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Justizze. Art. 93 BGG

Bundesgericht

IV-Stelle gegen Rückweisung für Einigungsversuch bei polydisziplinärem Gutachten: Nichteintreten mangels irreparablen Nachteils (Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG)

BGE / ATF / DTF
BGE 140 V 507 · ATF 140 V 507 · DTF 140 V 507
Datum
28.10.2014
Geschäftsnummer
BGE 140 V 507
Ausgang
Nichteintreten

Tragende Normen

Art. 93 BGG Art. 72bis IVV

Zusammenfassung

Eine Invalidenstelle des Kantons St. Gallen focht einen Entscheid des kantonalen Versicherungsgerichts an, das sie verpflichtet hatte, vor der Zuweisung eines polydisziplinären medizinischen Gutachtens per Losverfahren zunächst einen Einigungsversuch mit der versicherten Person durchzuführen. Die Versicherte hatte sich gegen die automatische Zuteilung einer MEDAS-Stelle gewehrt und eine einvernehmliche Wahl vorgeschlagen. Das kantonale Gericht hiess die Beschwerde der Versicherten gut und wies die Sache zur Durchführung dieses Einigungsversuchs zurück. Die IV-Stelle beantragte beim Bundesgericht die Aufhebung dieses Zwischenentscheids.

Das Bundesgericht trat auf die Beschwerde der IV-Stelle nicht ein. Es prüfte die Zulässigkeit der Beschwerde gegen den selbstständig eröffneten Zwischenentscheid gemäss Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG. Zwar stellte das Gericht fest, dass die Gutachterwahl bei polydisziplinären Begutachtungen nach Art. 72bis Abs. 2 IVV zwingend nach dem Zufallsprinzip zu erfolgen hat und für eine einvernehmliche Benennung der Experten kein Raum bleibt. Der von der Vorinstanz angeordnete vorgängige Einigungsversuch widerspricht daher dieser bundesrechtlichen Verfahrensvorschrift.

Dennoch erkannte das Gericht keinen nicht wieder gutzumachenden Nachteil für die IV-Stelle. Die Verpflichtung, im Rahmen der medizinischen Sachverhaltsabklärung eine bundesrechtliche Verfahrensvorschrift zu missachten, begründet diesen Nachteil nicht, wenn dadurch keine rechtswidrige Verfügung erlassen werden muss. Da keine Partei zu einer einvernehmlichen Gutachtenseinholung gezwungen werden kann und die Willenskundgebung nicht verbindlich durchsetzbar ist, bliebe die Verfügung der IV-Stelle im Fall des Scheiterns des Einigungsversuchs davon unbeeinflusst. Mangels Erfüllung der Eintretensvoraussetzung wurde die Beschwerde als unzulässig erklärt.

Regeste

Art. 93 Abs. 1 lit. a BGG; Art. 72 bis Abs. 2 IVV; Rückweisungsentscheid zur vorgängigen Durchführung eines Einigungsversuchs bei polydisziplinärem Gutachten. Die Gutachterwahl bei polydisziplinären Gutachten hat immer nach dem Zufallsprinzip zu erfolgen (BGE 139 V 349 E. 5.2.1 S. 354). Für eine einvernehmliche Benennung der Experten bleibt kein Raum (E. 3.2.1). Der vom kantonalen Gericht postulierte Auswahlmodus, wonach das Zufallsprinzip nur bei gescheiterter Einigung greift, führt zur grundsätzlichen Priorisierung der einvernehmlichen Gutachtenseinholung und vereitelt insoweit die angestrebte, möglichst gleichmässige Auftragsvergabe an alle MEDAS-Stellen oder begünstigt zumindest, dass einige Anbieter praktisch nie zum Zug kommen. Mit der Verpflichtung, im Rahmen der medizinischen Sachverhaltsabklärung eine bundesrechtliche Verfahrensvorschrift zu missachten, erwächst der IV-Stelle allerdings kein nicht wieder gutzumachender Nachteil (E. 3.2.2). Regeste Art. 93 al. 1 let. a LTF; art. 72 bis al. 2 RAI; décision de renvoi portant sur la recherche préalable d'un accord en matière d'expertise pluridisciplinaire. Le choix de l'expert en cas d'expertise pluridisciplinaire doit toujours se faire selon le principe aléatoire (ATF 139 V 349 consid. 5.2.1 p. 354). Il n'y a aucune place pour une désignation des experts opérée sur une base consensuelle (consid. 3.2.1). Le mode de désignation proposé par le tribunal cantonal, qui prévoit que le principe aléatoire n'intervient que dans la mesure où la recherche d'une solution consensuelle a échoué, conduit à donner la priorité à une mise en oeuvre d'une expertise sur une base consensuelle et, dans cette mesure, porte atteinte à l'objectif d'une attribution la plus équitable possible des mandats d'expertise à tous les COMAI ou, à tout le moins, contribue à ce que certains centres ne puissent pratiquement jamais entrer en ligne de compte. L'obligation imposée à l'office AI de violer une disposition de procédure de droit fédéral dans le cadre de l'établissement de l'état de fait médical ne lui cause toutefois pas un préjudice irréparable (consid. 3.2.2). Regesto Art. 93 cpv. 1 lett. a LTF; art. 72 bis cpv. 2 OAI; decisione di rinvio per lo svolgimento di un tentativo di conciliazione preventivo nell'ambito di una perizia medica pluridisciplinare. La scelta del perito in ambito di perizie mediche pluridisciplinari deve sempre avvenire secondo il metodo aleatorio (DTF 139 V 349 consid. 5.2.1 pag. 354). Non c'è spazio per la nomina consensuale dell'esperto (consid. 3.2.1). Il modo di designazione come proposto dal tribunale cantonale, in cui il metodo aleatorio entra in gioco solo se non c'è un consenso, conduce in genere a rendere prioritario l'esperimento consensuale di una perizia e ad impedire in questa misura un'attribuzione per quanto possibile equivalente dei mandati o, per lo meno, ad aumentare il rischio di escludere alcuni centri medici. L'obbligo, nel quadro dell'accertamento dei fatti in ambito medico, di ignorare una disposizione procedurale del diritto federale non causa all'Ufficio AI un pregiudizio irreparabile (consid. 3.2.2).

Originalentscheid beim Gericht ↗

Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.

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