichtiges Erwerbseinkommen, wobei er die Ähnlichkeit mit Kommanditgesellschaften für kollektive Kapitalanlagen (KGK) nach dem KAG betont.
Das Bundesgericht weist die Beschwerde ab und bestätigt die Beitragspflicht des Beschwerdeführers auf den Einkünften aus den LP-Beteiligungen. Das Gericht prüft zunächst, ob die LPs als "andere auf einen Erwerbszweck gerichtete Personengesamtheiten" im Sinne von Art. 20 Abs. 3 AHVV gelten. Es stellt fest, dass der Verordnungsgeber bei der Schaffung dieser Bestimmung die damals noch wenig verbreiteten Investitionsvehikel wie LPs oder die erst 2007 eingeführte KGK nicht explizit im Fokus hatte. Da im Gesetzgebungsverfahren zum KAG keine ausdrückliche Befreiung von der AHV-Beitragspflicht für Anleger-Kommanditäre aufgenommen wurde, hält das Gericht an der konstanten Rechtsprechung fest, wonach der erwerbliche Charakter der Tätigkeit entscheidend ist.
Im konkreten Fall qualifizierte das Gericht die Tätigkeit des Beschwerdeführers als gewerbsmässige Erwerbstätigkeit. Massgeblich war dabei die enge organische Verbindung zwischen seiner unselbstständigen Erwerbstätigkeit bei einem Investmentunternehmen (B.________) und seinen privaten Investitionen in LPs, die teilweise von derselben Firma gehalten wurden. Das Gericht berücksichtigte Kriterien wie den systematischen Einsatz erheblicher Fremdmittel, die Häufigkeit der Transaktionen und die Nutzung spezieller Fachkenntnisse. Diese Umstände sprengten den Rahmen einer üblichen privaten Vermögensverwaltung deutlich. Daher sind die Einkünfte als beitragspflichtiges Erwerbseinkommen gemäss Art. 9 Abs. 1 AHVG und Art. 20 Abs. 3 AHVV zu behandeln. Die Höhe der Einkünfte war nicht strittig.
Regeste
Art. 9 Abs. 1 AHVG und Art. 20 Abs. 3 AHVV. Nachdem im Gesetzgebungsverfahren betreffend das Bundesgesetz über die kollektiven Kapitalanlagen (KAG) eine Anpassung des AHV-Beitragsrechts nicht thematisiert wurde, besteht (vorerst) kein Grund, von der ständigen Praxis abzuweichen, wonach für eine Beitragspflicht gestützt auf Art. 20 Abs. 3 AHVV der erwerbliche Charakter einer Personengemeinschaft entscheidend ist. Es ist nicht Aufgabe des Bundesgerichts, die AHV-rechtliche Beitragspflicht weiter zu fassen als der Gesetz- und Verordnungsgeber (E. 5.4). Investitionen in kollektive Kapitalanlagen sind allerdings - analog der Rechtsprechung zu den Wertschriften- und Liegenschaftenhändlern - von erwerblichem Charakter und unterliegen somit der AHV-Beitragspflicht, wenn ein gewerbsmässiger Investor unter Einsatz erheblicher Mittel eine Vielzahl kollektiver Risikokapitalanlagen tätigt, die zumindest teilweise einen engen Bezug zur Arbeitgeberfirma aufweisen (E. 6.3.3). Regeste Art. 9 al. 1 LAVS et art. 20 al. 3 RAVS. Puisqu'une adaptation relative au droit des cotisations AVS n'a pas été thématisée à l'occasion du processus législatif concernant la loi fédérale sur les placements collectifs de capitaux (LPCC), il n'existe (pour le moment) aucune raison de s'écarter de la pratique constante selon laquelle le caractère lucratif d'une communauté de personnes est déterminant pour une obligation de cotiser fondée sur l'art. 20 al. 3 RAVS. Il n'appartient pas au Tribunal fédéral d'élargir l'obligation de cotiser au-delà de ce que voulait le législateur ou l'autorité chargée d'édicter les ordonnances (consid. 5.4). Des investissements dans des placements collectifs de capitaux ont assurément - par analogie avec la jurisprudence relative aux commerçants en titres et en immeubles - un caractère lucratif et sont ainsi soumis à l'obligation de cotiser en matière d'AVS lorsque, par l'engagement de moyens importants, un investisseur professionnel réalise de nombreux placements de capitaux à risque qui dénotent du moins en partie un lien étroit avec la société employeuse (consid. 6.3.3). Regesto Art. 9 cpv. 1 LAVS e art. 20 cpv. 3 OAVS. Visto che in occasione dell'iter legislativo della legge federale sugli investimenti collettivi di capitale (LICol) un adattamento del diritto contributivo AVS non è stato trattato, non esiste (per il momento) alcun motivo, per discostarsi dalla prassi costante, secondo cui è decisivo per un obbligo contributivo a norma dell'art. 20 cpv. 3 OAVS il carattere lucrativo di una comunità di persone. Non è compito del Tribunale federale di estendere l'obbligo contributivo AVS al di là della legge o dell'ordinanza (consid. 5.4). L'impiego di somme di denaro in investimenti collettivi di capitale ha ad ogni modo - analogamente alla giurisprudenza sui commercianti in titoli e in fondi immobiliari - un carattere lucrativo e sottostà all'obbligo contributivo AVS, se attraverso importanti mezzi un investitore professionista realizza numerosi investimenti collettivi di capitale a rischio, i quali per lo meno in parte dimostrano una relazione stretta con la società datore di lavoro (consid. 6.3.3).
Originalentscheid beim Gericht ↗
Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.
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